Grünes Licht für Erweiterungsbau

Ober-Roden - (lö) Die Trinkbornschule hat vom Kreis grünes Licht für ihr Betreuungsgebäude bekommen, die Nell-Breuning-Schule wartet darauf. Rund 4,5 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket des Landes fließen in die beiden Baumaßnahmen.

Während sich die Rödermärker Schulgemeinden freuen, hat Professor Klaus Zimmermann, Chef des Wirtschaftsforschungsinstitutes DIW, solche Investitionen als Mogelpackungen kritisiert.

In seiner jüngsten Sitzung hat der Haupt- und Finanzausschuss des Kreistages die Erweiterung der Trinkbornschule auf den Weg gebracht. Etwa 1,8 Millionen Euro aus dem Sonderinvestitionsprogramm „Schule“ des Landes Hessen sollen diese Baumaßnahme schnellstmöglich realisieren. „Wir freuen uns, dass in diesem Fall nicht nur die Schülerinnen und Schüler“, sagte die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger, „sondern auch die Stadt Rödermark von dieser Maßnahme profitieren.“

Ursprünglich hatte die Stadt einen Anbau für die Betreuung an der größten Grundschule im Kreis geplant. Das Projekt wäre in der üblichen Weise vom Kreis mit etwa 500 000 Euro bezuschusst worden. Nachdem die Stadt aufgrund ihres hohen Defizits keine Möglichkeit sah, dieses Vorhaben zu finanzieren, greift nun das Sonderinvestitionsprogramm des Landes.

Geplant ist ein zweigeschossiger Längsbau an der Rilkestraße sowie ein eingeschossiger Anbau, der sich in Richtung Schulhof erstreckt und in dem künftig das Mittagessen für 200 Kinder angeboten werden soll. Der Speisesaal ist multifunktional konzipiert. Dank variabler Möblierung kann er außerdem auch als Betreuungsraum oder sogar als Aula genutzt werden. „Mit dieser Baumaßnahme“, so Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger, „ist die Schule ab dem kommenden Schuljahr für die Zukunft sehr gut gerüstet.“

DIW-Präsident Zimmermann hatte gefordert, mehr Geld in eine bessere Ausstattung der Schulen zu stecken statt in ohnehin fällige Reparaturen. Anlass war eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), nach der die Bildungsausgaben in Deutschland hinter denen der meisten Industrieländer herhinkten.

Erweiterung ist ein Schritt zur Ganztagsschule

Diese pauschale Kritik weisen sowohl Konrad Ertinger, der Rektor der Trinkbornschule, als auch sein Kollege Jochen Zeller von der Nell-Breuning-Schule zurück. Würde der Anbau allein Betreuungszwecken dienen, könne er Zimmermanns Ansicht zumindest teilweise verstehen, sagte Ertinger. Aber die Erweiterung sei ein Schritt hin zur Ganztagsschule und biete jene bildungspolitischen Perspektiven, die die OECD in Deutschland vielfach vermisst.

Ähnlich argumentiert auch Zeller: „Wenn Ganztagsschulen als die Schulen der Zukunft gesehen werden, was zum Beispiel die hessische Landesregierung tut, in dem sie mehr oder weniger alle Gymnasien zu Ganztagsschulen ernannt hat, dann müssen die Gebäude entsprechend modelliert werden, um einen Leben und Lernen für die Schülerinnen und Schüler erfolgreich gestalten zu können.“ Vor diesem Hintergrund sei auch der rund 2,7 Millionen Euro teure Ergänzungsbau in der Kapellenstraße zu sehen.

Würde das Land - wie von der OECD gefordert - mehr Geld für Lehrer ausgeben, wäre das für Zeller „sicher ein Thema“. Er warnt aber vor Hast, denn für ihn stellt sich die Frage, ob es auch genug gut ausgebildetes Personal für die Schulen gibt.

Quelle: op-online.de

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