Viertklässler wie die Fische im Wasser

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Wie die Fische im Wasser tummeln sich die knapp 100 Viertklässler aus der Schule an den Linden, die gestern ihren Schwimmunterricht beendeten. Rektor Thomas Pohl (rechts), mehrere Lehrkräfte und Schwimmmeister Markus Reents gratulierten vorm Badehaus.

Urberach - 22 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren starben voriges Jahr in Deutschland bei Badeunfällen. Das ist laut Deutscher Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen, doch jedes Opfer ist eines zuviel. Von Michael Löw

Die Schule an den Linden wappnet ihre Kinder schon seit fünf Jahren mit einem nachahmenswerten Projekt gegen die Gefahren im Wasser.

In knapp zwei Wochen fangen die Ferien an. Und da heißt"s für etliche Rödermärker Kinder Familienurlaub am Strand oder am Bergsee oder sommerliches Chillen daheim im Schwimmbad. „Kein Kind verlässt unsere Schule ohne schwimmen zu können“, sieht Rektor Thomas Pohl seine Abgänger gut gerüstet für ein ungetrübtes Badevergnügen.

Schwimmunterricht mit Erfolg beendet

97 - und damit praktisch alle - Viertklässler beendeten gestern im Badehaus mit Erfolg einen Schwimmunterricht, der nach den Erkenntnissen der Schule bundesweit einzigartig ist. Jeder Zweit-, Dritt- und Viertklässler verbringt pro Halbjahr wöchentlich zwei Sportstunden im Schwimmerbecken. Jeweils zwei Lehrer mit spezieller Schwimm-Ausbildung und eine Trainerin des Vereins für Fitness und Schwimmsport (VFS) betreuen die kleinen Urberacher. Ein Schlüssel von 20 Kindern pro Betreuungskraft garantiert größtmögliche Sicherheit.

Wie in Deutsch, Mathe oder Sachkunde sehen sie sich ganz unterschiedlichen Leistungsstufen gegenüber. Einige Kinder starten schon im Alter von acht oder neun Jahren bei Wettkämpfen. Andere, so Rektor Pohl, „waren erst vor zwei Wochen reif fürs Seepferdchen“. Das ist die unterste Stufe der diversen Schwimmabzeichen.

Seiteneinsteiger machen Kummer

Kummer machen den Lehrern und Anne von Soosten-Höllings (VFS) vor allem die so genannten Seiteneinsteiger. Das sind Kinder, die „zuvor nur zum Waschen mit Wasser in Berührung kamen.“ Man mag"s kaum glauben, doch die gibt es tatsächlich. Und nicht nur im muslimischen Kulturkreis und nicht nur unter Mädchen.

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Kleiner Luxus im Badehaus

Der VFS bietet während der Projektwoche alle zwei Jahre Kurse gerade für solche Kandidaten an. Doch die, so die Erfahrung von Anne von Soosten-Höllings, tragen sich dann meist in die Liste fürs Fußball ein. Sie wollen sich lieber in einer Sportart, die ihnen vertraut ist, profilieren als sich im Wasser blamieren. Rektor Thomas Pohl ist dankbar, dass die Stadt das Badehaus dienstags für den normalen Betrieb schließt und den Vormittag für die Schulen frei hält. Außer der Schule An den Linden haben auch die Trinkbornschule und die Nell-Breuning-Schule ihre festen Wasserzeiten.

Fakten zum Schwimmen

- Drei von vier Deutschen haben zwischen dem fünften und zehnten Lebensjahr, also im Grundschulalter, schwimmen gelernt. Das ist das Ergebnis einer Emnid-Umfrage im Auftrag der DLRG.

- Doch anders als in Urberach steht Schwimmunterricht meist erst ab der dritten Klasse auf dem Lehrplan. Das ist nach Ansicht des DLRG-Präsidenten Dr. Klaus Wilkens zu spät. Die heutige Schülergeneration schwimme deshalb um einiges schlechter als frühere.

- Ursache der Misere: Immer mehr Städte machen klassische Sportbäder dicht oder wandeln sie in Spaßbäder um, klagt Wilkens und kritisiert: „Die Schließung eines Schwimmbades zur Konsolidierung kommunaler Etats ist gegen die Interessen der Bevölkerung!“

- 2011 kamen 410 Menschen in deutschen Gewässern ums Leben. Unbewachte Flüsse, Seen und Kanäle bergen die größten Gefahren. Hier ertranken 343 Menschen. Vergleichsweise sicher sind Schwimmbäder sowie die Strände von Nord- und Ostsee, denn hier passen Rettungsschwimmer auf.

- Tipps zur Sicherheit im Wasser gibt"s im Internet unter www.dlrg.de.

Quelle: op-online.de

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