18 Wohnungen und zwei Praxen

Grundstein für 36-Meter-Neubau „Junah“ gelegt

Urberach - In der Erich-Kästner-Straße wurde gestern der Grundstein für ein Haus mit 18 Wohnungen und zwei Arztpraxen gelegt. Was nach Ansicht des Bauträgers und der Stadt die Entwicklung „An den Rennwiesen“ voran bringt, ärgert einige Nachbarn.

Ein dreistöckiges 18-Familien-Haus mit Tiefgarage und Praxen für zwei Ärzte entsteht derzeit „An den Rennwiesen“. „Junah“ heißt das Projekt des Langener Bauträgers Salco. Der Name kommt aus dem Arabischen und bedeutet Flügel, erläuterte Geschäftsführer Adrian Khalifé gestern bei der Grundsteinlegung. Um ein zentrales Treppenhaus hat der Architekt zwei Flügel mit Wohnungen zwischen 47 und 136 Quadratmetern und die Praxisräume gruppiert. Sein Unternehmen investiere zwischen sechs und sieben Millionen Euro, sagte Rida Khalifé, der Salco vor 23 Jahren gegründet hat. Er und sein Sohn Adrian sind die Geschäftsführer der Gesellschaft für Projektentwicklung und Baumanagement.

Gleich drei Maurergesellen hatte Bauherr Rida Khalifé gestern für die Grundsteinlegung angelernt: Bauamtsleiter Thomas Kron, Bürgermeister Roland Kern und den Ersten Stadtrat Jörg Rotter.

Schon Ende 2017 soll „Junah“ stehen. Denn dann will die erste Ärztin, eine Gynäkologin, einziehen. Die zweite Praxis ist nach Auskunft von Adrian Khalifé für einen Zahnarzt reserviert. Sollte der einen Rückzieher machen, hat die Stadt möglicherweise zwei Interessenten an der Hand. Bürgermeister Roland Kern berichtete, dass vorige Woche die bisher nicht in Rödermark niedergelassenen Allgemeinmediziner sich bei der Stadt nach Räumen erkundigt haben.

Der Neubau auf dem rund 2000 Quadratmeter großen Grundstück ist 36 Meter lang und hat 32 Parkplätze, 26 davon in der Tiefgarage. Von der erschließt ein Aufzug alle drei Stockwerke. Mehreren Nachbarn, die ihre Namen alle nicht in der Zeitung sehen wollen, ist das „Junah“-Projekt zu groß. Die Länge von 36 Metern verstoße gegen den Bebauungsplan, der eine Grenze von 20 Metern vorschreibt. Tenor des Ärgers: Den „Großen“ erlaube die Stadt alles, während die „Kleinen“ ihr Dach um einen Meter hätten kürzen müssen oder Balkone nicht über die ganze Gebäudelänge ziehen dürfen.

Kritikpunkt Nummer zwei sind die Parkplätze. Laut Stellplatzsatzung seien 45 oder 46 nötig - also 13 oder 14 mehr als geplant. Die Nachbarn bezweifeln, dass die Tiefgarage wirklich genutzt wird, und monieren, dass die sechs oberirdischen Parkplätze auf dem Grundstück so angeordnet sind, dass am Rand der Erich-Kästner-Straße deutlich mehr Parkplätze wegfallen.

Sowohl der Bürgermeister als auch die Bauherrn weisen die Kritik zurück. „Wir haben alle Vorgaben des Bebauungsplanes eingehalten“, sagt Rida Khalifé. Das zurückgesetzte Treppenhaus gliedere „Junah“ in zwei Flügel, die deutlich kürzer als 20 Meter seien. Der Magistrat, so Verwaltungschef Kern, habe die Reduzierung der Stellplätze im Mai 2016 einstimmig beschlossen. Senioren oder Behinderte, die dort einziehen können, hätten weniger Autos als Familien oder doppelt berufstätige Paare. Diese Rechenweise, so einer der Nachbarn, diskriminiere behinderte und ältere Menschen.

Eine Nachbarin hatte Geschäftsführer Adrian Khalifé gegenüber Verkehrsprobleme durch die Praxen befürchtet und einen Poller oder eine Schranke auf der Erich-Kästner-Straße gefordert. „Alle Kunden, die hier ein Grundstück kauften, wussten doch, dass am Kopf der „Rennwiesen“ ein Mischgebiet entsteht“, hält Khalifé dagegen.

„Keineswegs behandeln wir „Große“ und „Kleine“ unterschiedlich“, entgegnet Bürgermeister Kern den Nachbarn. Die Stadt entscheide in allen Fällen gemäß Bauplanungs- und Bauordnungsrecht, also nach den Vorgaben des Bebauungsplans und gesetzlichen Normierungen. Soweit ein Spielraum zugunsten der Bauherrn offen stehe, entscheide sie nach pflichtgemäßem und gerichtlich nachprüfbarem Ermessen. Kern: „Wir sind dort flexibel, wo ein Grund dafür gegeben ist und uns nicht die Hände gebunden sind.“ Balkone dürften nicht in Stellplätze hineinragen und daher nicht immer über die ganze Breite eines Hauses gehen. (lö)

Herbstmarkt 2016 in Urberach: Bilder

Quelle: op-online.de

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