Gute Taten vor dem Supermarkt

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Vor der Rewe-Filiale in Ober-Roden das gleiche Bild wie vor Netto, Aldi, Lidl und Kaufland. Angehende Firmlinge der Nazariusgemeinde und ihre Katecheten baten bei Einkäufern des Marktes um Waren für die Kunden des „Rödermärker Brotkorbes“.

Rödermark (chz) - „Entschuldigen sie, wir sammeln Spenden für den Rödermärker Brotkorb. . . “ – so oder ähnlich wurden am Samstag Mittag vor Rewe und Kaufland, vor Aldi, Lidl und Netto die Kunden angesprochen, die ihren Wochenendeinkauf erledigten.

Das Ergebnis der Aktion der angehenden Firmlinge der Nazariusgemeinde war zwar nicht ganz so hoch wie im vergangenen Jahr, doch der Vormittag hat sich gelohnt. Für die finanziell schwachen Kunden des „Rödermärker Brotkorbs“ wie auch für die Jugendlichen, die diese Idee verwirklichten. Sie sprachen Kunden auf dem Weg in die Märkte an und baten darum, zusätzlich zum eigenen Einkauf eine Sonderration für die Lebensmittelverteilstelle beizusteuern.

Nur mit einer kleinen Gruppe standen die Firmlinge beim Netto-Markt – ein Firmbewerber war erkrankt, einer schrieb an diesem Samstag eine Prüfung. Dennoch lief der segensreiche Handel auch hier schwunghaft.

„Wir haben inzwischen mindestens zehn Kilo Nudeln – wenn wieder mal jemand fragt, was er einkaufen soll, wünscht euch Tomatensoße“, organisierte Katechet Thomas Dinges den Einkauf.

Natürlich gibt’s immer mal wieder auch Bananen oder Toastbrot, obwohl ja um haltbare Lebensmittel gebeten wird, aber auch dafür werden die Organisatoren im Brotkorb kurzfristige Abnehmer finden. „Dafür denken viele Leute wirklich mit. Eine Frau hat uns gerade ganz hochwertige Kinderzahnpasta vorbeigebracht. So etwas sei doch wichtig.“

Weniger Raketen bauen

Mehl, Reis, Nudeln oder Zucker sind der Renner in den schon vorsortierten Kisten am Ende der zweieinhalbstündigen Aktion, aber auch Konserven mit Fertiggerichten gibt’s in guter Qualität. Interessante Gespräche waren bei der Aktion kostenlos inbegriffen. Etwa mit einem Mann mittleren Alters im Kaufland, der die Jugendlichen auf deren Dank rückfragt, in wessen Namen sie sich eigentlich bei ihm bedanken und die Antwort bekommt: „Im Namen derer, die von Ihren Lebensmittel profitieren werden und die es sehr nötig haben“. Daraus entwickelte sich ein längeres Gespräch, in dem er die Aktion als sehr wichtig lobt, aber doch findet, dass die Regierung sich besser um diese Menschen kümmern müsse und dafür weniger Raketen bauen solle.

War es schwer für die jungen Menschen, einfach wildfremde Leute in ihrer Betriebsamkeit anzubetteln? „Nein, den meisten fällt das nicht schwer, aber es gibt halt immer wieder mal pampige Antworten wie ‚Damit hab ich nix am Hut’ oder ‚Lasst mich in Ruhe’ – so etwas stößt die bereitwilligen Jugendlichen natürlich vor den Kopf“, bedauert Astrid Hitzel, Katechetin in der Gruppe, die vor dem Kaufland steht.

Mal ’ne Schachtel Zigaretten weniger

Dagegen stehen aber viele tollen Erfahrungen wie etwa eine Frau vor dem Rewe-Markt: „Ich habe das letztes Jahr verpasst“ – dafür steht sie dieses Jahr mit zwei großen Tüten vor den Körben der Jugendlichen. Oder der Vater, der extra nur zum Abgeben noch mal vorbei gefahren kommt und sich erklärt: „Wir waren heute schon ganz früh einkaufen, da standen Sie hier noch nicht!“ Oder aber jene Frau, die es auf den Punkt bringt: „Das ist für uns ja wirklich nicht viel, da rauchen wir halt mal ’ne Schachtel Zigaretten weniger. Aber in der Menge hilft es doch vielen. Man weiß ja nie, in welche Situation man mal selber kommt.“ Solche Erfahrungen ermutigen die Jugendlichen, sich auch jenseits ihrer Firmkatechese für das Gemeinwohl einzusetzen.

Die Schätze wurden im Anschluss direkt an den provisorischen Stauraum des „Rödermärker Brotkorbs“ in der Garage der Urberacher Petrusgemeinde gebracht. Provisorisch nur deshalb, weil er eigentlich ja zum Pfarrhaus gehört und schon seit sechs Jahren wie auch der Verkaufsraum dem „Brotkorb“-Team trotz eigenen Platzmangels freundlich überlassen wird.

Quelle: op-online.de

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