Gute Taten an der Wohnungstür

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Nicht an jeder Tür erfuhren die kleinen Sternsinger so viel Erfolg wie hier in der Bruchwiesenstraße. Wegen der Ferien waren noch viele Wohnungsbesitzer in Urlaub oder anderweitig unterwegs.

Rödermark - Zwei große Abschlussgottesdienste beendeten am gestrigen Dreikönigstag in den beiden katholischen Kirchen St. Nazarius und St. Gallus ebenso wie nahezu weltweit die diesjährige Aktion des Kindermissionswerkes „Die Sternsinger“.

Letztes Jahr wurden dabei allein in Deutschland mehr als 42 Millionen Euro für soziale Projekte gesammelt, insgesamt waren es über 800 Millionen.

Die weltweit größte Spendensammel-Aktion unterstützt dieses Jahr schwerpunktmäßig Gesundheitsstationen sowie Ausbildungsprojekte von Ärzten und Krankenpflegern in Tansania. Deutschlandweit laufen rund eine halbe Million Menschen als Könige verkleidet von Tür zu Tür – darunter auch 18 aus Urberach und 33 aus Ober-Roden. In Ober-Roden, wo nur jene Menschen besucht und mit dem Segen erfreut werden, die sich vorher angemeldet haben, stand der Freitag ganz im Zeichen der öffentlichen Einrichtungen. Beiden Seniorenheimen sowie allen Kindergärten (mit Ausnahme der Kita St. Nazarius, die eine eigene Feier hat) wurde königlicher Besuch abgestattet. Auch im Rathaus und da beim Bürgermeister wurde fleißig gesungen und anschließend der Segen am Türrahmen erneuert: „20*c+m+b+13“ – Christus Mansionem Benedicat, Gott segne dieses Haus (und nicht etwa Caspar, Melchior und Balthasar, die drei Weisen aus dem Morgenland). Der Stern dabei symbolisiert jenen Stern, dem die Könige einst nach Bethlehem folgten; die drei Kreuze stehen für den Segen „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“.

Wo eine weiße Tür nicht zum Beschreiben mit Kreide einlädt, helfen schwarze Aufkleber nach, die dann beschriftet werden – wie etwa auch im Hort der Trinkbornschule, in dem die Könige abschließend einen Überraschungsbesuch abstatteten.

Am Samstag gab’s dann strenges Programm. Die 33 Kinder und 16 Gruppenleiter zogen in acht Gruppen durch alle Ortsteile und klingelten bei weit über 300 Wohnungen, deren Besitzer sich angemeldet hatten.

Das Wetter spielte diesmal mit, doch gegen Abend wurden die teils noch sehr jungen Mini-Könige spürbar müde. Das änderte sich rasch beim großen Süßigkeiten-Verteilen im Forum St. Nazarius. Jeder bekam einen süßen Dank mit nach Hause, und dennoch blieb ein üppiger Rest für den Rödermärker „Brotkorb“ übrig, wo ihn die Organisatoren abliefern. Vor dem Abschlussgottesdienst war die gute Seele des Sternsingens, Wilma Gotta, sichtlich zufrieden: „Ich finde es toll, dass die jungen Leute sich so engagieren, deshalb bin ich auch immer wieder dran, sie über das Singen hinaus einzubinden.“ Das gelingt ihr sichtlich gut, denn im Gottesdienst wurden mit Marion Giegerich, Annika Erter, Kathrin Roth, Verena Müller und Florian Gotta fünf Jugendliche ausgezeichnet, die erst als Sternsinger und nun als Betreuer insgesamt zum zehnten Mal dabei sind.

Eine schöne Neuerung: Wilma Gotta spricht inzwischen auch die evangelische Gemeinde an – das muss sich erst herumsprechen, aber auch diesmal waren einige evangelische kleine Könige dabei.

In Urberach ziehen die Kinder der Gallusgemeinde immer noch nach alter Tradition von Haustür zu Haustür. Sie stehen dabei zwar gerade freitags oft vor verschlossenen Türen oder erfahren auch mal eine Abfuhr, aber das hält sich in Grenzen: „Diesmal waren es wenige, die als Andersgläubige keinen Haussegen bekommen wollten oder einfach abwehrten“, fasst Sternsinger-„Chefin“ Nicole Neuheuser zusammen. Dafür spürten auch viele Kinder, wie willkommen sie gerade bei einsamen Menschen etwa sind. Hierbei kommt dann der andere Teil der Sternsinger-Arbeit zum Tragen: neben dem Haussegen auch ein Ansprechpartner und eine willkommene Ablenkung im Alltag sein.

18 Kinder wanderten in Urberach von Tür zu Tür. Kleine Ausnahmen werden bei Pflegefällen etwa gemacht – da klingelt ein kleiner König schon mal auf Absprache. Nach der Sammelaktion herrschte reges Treiben im MTV-Heim, in das die Sternsinger wieder einmal ausgewichen waren, nachdem sie mittags wie auch ihre Ober-Röder Kollegen von Eltern betreut wurden.

Auch beim MTV blieb am Ende ein Korb voller Süßem für den „Brotkorb“ übrig, während die Kinder müde, aber zufrieden nach Hause gingen.

„Wir waren dieses Jahr wohl auf Grund der langen Ferien sehr wenige Kinder und darunter noch sehr viele Neue, dafür lief es sensationell gut. Gerade die Neuen waren von der Idee der Aktion ganz begeistert“, freute sich Nicole Neuheuser, wobei die zahlenmäßig stärkere Gruppe der Buben mit strahlenden Augen von ihren Erfolgen erzählten: „Bis zur Mittagspause haben wir im Wohngebiet „Am Bruch“ schon insgesamt 196 Euro eingesammelt!“ Daraus sollten schließlich allein in der Straßensammlung – ohne Kollekte – 6137 Euro und acht Cent werden – ein stolzer Betrag für eine so kleine Gruppe. Die gesamte Spendenhöhe folgt in den nächsten Tagen. Stolz können die Urberacher auch auf vier Sternsinger sein, die an diesem Wochenende in Berlin von Bundespräsident Joachim Gauck empfangen werden, zusammen mit einer Delegation aus Mainz. Wir werden berichten.

chz

Quelle: op-online.de

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