Streit um freie Schulwahl

Gymnasium lässt Kinder abblitzen

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Rödermark - 24 Rödermärker Viertklässler haben im September keinen Platz an einem Gymnasium. Die Wunsch-Schulen sind voll, sagt das Staatliche Schulamt. Jetzt wollen die Eltern einen Rechtsanwalt einschalten. Von Michael Löw 

Der Frust ist groß in zwei Dutzend Familien, die ihre Kinder nach den Sommeferien gerne ins Ricarda-Huch- oder ins Adolf-Reichwein-Gymnasium (Sprendlingen beziehungsweise Heusenstamm) geschickt hätten. Doch 24 künftige Fünftklässler wurden nicht angenommen: Die Ricarda-Huch-Schule (RHS) berücksichtige zunächst Anmeldungen aus Dreieich. Und damit sei ihre Kapazitätsgrenze überschritten. Ähnlich argumentiert das Heusenstammer Gymnasium. Das hatten die meisten Eltern als Zweitwunsch angegeben. Immerhin: Fünf Geschwisterkinder wurden aufgenommen.

„Unsere Wahlfreiheit wird verletzt“, klagt zum Beispiel Gerd Weber aus Ober-Roden. Die Eltern bevorzugen das klassische Gymnasium aus grundsätzlichen pädagogischen Überlegungen gegenüber einer Gesamtschule. Sie führen aber auch ganz persönliche Gründe für ihre Entscheidung an: Sportklassen, zweisprachiger Unterricht ab der sechsten Klasse, der gute Ruf der Schulen.

Holger Jeuck aus Waldacker sieht Rödermärker Eltern extrem benachteiligt. In Hessen fehlen 247 Gymnasialplätze, 24 davon in der 27.000-Einwohner-Stadt Rödermark. Zum Vergleich: Im 25 mal größeren Frankfurt klafft nur eine Lücke von 108 Plätzen. „Wir haben hier um Rödermark ein gymnasiales Vakuum“, folgert Jeuck.

Wohnort das wichtigste Kriterium

Die Aussage „Wir sind voll!“ greift nach Ansicht der frustrierten Eltern zu kurz. Mit den Kindern aus Rödermark müsse die Ricarda-Huch-Schule eine siebte fünfte Klasse einrichten - und dafür fehlt in der Tat der Platz. Doch schon dieses Jahr verlässt ein Doppel-Jahrgang die RHS, und auch der Abi-Jahrgang 2015 ist recht groß. Dann aber gehen die Schülerzahlen zurück. Container sind in den Augen von Weber und Jeuck eine bezahlbare Zwischenlösung. Einer stehe sogar in Urberach - an der Helene-Lange-Schule, die Ende Juli geschlossen wird. Holger Jeuck: „Mit einer solchen Lösung könnte man zumindest ein wenig Luft schaffen, um für die nächsten Jahrgänge eine Lösung zu planen.“

Schulamtsleiter Dr. Peter Bienusa hält die Ablehnung für gerechtfertigt: „Die Ricarda-Huch-Schule ist voll mit Dreieicher Kindern.“ Der Wohnort sei das wichtigste Kriterium bei der Platzvergabe. Das Hessische Schulgesetz verpflichte seine Behörde auch nicht, den Eltern ein Gymnasium anzubieten: Sie müsse Kindern nur den gymnasialen Bildungsgang ermöglichen. Gymnasialklassen gebe es zum Beispiel an Gesamtschulen wie der Nell-Breuning- oder der Weibelfeldschule. Alternativen seien aber auch Gymnasien in Neu-Isenburg, Mühlheim und Seligenstadt.

Die wiederum sind den Eltern zu weit entfernt beziehungsweise zu umständlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Hilfe haben sie schon bei Bürgermeister Roland Kern, Landrat Oliver Quilling und Politikern aus Bundes- und Landtag gesucht. Bislang ohne Ergebnis. Mehr versprechen sich die Eltern von einer Anwaltskanzlei, die die Ablehnungsbescheide anfechten soll. Sie sind unter anderem der Meinung, dass die Eignung der Kinder bei der Vergabe der knappen Gymnasiumsplätze eine größere Rolle spielen müsse als die Entfernung zwischen Wohnung und Schule.

Quelle: op-online.de

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