Kulturspektakel „Häfner Open“

Fast schon zu viel Wetterglück

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Das „Ensemble Kroft“ war nicht zu beneiden um seine alten Polizeiuniformen, in denen es bei 36 Grad im Schatten die Gäste auf dem Häfnerplatz zum Kreischen brachte. Zumindest „unten herum“ ließen die Künstler etwas Bein sehen.

Urberach (chz) - Die Hitze waberte über den Häfnerplatz, als die Ska- und Rockband „Tequila Terminators“ auf dem Bühnen-Mobil das große Kleinkunst-Festival des AZ, „Häfner Open“, eröffnete.

Wohl fast 36 Grad im Schatten und eine schwarze, von drei Seiten geschlossene Bühne machten es den Musikern nicht leicht, zumal sich bis dahin erst die Hardcore-Zuhörer davor versammelt hatten und sich mit eisgekühlten Fruchtcocktails frisch hielten. Die herzerfrischende Gruppe im Brutkasten gewann viele Fans, nicht nur unter den jungen Zuhörern.

Vor allem die jüngeren Gäste sprach dagegen G-Row mit seinem Deutsch-Rap an – dazu hatte er sich neben seinem Ex-“Orwisch-Finest“-Kollegen Jenniz auch andere „Friends“ auf die Bühne geholt; gemeinsam rockten sie mit Titeln wie dem Böhse Onkelz-Cover „Reise durch den Wahnsinn“ und dem Silbermond-Feature „Bis zum Schluss“ die Bühne.

„Häfner Open" in Urberach

„Häfner Open“ heißt das Kulturspektakel mitten in Urberach. Der Häfnerplatz wurde zu einer großen Bühne. Das Alternative Zentrum Rödermark (AZ) präsentierte eine Mischung aus Straßentheater, Ska, Heimat-Rap und Brassrock.

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Wunderbarer Running Gag durch das ganze Festival: Das „Ensemble Kroft“, das diesmal für das rechte Straßentheater sorgte. Allein Mimik und Gestik der beiden Polizisten brachten das Publikum zum Kreischen und erinnerte an herrlich tollpatschige Blödel-Duos wie Stan Laurel und Oliver Hardy. Der Höhepunkt des Abends bekam schließlich beim Instrumente-Stimmen andauernden Szenenapplaus und riss die Zuhörer wirklich durch Leistung mit: „Mardi Gras“ ist die französische Bezeichnung für den Fastnachtsdienstag – genau diese Lebensfreude will die weltweit tourende Brassband vermitteln.

Saxophon, Klarinette und Sopranflöte 

Jeder Musiker der „Mardi Gras“-Brassband ist Meister seines Instruments, und viele von ihnen wechseln ständig zwischen zwei, drei und mehr.

In ihrer Unterschiedlichkeit vom vermeintlichen Bühnenarbeiter in Latzhose, der letztlich virtuos Saxophon, Klarinette und Sopranflöte spielt, bis zum Geschichten erzählenden und wunderbar rhythmischen Gitarristen waren sie nicht nur optisch ein Erlebnis. In ihrer Vielstimmigkeit und ihrer herzlichen Nähe zum Publikum ohne jegliche Berührungsängste blieben sie nicht nur die Stars auf der Bühne, sondern - auch symbolisch - wunderbar mittendrin.

Die Rahmengeschichte des durchs Meer gleitenden Forschungsschiffes „Alexander von Humboldt“, das nicht nur eine große Sammlung an Schellack-Platten im Rumpf dabei hatte, sondern auch viele kleine Überraschungen wie etwa eine lupenreine mexikanische Mariachi-Band, ließ der ungewöhnlich musikalischen Truppe viel Spielraum, ihr ganzes Spektrum nahtlos zu präsentieren. Das dicht gedrängte Publikum dankte es mit absolutem Mit- und Aufgehen in der Musik. Und die Anwohner hatten sogar schon ab 22.20 Uhr musikfreie Zone, doch die Klänge blieben auch ihnen sicher lange im Ohr.

Jede Menge Musik bei „Häfner Open“

Jede Menge Musik bei Häfner Open

Mit einem ausnehmend entspannten und eher ungewöhnlich zufriedenen Gesicht saß AZ-Chef Lothar Rickert zwischen den vielen Festivalbesuchern: „Na klar freu ich mich, mehr Leute gehen hier ja nicht! Wir haben zwar versucht, die Bühne noch etwas nach hinten zu rücken, aber die Baumscheiben stehen einfach im Weg.“ Finanziell wird’s dennoch eng, denn trotz unzähliger Cocktails und anderer Leckereien sowie lebhaftem Umsatz sind die rund 5000 bis 6000 Euro Kosten nicht zu decken. Schließlich ist der Eintritt frei.

Begeisterungsfähige Zuhörer gab's bis spät am Abend auch unter den jungen Gästen.

Dankbar ist Rickert vor allem für die handfeste Hilfe des BSC Urberach sowie der „Freunde der Nacht“ aus Ober-Roden. „Eigentlich gibt’s ein ‚Häfner Open’ ja nur jedes zweite Jahr, aber seltsamerweise kommen uns in den Jahren dazwischen immer irgendwelche Festivals in den Weg wie etwa letztes Jahr die ‚Afrikanische Nacht’. Deshalb warten wir mal ab, was nächstes Jahr so passiert!“ Nach dem Erfolg von Häfner Open 2012 ist die Motivation beim AZ garantiert gegeben.

Quelle: op-online.de

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