„Häfner Open“ eine runde Sache

Fliegende Keulen und Weltmusik

+
Ein berührender Abschluss eines wunderschönen „Häfner Open 2017“: „Mokoomba“, eine Band aus Simbabwe, die vielschichtige Weltmusik im „Tonga-Style“ ihrer Heimat präsentierte.

Urberach - Sommer, Sonne, feinste Musik und dazu internationale Verpflegung bei freiem Eintritt – was das Alternative Zentrum (AZ) den Rödermärkern und anderen Gästen nach drei Jahren Pause auf dem Häfnerplatz anbot, ist wirklich ein Geschenk. Von Christine Ziesecke 

Rund 800 Gäste kamen am Samstag zu „Häfner Open“, dem Musik- und Straßentheaterfest des Alternativen Zentrums nach Urberach. Genau ließ sich das Publikum nicht zählen, weil Eltern mit Kindern oder die Rockfans später ihre Plätze wieder freimachten für die Liebhaber von Weltmusik. Und da Geschenke nicht immer billig sind, hat auch das AZ trotz der vielen Gäste noch lange an diesem Festival zu knabbern, trotz der zahlreichen Sponsoren von der Stadt und der Sparkasse Dieburg bis hin zu „Lang’s Gusto“ und trotz durchaus zufrieden stellender Einnahmen an den Verzehrständen wie dem des deutsch-türkischen Freundschaftsvereins.

Doch das bedrückt AZ-Chef Lothar Rickert und sein Team nicht: Ein gutes kulturelles Angebot kostet nun mal Geld, und der Verein sieht schließlich die kulturelle Versorgung der Rödermärker Bürger als seine Aufgabe an - ohne die Finanzen bei jeder einzelnen Veranstaltung im Blick haben zu müssen.

Das ist dem Alternativen Zentrum gelungen. Es war die bestbesuchte und eine der angenehmsten und wohl auch hörenswertesten Veranstaltungen in der Geschichte von „Häfner Open“. Für den Verein stand sie unter erschwerten Umständen. Denn erstmalig musste für eine der Gruppen einiges an technischem Material bereitgestellt werden. „Das haben wir im letzten Moment noch über Beziehungen organisiert und in Frankfurt besorgt“, erläuterte Lothar Rickert. Und er muss wohl auch besondere Beziehungen zum Wettergott haben, denn bis auch zwei kurze Tröpfelphasen – die niemanden zum Weggehen veranlassten – blieb es sonnig und trocken.

Die Musiker von „Mokoomba“ aus Simbabwe standen nach ihrem Auftritt sichtlich begeistert von diesem recht intimen Open Air noch am Rand des Stagemobils und schüttelten zahllose Hände, erzählten sprudelnd von ihren Konzerten, unterschrieben ihre CDs oder gaben einfach nur Autogramme. Sie waren mit ihrer ungeheuer berührenden und streckenweise wirklich bewegenden Weltmusik der Höhepunkt des Festivals. Die in ihrer eigenen Sprache gesungene Ballade an die Eltern rührte jeden Zuhörer an, vor allem durch die immer wiederkehrenden klagenden Partien der Lieder. Weltmusik mit Tonga-Touch – auch wenn Texte nicht akustisch zu verstehen waren, so bewegten sie die Menschen ganz tief. Weltmusik ist der Höhepunkt der AZ-Festes und die Besucher wünschen sich, dass es so bleibt.

Bilder: „Häfner Open“ in Urberach

Doch davor waren alle Alt- und Neurocker auf dem Häfnerplatz zu ihrem Recht gekommen dank „Mad Zeppelin“, einer Band, die den riesigen Fußstapfen ihrer großen Vorbilder Led Zeppelin gut gerecht wurde. Den Auftakt des Nachmittags hatte „IZE“ gesetzt, eine Newcomerband aus Mannheim, die ihr Publikum schon mit den ersten Takten in echte Urlaubs-Ferien-Rhythmus-Gute-Laune versetzten und mit Funk, Pop und RnB begeisterte.

Aber auch Klassisches gab"s auf die Ohren der Besucher. Egal ob Mozarts Kleine Nachtmusik, ein Schlaflied vom Band oder ob Töne von einer kleinen Drehorgel: Ben Smalls ließ die Kinderaugen immer größer werden und die Erwachsenen herzlich auflachen, wenn er seine Jonglage im Frack oder auch im kurzen Samthöschen mit nacktem Oberköper präsentierte, sich dazu mit durchaus anmutigen Ballettschritten bewegte und dabei auch noch fünf Keulen in die Luft schleuderte - trotz so mancher Widrigkeiten wie gleißendem Gegenlicht der Nachmittagssonne, wechselnden Winden und überraschend einsetzendem Glockengeläut.

Doch alle genossen es, wenn er mit seinem Programm durch die Bankreihen zog und große und kleine Gäste begeisterte – eine schöne Abrundung des so abwechslungsreichen Musikprogramms.

„Häfner Open“ in Urberach

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare