Haft für Motorradhändler

Schläger wollten doch nur drohen

Rödermark/Darmstadt - Fast sechs Jahre muss ein Rödermärker ins Gefängnis, der seinen Geschäftspartner übel verprügeln ließ. Er habe ihm nur drohen wollen, lautete die Ausrede des Angeklagten, die das Landgericht Darmstadt aber nicht glauben wollte. Von Stefan Mangold

Nach dem dritten Verhandlungstag verurteilte das Landgericht in Darmstadt einen Mann aus Rödermark zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und neun Monaten wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter besonders schwerer Erpressung. Der Angeklagte hatte erklärt, er habe seinem damaligen Geschäftspartner durch drei gedungene Schläger nur drohen lassen wollen. Unter einem Vorwand lockte der Angeklagte L. den 37-Jährigen im vorigen September in seine Werkstatt. Dort prügelten drei Männer auf ihn ein, forderten angeblich 20.000 Euro und die Abtretung von Motorrädern.

Die Staatsanwältin spricht von Platzwunden, Prellungen, Jochbeinbruch, herausgeschlagenen Zähnen, beschädigten Meniskus und dem Satz „Freunde beklaut man nicht“. Die arabisch redenden Männer trugen Masken und Handschuhe.

Der 39-Jährige erzählt Richterin Nina Körber, wegen seines Sprachfehlers hätten ihn Mitschüler gehänselt. Mit 15 sei er in die rechte Szene und ins Hooligan-Milieu abgedriftet. Gewalt habe er aber nie ausgeübt. Nach einer Bewährungsstrafe wegen Landfriedensbruch hätten ihn die Eltern in „die Odenwaldschule abgeschoben“. Drogen und Drogenhandel brachten ihm zwei Verurteilungen mit knapp acht Jahren Haft.

Opfer und Angeklagter kennen sich aus dem Gefängnis. Der Angeklagte übernahm Finanzierung und Verwaltung eines Motorradhandels, der Geschädigte reparierte. Man habe ein freundschaftliches Verhältnis gepflegt. Als er jedoch bemerkt habe, der Partner übervorteile ihn, habe er das Ende der Zusammenarbeit angekündigt.

Nach einem Wohnungseinbruch hätten dem Angeklagten 15.000 Euro gefehlt: „Der Täter hatte einen Schlüssel“, kam für ihn nur sein Partner in Frage: „Ich bin öfter beschissen worden, ich wollte mich einmal wehren.“ Den gedungenen Schlägern habe er 2000 Euro gezahlt. Ziel sei es gewesen, seinen Partner durch Drohungen dazu zu bringen, ihm das Geld zurück zu geben, „mit Anschreien, maximal Ohrfeigen“. Er habe sich derweil im Freien aufgehalten. Die Täter will der Angeklagte aus Angst vor Repressalien nicht nennen.

Der Geschädigte, dessen Nebenklage Rechtsanwältin Friederike Vilmar vertritt, erzählt, in der Werkstatt habe er anfangs gedacht, die Polizei nehme beide fest. Deshalb habe er keinen Widerstand geleistet. Die Männer hätten ihn an die Rampe gefesselt, ihm erst mit einem Schlauch, dann mit einer Holzlatte auf den Kopf geschlagen, „ich hatte keine Ahnung, dass man so viele Schläge aushält“. Pausen habe er durch Gespräche des Hauptschlägers mit dem Angeklagten bekommen. Seit damals leide er unter Schlaflosigkeit, bekomme Angstzustände, sobald er Arabisch höre.

Gewalt in deutschen Gefängnissen ist Alltag

Am zweiten Verhandlungstag sagt ein Zeuge, der Geschädigte habe erzählt, L. sei während des Gewaltexzesses dabei gewesen. Ein anderer will gehört haben, „der Feigling ging raus“. Die Ex-Lebensgefährtin sagt aus, L. habe mit der Tat geprahlt.

Die Staatsanwältin fordert sechs Jahre Haft. Friederike Vilmar beantragt „nicht unter sieben“. Besonders verwerflich sei, „dass der Angeklagte mit dem Geschädigten gut befreundet war“. Verteidiger Gerhard M. Knöss betont, sein Mandant sei davon ausgegangen, „dass die angeheuerten Typen vor allem drohen werden“. Sein Mandant habe sich damals sofort gestellt. Dass der Geschädigte den Täter-Opfer-Ausgleich in Höhe von 30.000 nicht akzeptiert, dafür könne er nichts. Kollege Michael Simon fordert eine milde Strafe.

In seinem Schlusswort entschuldigt sich der Angeklagte: „Ich wollte die Gewalt nicht. Deine Familie war immer gut zu mir.“ Richterin Nina Körber verhängt fünf Jahre und neun Monate Haft plus 6000 Euro an den Nebenkläger. Dessen Schilderungen hätten authentisch gewirkt. Der Angeklagte wirkte nach dem Urteil geschockt.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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