Halle in Urberach: 37 Jahre lang ein Schwarzbau

Urberach (lö) - Die Stadt muss tief in ihre leere Kasse greifen und die Halle Urberach für rund 2,2 Millionen Euro modernisieren.

Vor allem der Brandschutz ist längst nicht mehr Stand der Dinge - das haben die Kommunalen Betriebe festgestellt, als sie bei der Renovierung des Mehrzweckraums sicherheitshalber eine Risikoanalyse vornahmen. Dabei kam auch heraus, dass die Halle 37 Jahre lang quasi illegal betrieben wurde.

„Auflagen aus der Baugenehmigung von 1975 wurden nicht umgesetzt und es erfolgte auch auch keine behördliche Abnahme“, erklärte Erster Stadtrat Alexander Sturm, als er die Renovierungspläne im Stadtparlament erläuterte. Die Baugenehmigung des Kreises Dieburg sei in sich widersprüchlich gewesen: Anfangs hieß es, dass die tragende Stahlkonstruktion in offener Bauweise errichtet werden könne. Die Auflage, dass dieses Skelett einem Brand 90 Minuten Widerstand leisten muss, stand im Kleingedruckten.

Wer diesen gravierenden Mangel seinerzeit übersehen hatte, lässt sich laut Sturm nicht mehr feststellen. „Wir sollten alle heilfroh sein, dass nie etwas passiert ist“, sagten Stefan Gerl (AL) und Stefan Junge (SPD). Dieser Erkenntnis müssen sich ihrer Meinung nach die Verantwortlichen der Urberacher Gemeindeverwaltung, des Kreises Dieburg und des Kreises Offenbach, der nach der Gebietsreform den Hallenbau überwachte, stellen.

Blockheizkraft als Notstromaggregat

Die Bauaufsicht in Dietzenbach erlaubt die Benutzung derzeit nur, wenn die Veranstalter eine starke Brandwache organisieren. Wer - wie der Gallus-Kindergarten bei seinem Basar - nicht weiß, dass er die Feuerwehr anfordern muss, darf nur maximal 60 Leute reinlassen. Sobald die Stadt die verschärften Brandschutzauflagen erfüllt hat, sind ohne weitere Genehmigungen wieder Veranstaltungen mit maximal 1 450 Besuchern und Mitwirkenden erlaubt. Dazu muss sie unter anderem eine Sprinkleranlage einbauen, die Notbeleuchtung erneuern und eine leistungsfähige Entrauchungsanlage installieren.

Parallel dazu lässt die Stadt die Haustechnik, die überwiegend noch aus den siebziger Jahren stammt, austauschen. „Die Lüftung läuft ohne Wärmerückgewinnung und hat mit 37 Jahren den Lebenszyklus weit überschritten“, nannte Sturm ein Beispiel. Die Quecksilberdampflampen an der Decke hätten ebenfalls bald ersetzt werden müssen, da es ab 2015 keine Birnen mehr dafür gibt. Ein Blockheizkraft versorgt die Halle Urberach künftig nicht nur mit Strom und Wärme, sondern dient gleichzeitig aus als Notstromaggregat.

2,2 Millionen Euro seien viel Geld für eine Sanierung, räumte Stadtrat Sturm ein. Er ist jedoch sicher, dass es gut angelegtes Geld ist, weil Urberachs gute Stube wieder auf Jahrzehnte für die vielfältigsten Veranstaltungen der passende Rahmen ist. Die Kommunalen Betriebe beginnen dieses Jahr mit den Arbeiten. „Für die Vereine gibt es keine Einschränkungen“, versicherte Sturm. Wenn"s 2013 aber ans Eingemachte geht, muss die Halle eine Weile geschlossen werden.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Niko Korte/

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