Halle Urberach

Aufwendiger Umbau wird zum Kraftakt

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Aus den Nebenräumen der Halle Urberach haben Arbeiter schon die alte Technik rausgerissen und neue Wände eingebaut. Ab Montag wird’s in der eigentlichen Halle ernst. Die ist bis nach den Sommerferien gesperrt. Die Einschulungsfeier am 20. August ist die erste Veranstaltung nach der Renovierung. Das Restaurant „Zagreb“ ist von den Arbeiten nicht betroffen und bleibt geöffnet.

Urberach - Wenn am Sonntag das letzte Spiel der BSC-Handballer abgepfiffen wird, schließen sich die Türen der Halle Urberach für vier Monate. Am Montag beginnt, was im Amtsdeutsch „Brandschutzertüchtigung“ heißt und die Stadt alles in allem rund 2,2 Millionen Euro kostet.

Der Umbau ist auch die Absolution für eine fast 40 Jahre alte Bausünde, denn Urberachs wichtigste Sport- und Veranstaltungsstätte ist seit ihrer Eröffnung 1975 de facto ein Schwarzbau.

Die Stahlkonstruktion soll - laut Baugenehmigung - einem Feuer 90 Minuten standhalten. Doch die Träger wurden nie mit Flammen hemmender Farbe gestrichen, und die Deckenplatten darunter wirken eher als Brandbeschleuniger, erläuterte Erster Stadtrat Alexander Sturm gestern die schlimmsten Mängel. Wer sie Mitte der siebziger Jahre „übersehen“ hat, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Klar aber ist: Ein Abnahmeprotokoll, das die ordnungsgemäße Bauausführung bescheinigt, ist nicht vorhanden.

Unter Aufsicht der Feuerwehr

Seit guten einem Jahr sind größere Veranstaltungen nur noch unter Aufsicht der Feuerwehr möglich. Der Umbau soll den Schwarzbau nun legalisieren. 1,3 Millionen Euro nimmt die Stadt nach Aussage Sturms in die Hand, um die eigentliche Halle nicht nur in Sachen Brandschutz fit für die nächsten 30 bis 40 Jahre zu machen. 400.000 Euro für die Elektrik, 150.000 Euro für die Heizung, 200.000 Euro für Be- und Entlüftung, 160.000 Euro für den Brandschutz - das sind die dicksten Brocken.

Der Südflügel, zur Straße Am Schellbusch hin, wird zur Technikspange, in der auch der 25.000-Liter-Tank der Sprinkleranlage untergebracht ist. 460 Düsen an der Decke verspritzen bei einem Brand innerhalb weniger Minuten Unmengen an Wasser.

Und das ruft Kritiker auf den Plan. Alfred Röder, der 15 Jahre zum Hausmeisterteam der Halle Urberach gehörte, fürchtet um den Parkettboden. Löst ein Fehlalarm die Sprinkleranlage aus, wäre der hochwertige Holzbelag, den es in dieser Qualität kaum noch gebe, ruiniert. Röder bezweifelt zudem, dass die Statik den schweren Tank auf Dauer trägt. Auch Martin Hofmann, der Vorsitzende des BSC, sorgt sich wegen der Sprinkleranlage.

„Gewisses Risiko für den Hallenboden“

„Wir gehen ein gewisses Risiko für den Hallenboden ein. Aber selbst ein Austausch des Parketts wäre billiger als alle anderen Lösungen“, sagte Stadtrat Sturm gestern in der Magistratspressekonferenz. Dieses Risiko will er unter anderem durch Metallbügel verhindern, die Fehlwürfe der Handballer von den Sensoren der Sprinkleranlage fern halten. Die an der Decke installierte „Haus-Feuerwehr“ erlaubt Veranstaltungen mit bis zu 1 350 Menschen. Ohne sie, so Sturm, wäre bei 800 Besuchern und Mitwirkenden Schluss.

Der Erste Stadtrat hält den Kritikern die Kosten für eine Alternative entgegen: Allein die Sicherung der Stahlträger schlüge mit etwa einer Million Euro zu Buche. Doch damit ist es seiner Ansicht nach nicht getan. Denn wenn die Stadt die Stahlkonstruktion freilegen würde, müsste sie die gesamte Außenhaut erneuern und mit einer aufwändigen Dämmung versehen. Das koste dann bis zu fünf Millionen Euro.

Sport, Kultur und Geselligkeit

Nach den Sommerferien soll die Halle Urberach wieder für Sport, Kultur und Geselligkeit zur Verfügung stehen. Dann soll auch zur Dauereinrichtung werden, was die Stadt seit Januar testet. Ein Hausmeister soll erledigen, was bisher zwei Kollegen und ein Springer getan haben. Intelligente Technik, die Beleuchtung oder Heizung für bestimmte Teile automatisch steuert, soll auf Dauer Personal sparen. Vereine, die dort schon seit Jahrzehnten trainieren, brauchen laut Sturm nicht ständig einen Hausmeister während ihrer Übungsstunden.

BSC-Vorsitzender Hofmann indes ist skeptisch. Der Probebetrieb mit einem städtischen Hausmeister und einem privaten Schließdienst am späten Abend habe schon etliche Mängel offenbart: So brenne Licht in leeren Räumen, und niemand störe sich daran, wenn Besucher mit Straßenschuhen übers Parkett spazieren - was selbst im Schwarzbau ein Sakrileg ohnegleichen war.

Quelle: op-online.de

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