Hand am Steuer behalten

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Die Stadt kauft das „Jäger-Haus“ (vorne links), damit die Volksbank (dahinter) es nicht abreißt und dort Parkplätze baut. Parallel dazu soll der Magistrat prüfen, was zwischen Kulturhalle, altem Feuerwehrhaus, Bücherturm, Kinderhort und Rathaus städtebaulich alles möglich ist. 

Ober-Roden (lö) - Retten der Kauf eines seit Jahren leer stehenden Klinkerbaus und der Abriss der alten Feuerwache Ober-Rodens Ortsbild? So weit wollte am Dienstagabend im Stadtparlament nun doch keiner der zahlreichen Redner gehen.

Aber eine Chance für diesen Teil des Zentrums sei das allemal.

Zwei Dinge standen zur Debatte: Der Magistrat legte den Stadtverordneten nahe, das so genannte „Jäger-Haus“ am Eingang der Trinkbrunnenstraße von einer Erbengemeinschaft zu kaufen. Kosten: 169.000 Euro. Zugleich forderte die schwarz-grüne Koalition eine Machbarkeitsstudie zur Aufwertung des ganzen Areals zwischen Rathaus und Kulturhalle.

„Wir wollen die Entwicklung der Ortsmitte weiter steuern“, warb Bürgermeister Roland Kern nachdrücklich für den Hauskauf. Interesse hat auch die benachbarte Vereinigte Volksbank bekundet, denn die benötigt Parkplätze für ihre Kunden. Einen Abriss zu diesem Zweck hatte der Magistrat allerdings abgelehnt. Doch es könnte weit schlimmer kommen, denn jeder Investor kann sich auf den Paragrafen 34 des Baugesetzbuches berufen. Danach muss sich ein Neubau lediglich der Nachbarschaft - zum Beispiel dem architektonisch alles andere als ansprechenden Rathaus - anpassen.

Mit der Abrissbirne renovieren

Zum Kauf des „Jäger-Hauses gebe es daher „wenig bis keine Alternativen“, pflichtete der Vorsitzende der AL-Fraktion, Stefan Gerl, dem Bürgermeister bei. Das „Jäger-Haus“ spielt deshalb in den Überlegungen von CDU und AL eine zentrale Rolle. Es könnte nach Ansicht der Koalition zur neuen Heimat der bisherigen Nutzer der alten Feuerwache - städtische Jugendabteilung, Jugendtreff, Seniorentreff, Kleiderkammer, Tagesmütter - werden.

CDU und AL möchten das 1964 eingeweihte Feuerwehrhaus nämlich am liebsten mit der Abrissbirne renovieren, alle anderen Lösungen sind ihrer Ansicht nach unwirtschaftlich. Damit, so Jochen Weiland (CDU), schaffe die Stadt „einen zentralen Veranstaltungsraum“ in bester Lage, von dem letztendlich auch die hochdefizitäre Kulturhalle profitiere: Sie könne weit besser für Großereignisse vermietet werden. Und findet dort kein Kulturfestival statt, können Autos parken.

Bezahlen möchten die Koalitionäre die Ortskern-Aufwertung mit dem Verkauf des alten Festplatzes hinter der Bahn. Jochen Zeller (SPD) warnte indes vor einer „Verniedlichung“ der Kosten“ - sprich: Bringt der Verkauf wirklich soviel Geld in die Kasse, dass die Stadt die hochfliegenden Pläne verwirklichen kann?

„Betreiben für 169.000 Euro Fassadenerhaltung“

SPD-Warnung Nummer zwei betraf die Bürgerbeteiligung. Ohne sie drohe der gleiche Ärger wie vor einem Jahr bei der Gestaltungssatzung.

Tobias Kruger (FDP) hatte beim Hauskauf große Bauchschmerzen. „Wir betreiben hier für 169.000 Euro Fassadenerhaltung“, kritisierte er das Fehlen jeglicher weiterer Kostenschätzungen. Manfred Rädlein (Freie Wähler) sprach gar von der „Wahl zwischen Pest und Cholera“. Parkplätze sind in seinen Augen die Pest, ein Immobilienkauf mit unabsehbaren Folgekosten das kleinere Übel Cholera.

FDP, Freie Wähler und SPD stimmten dem Kauf am Ende aber zu, obwohl der frühere SPD-Fraktionsvorsitzende Armin Lauer zu bedenken gab: „Uns Parlamentariern wurden schon oft brillante Ideen verkauft, die zu Geldgräbern wurden.“ Bei schnellen Geschäften drohe die Stadt übervorteilt zu werden.

Diesen Vorwurf entkräftete der Bürgermeister: „Das „Jäger-Haus“ steht schon seit 14 Monaten für diesen Preis in der Zeitung.“

Der Machbarkeitsstudie stimmten bei Enthaltung der SPD alle Fraktionen zu.

Quelle: op-online.de

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