Harry Potter von der Festplatte

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Der alte Bauer-Projektor der „Neuen Lichtspiele“ hat fast ausgedient, seine Aufgabe übernimmt der computergesteuerte Beamer im Vordergrund. Abbauen will Rainer Erhard das alte Gerät aber nicht. Cineastische Raritäten sind noch eine ganze Weile auf der Filmrolle zu haben.

Urberach ‐ Die „Neuen Lichtspiele“ in Urberach, das letzte Kino in Rödermark, steigen auf Digitaltechnik um. Blockbuster wie Harry Potter kommen jetzt nicht mehr von der Filmrolle, sondern von der Festplatte. Von Michael Löw

Modernisieren - und damit einen sechsstelligen Betrag investieren - oder aufgeben? Das sind die Alternativen, vor denen kleine Kinos im Zeitalter von High-Tech-Spielstätten wie „Cinemax“ oder „Kinopolis“ stehen. Monika Köhler, Inhaberin der „Neuen Lichtspiele“, hat die Herausforderung angenommen und steigt auf Digitaltechnik und 3 D-Effekte um.

Dann geht ein Stück Kinoromantik verloren, der Vorführraum gleicht einem x-beliebigen Computerarbeitsplatz. Rainer Köhler, der Sohn des Betreiberpaares, ist Kommunikations-Informatiker und hat die Anlage so eingerichtet, dass er sie notfalls auch von außen steuern kann.

Mit der Romantik verschwinden aber auch Tonschwankungen und Streifen im Film - typische Begleiterscheinungen der analogen Technik, der allenfalls Nostalgiker hinterher trauern. Modernisieren hat in dem über 50 Jahre alten Traditionskino Tradition. Monika Köhler hat das Lichtspielhaus im Jahr 2000 auf Vordermann gebracht: neue Tonanlage, neue Leinwand, aufsteigende Sitzreihen und bequem gepolsterte Sessel.

Der Umstieg auf Digital- und 3 D-Technik ist der nächste Schritt. Von ihm profitieren Zuschauer, Betreiber und Umwelt. Die überragende Bild- und Tonqualität ist ein Argument. Ein anders Argument ist die Ökobilanz. Produktion, Transport und Entsorgung von herkömmlichen 35-Millimeter-Polyester-Filmen waren aufwändig, die Festplatte kann‘s besser.

Quelle: op-online.de

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