Haus für Alte und Demenzkranke

Gemeinschaftsgefühl schaffen

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„Der Geist des Hauses“ wird zum Dreh- und Angelpunkt schon bei der Vermietung der Wohnungen. Ute Kern-Müller, Bereichsleiterin der Caritas-Sozialstationen, erläuterte, wie die Hausgemeinschaft funktionieren soll.

Urberach - Die Caritas baut ab Frühjahr in der Ober-Rodener Straße 38 altengerechte Mietwohnungen und eine Wohngruppe für zwölf Demenzkranke. Der katholische Wohlfahrtsverband investiert rund 5,6 Millionen Euro und stellte die Pläne am Mittwochabend im „SchillerHaus“ vor.

Älter werden in vertrauter Umgebung, das heißt gut leben und wohnen in Urberach. Diese Forderung, der eine Arbeitsgruppe schon vor sieben Jahren erstmals nachgegangen ist, bekommt nun neue Hoffnung durch das Caritas-Projekt. Gut 70 Interessenten wollten von Caritas-Direktor Michael Klein und dem Architekten Hansjürgen Gerecht Einzelheiten zu den 17 Sozial- und den 21 frei finanzierten Wohnungen wissen.

Wenn die Caritas, Symbol für tätige Nächstenliebe und Wohltätigkeit, ein Wohnobjekt erstellt, darf man auch eine entsprechende Prägung erwarten. Der „Geist des Hauses“ schwebte deshalb über dem Großprojekt mit Ein-, Zwei- und Dreizimmerwohnungen. Ute Kern-Müller, Bereichsleiterin der Caritas-Sozialstationen, stellte diesen Geist vor. Er zeigt sich einerseits in der Mitsprache eines Beirats aus Caritas, Stadt, Seniorenbeirat und später auch Mietern bei der Vergabe der Wohnungen. Gibt es zum Beispiel mehr Interessenten als Wohnungen, wird nach sozialen Kriterien wie der Bedürftigkeit entschieden.

Die Bereitschaft der Mieter

Zweiter Faktor ist die Bereitschaft aller Mieter zu durchschnittlich vier Stunden nachbarschaftlicher Hilfe pro Monat. Denkbar sind Garten- oder Näharbeiten, Einkaufshilfe, Vorlesen oder auch Betreuungsmithilfe in der Wohngruppe für Demenzkranke. Die gut vorbereiteten und sehr sachlich fragenden Zuhörer bewerteten diese Forderung positiv, sichert sie doch ein wertschätzendes Miteinander im Haus. Dazu gehören auch Gemeinschaftsräume und ein Ansprechpartner der Caritas, der im Gegensatz zum über die Umlagen finanzierten Hausmeister kostenlos ist.

Viele der ganz präzisen Rückfragen galten aber auch den Kosten, den räumlichen Gegebenheiten und der Ausstattung der Wohnungen. Hier gibt es einen kleinen Wermutstropfen, denn alle Wohnungen sind zwar behindertenfreundlich, aber nicht behindertengerecht. Das ist keine sprachliche Finesse; vielmehr steht zwischen diesen Begriffen eine DIN-Norm, die etwa noch breitere Türen und größere Bewegungsradien fordert und damit die Wohnungen verteuern würde. Doch die Caritas hat eigene Erfahrungswerte aus anderen Häusern und auch über das Wormser Büro „g&k Architekten“. Sie bescheinigen, dass mit normalen Zimmerrollstühlen alle Wohnungen gut nutzbar sein werden.

Große Flächen für Rollstühle

Für Rollatoren und Rollstühle sind in den Treppenhäusern großzügige Flächen vorgesehen. Selbstverständlich sind Aufzüge im Haus und Stellplätze vor dem Haus – wenn auch nur in begrenzter Zahl und gegen eine geringe Gebühr zu mieten. „Als Wohlfahrtsverband werden wir die Umlagen so niedrig wie möglich halten, weil wir keine Gewinnmarge haben“, versicherte Caritas-Direktor Michael Klein.

Sobald das Bauamt die Genehmigung der Pläne erteilt, werden konkrete Unterlagen an vorgemerkte Interessenten verschickt. Der Mietpreis wird sich nicht mehr ändern; nur die Einkommensgrenze für die geförderten Wohnungen ist noch offen. Die wenigen verbliebenen Bewohner des Hauses am Mühlengrund haben ein automatisches Vorrecht. Gesondert geklärt werden die Modalitäten der rund 400 Quadratmeter großen Demenz-Wohngruppe mit zwölf Zimmern.

Die Stadt hat sich verpflichtet, das knapp 1 800 Quadratmeter große Gelände lastenfrei zu übergeben. Deshalb muss sie den Bauplatz noch von Industrie-Rückständen wie Quecksilber und Schwermetallen befreien und gibt 280 .000 Euro für die Bodensanierung aus. Die umfangreichen Erdarbeiten haben den Zeitplan gebremst. Daher verzögert sich der Baubeginn bis Frühjahr 2013. Aber schon im Frühjahr 2014 rechnet Caritas-Direktor Michael Klein mit den ersten Umzugswagen in der Ober-Rodener Straße.

Kontakt: Caritasverband Offenbach, Rufnummer:  069 84005-310; Caritas-Sozialstation Rödermark, Rufnummer: 06074 50888; Heinz Weber, Rufnummer: 06074 99555, heinzweber@email.de

chz

Quelle: op-online.de

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