Kreativität keine Frage von körperlicher Leistungsfähigkeit

Kunst gibt MS-Kranken Kraft zurück

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Die MS-kranke Hobbymalerin Heike Bauer aus Waldacker - hier mit ihrem Mann Udo - sitzt im Rollstuhl und hat deshalb ihre ganz persönliche Perspektive auf Kunst.  

Ober-Roden - Im Bücherturm stellen Künstlerinnen, die an Multipler Sklerose leiden, ihre Aquarelle aus. Heike Bauer aus Waldacker ist eine der sieben Frauen, die mit der Malerei gegen die Krankheit kämpfen. Von Christine Ziesecke 

Kunst kann helfen, Kraft zu schöpfen und Kreativität auch für das eigene, eingeschränkte Leben zu stärken. „Gerade Kreativität ist nicht an körperliche Unversehrtheit geknüpft“, hat es der Schauspieler und Schriftsteller Dr. Peter Radtke, ein langzeitkranker und behinderter Künstler, formuliert. Das beweisen derzeit im Bücherturm ganz augenfällig sieben Frauen, die in der Malgruppe der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft ihre schöpferische Gestaltungskraft schulen und praktizieren. Das sieht man den ausgestellten Werken an, deren Künstlerinnen ihre Kraft trotz ihrer Krankheit oft aus den Malstunden ziehen.

„Wir sind mittlerweile eine feste Gemeinschaft und gute Freundinnen geworden“, erklärte Renate Wesp vom Orgateam in Darmstadt. Karola Gonzales, Carita Dreesen, Sonja Böhmer von der Meer, Gabriele Hess, Sabine Buchholzer, Sabine Schreiner, Marianne Baumann und die Waldackerin Heike Bauer präsentieren ihre Werke in einer bemerkenswert und oft unbeschreiblich farbigen Ausdrucksstärke. Sabine Schreiners Pusteblume hat Bürgermeister Roland Kern bei der Eröffnung der Ausstellung so stark angesprochen, dass er das Bild kaufte. Zuerst will er es als Motivation im Rathaus aufhängen. „Ich habe es im Dezember gemalt. Alles war kalt und grau. Und ich hatte das Gefühl, jetzt muss hier Farbe rein“, erläutert die Künstlerin. Und da malt man eben auch mal knallbunte Pusteblumen, wenn es der Seele gut tut.

Den manchmal beschwerlichen Weg von Waldacker nach Darmstadt nimmt seit einiger Zeit auch Heike Bauer auf sich. Sie ist seit vielen Jahren an Multipler Sklerose erkrankt und doch stets bemüht, weitestmöglich am alltäglichen Leben teilzunehmen. Sie engagiert sich unter anderem in der Quartiersgruppe. Ihr Haus in der Hermann-Löns-Straße haben die Bauers so gut es geht barrierefrei umgebaut; Heike Bauer versucht, so weit als möglich noch auf den Rollstuhl zu verzichten. Ist sie damit in der Stadt unterwegs, fallen ihr die vielen abgesenkten Bordsteine und ähnliche Verbesserungen in Sachen Barrierefreiheit positiv auf.

Dass Heike Bauer , die noch recht neu in der Malgruppe ist, bei der Ausstellung mit einem Fassadenkletterer vertreten ist („ich hätte ihn am liebsten auch übers Passepartout hinaus klettern lassen“), ist sicher kein Zufall. Das Malen erleichtert auch Heike Bauer ihre körperliche Eingeschränktheit und befreit sie ein wenig aus ihrem eigenen engen Rahmen.

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Quelle: op-online.de

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