Heimat- und Geschichtsverein auf Spurensuche:

Ein markantes Zeichen der neuen Zeit

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Fotos vom alten Gaswerk wie diese Aufnahme des früheren OFFENBACH-POST-Redakteurs Gerd Morian gibt"s kaum noch. Winfried Hitzel sucht aber für den Heimat- und Geschichtsverein welche. Der Maler des Kalenderbildes aus dem Jahr 1986 hat noch keine Vorlage gebraucht. Damals standen die Gebäude noch.

Ober-Roden - Wird das Gelände des einstigen Gaswerks ein Wohngebiet? Siedelt sich daneben ein Supermarkt - eventuell Rewe aus der Kapellenstraße - an? In die Diskussion um das mittlerweile wieder zugewachsene Grundstück in der Mainzer Straße ist Bewegung gekommen. Von Michael Löw 

Der Heimat- und Geschichtsverein hofft derweil, dass diese Debatte neue Dokumente, vor allem Bilder, des Gaswerks zutage fördert.

Einst war das Gaswerk an der Straße nach Urberach ein markantes Zeichen der neuen Zeit in Ober-Roden. Durch den Bau der Bahnlinien Richtung Offenbach und Buchschlag hatte der Ort zwischen 1896 und 1905 verkehrsmäßig den Anschluss an die industrielle Entwicklung gefunden, jetzt wollte Bürgermeister Adam Schrod mehr. Auf seine Initiative hin gründeten Ober-Roden, Urberach und Eppertshausen den Gasversorgungsverband, 1909 wurde mit dem Bau des Gaswerks begonnen - damals noch mehrere hundert Meter vom Ort entfernt. Am 12. Januar 1910 ließ die dort gewonnene Energie die Straßenlampen leuchten.

Das Gaswerk bestand aus dem Betriebsgebäude, dem Gasbehälter, dem Heizhaus und den Teer- und Ammoniakgruben. Das Gas wurde aus Steinkohle erzeugt, die mit der Bahn schnell und in großen Mengen nach Ober-Roden gebracht werden konnte. Pro Tag wurden 260 bis 280 Kubikmeter produziert. Aufbewahrt wurde das Gas in einem geschmiedeten Behälter, der in einem eisernen Wasserbassin schwamm. Doch nicht nur die Technik war modern. „Auch die Arbeiterstube und die Toilette waren nach den neuesten Erkenntnissen gebaut worden“, schreibt der Historiker Professor Egon Schallmayer in seiner Chronik „1200 Jahre Ober-Roden“. Schon 1913 wurde ein Erweiterungsbau nötig, weil immer mehr Ober-Röder, Urberacher und Eppertshäuser sich die modernen Zeiten ins Haus holten.

1930 legte die Heag, die 1920 den Versorgungsverband abgelöst hatte, das Gaswerk still. 1935 verkaufte sie es an die Hutstofffabrik Böffinger und Eichler, weitere Besitzerwechsel folgten. Derzeit gehört das Gelände einer in Hamburg ansässigen Erbengemeinschaft. 1986 wurden die verbliebenen Gebäude abgerissen. „In einer Nacht- und Nebelaktion“, schrieb die OFFENBACH-POST damals.

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Just dieses Hin und Her macht"s dem Heimat- und Geschichtsverein schwer, Fotos des Gaswerks zu finden. Winfried Hitzel hat im Staatsarchiv Darmstadt und im Archiv des Heag-Nachfolgers entega gesucht. Vergebens. Auch die Fahndung im Internet blieb - zumindest bildlich - erfolglos. Immerhin stieß er in Augsburg auf ein „Leistungsblatt“ aus dem Jahr 1913. Damals wurden in Ober-Roden 36.000 Kubikmeter Gas produziert. In Seligenstadt waren es im gleichen Zeitraum 200.000 Kubikmeter.

Fotos haben trotz vieler Textinformationen aber Seltenheitswert. Winfried Hitzel appelliert deshalb an die Ober-Röder, einmal in ihren Alben oder denen ihrer Eltern zu blättern. „Irgendwo muss es doch etwas geben“ mutmaßt er. Wer dem Heimat- und Geschichtsverein helfen kann, erreicht Hitzel unter Tel.: 06074/881325.

Quelle: op-online.de

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