Heizungen quittieren Dienst

Rödermark (chz) - Eisige Kälte hält Deutschland seit Tagen fest im Griff, und es soll noch kälter werden, minus 20 Grad nicht nur im Erzgebirge.

Da freuen sich die Einzelhändler über einen erfolgversprechenden Winterschlussverkauf, und wer kann, heizt kräftig ein und zieht sich ins warme Heim zurück – wohl dem, der dann eine funktionierende Heizung hat.

Denn viele Anlagen waren von den plötzlichen hohen Anforderungen spürbar überrascht und quittierten den Dienst. Frierenden Hausbesitzern half nur noch die Notrufnummer eines Fachmanns. Und die Hoffnung auf schnelle Hilfe. Unsere Zeitung fragte bei einigen der zahlreichen Rödermärker Installateuren nach, wie"s gerade aussieht.

Veronika Ritter etwa, Schwester des Ober-Röder Installateurs Wolfgang Schäfer, sieht die Lage gelassen, auch wenn sich seit Mittwoch voriger Woche Störungen und Ausfälle häufen. Ihre Diagnose: Hätten diese Menschen ihre Heizung mal lieber im Sommer warten lassen. „Und es gibt immer noch viele Leute, die stellen abends ihre Heizung aus und morgens wieder an – das ist Gift.“

„Im Notfall überbrücken wir mit einem Schlauch aus einen Ölkanister“

Ebenso unglücklich, aber gut vermeidbar ist natürlich ein leerer Tank: „Im Notfall überbrücken wir mit einem Schlauch aus einen Ölkanister, den wir immer dabei haben. Wir müssen ja den Leuten helfen, wenigstens nachts.“

Sorgenkind Nummer zwei sind eingefrorene Leitungen. „Dagegen können wir auch nicht viel machen außer sie mit dem Fön vorsichtig anzuwärmen oder abzuwarten“, sagt Veronika Ritter.

Matthias Reiß, Elektromeister bei der Urberacher Firma Kreis, schiebt notgedrungen Telefonnotdienst, weil der Techniker gerade bei einem Notfall ist. „Seit Sonntag mussten wir schon oft ausrücken, um Heizungen wieder in Gang zu bringen und Wasserleitungen aufzutauen. Dafür haben wir Heizlüfter.“ Auch Matthias Reiß betont das A & O einer guten Heizung: regelmäßige Kontrollen. Bei Wartungsverträgen erfolgt das automatisch (dann ist auch der Notdienst kostenlos, falls mal ein Bauteil kaputt geht), bei den anderen Kunden fragt die Firma nach. „Das ist gar nicht so teuer: bei Gas etwa 95 Euro, bei Öl etwa 125 Euro zuzüglich Material.“

Zur Zeit sind Reiß" Kollegen ausschließlich wegen ausgefallener Heizungen unterwegs. „Wir können die Kunden doch nicht kalt sitzen lassen.“ Hausbesitzer oder Mieter können selbst viel tun: „Wichtig ist, die Heizung zu beobachten. Ist der Wasserdruck in Ordnung oder fällt er, etwa bei Luft im System oder kurz vor einer Undichtigkeit – dann steigt die Heizung aus!“ Matthias Reiß hat ein Bild parat: „Das ist wie beim Menschen: Ich muss ja auch jährlich zum Arzt zur Routineuntersuchung! So ähnlich ist"s mit der Heizung auch. Augen auf: Ausfälle kündigen sich an!“

Wer kalt sitzt, hat Vorrang

Für Michael Fenchel, Kundendienstleiter bei der Firma Rebel in Ober-Roden, läuft der Winter bis jetzt noch ganz entspannt. Im Ernstfall sorgt er erst mal für rasche Hilfe: „Wer kalt sitzt, hat Vorrang. Wir können doch die Menschen nicht frieren lassen, zumal dabei ja noch mehr passieren kann.“ Bei ihm melden sich derzeit weniger Privatkunden als Genossenschaften und Wohnungsbaugesellschaften; große Häuser und große Anlagen sind stärker gefährdet. „Manchmal ist es dann wirklich nur ein Ventil, das streikt.“ Manches lässt sich oft schon telefonisch klären.

Überwiegend um eingefrorene Leitungen kümmert sich derzeit Hans-Gerd Grün, Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice der Firma Schwerber. Im besten Fall kommt ein Installateur mit Auftaugeräten. Andernfalls muss die Wand aufgeklopft werden. Grüns Tipp: „Nicht mit Wasser spielen, sondern es möglichst sammeln und in größeren Mengen schnell ablaufen lassen - in der Küche etwa. Danach wird das Rohr wieder leer, während kleine Mengen langsamer fließen und eher an der Rohrwand anfrieren. „Das Schlimmste, was es derzeit gibt, ist deshalb auch ein tropfender Wasserhahn!“

Quelle: op-online.de

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