Helene-Lange-Schule: 50 Luftballons zum Abschied

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Abschied feierte die Helene-Lange-Schule gestern mit Wunschzettel-Luftballons und Pferdereiten.

Urberach - 50 Luftballons steigen über der Helene-Lange-Schule in den strahlend blauen Himmel. Schnell driften sie im Wind auseinander. Das hat Symbolcharakter. Denn auch Schüler und Lehrer gehen auseinander. Die Schule wird geschlossen. Von Bernhard Pelka 

Gestern war für die Abgangsklasse der letzte Tag. Daraus machte die Schulleitung ein kleines und teils wehmütiges Fest. Möglichst viele Schulkinder mit Förderbedarf sollen Plätze in herkömmlichen Regelschulen bekommen. Stichwort: Inklusion. Das verändert die Bildungslandschaft. Der Kreis Offenbach als Schulträger senkt die Zahl der Förderschulen, weil die Schulkinder in Regelschulen gehen können. Deshalb schließt auch die Helene-Lange-Schule in Urberach. Zuletzt haben dort 34 Kinder gepaukt. Lehrer und Schüler wechseln jetzt auf acht verschiedene Schulen im Kreis Offenbach. Schulleiterin Heike Huck wird Chefin an der Erich-Kästner-Schule in Langen. Zum gestrigen Abschied lobte sie ihr Kollegium überschwänglich. „Was Sie in der Phase des Übergangs geleistet haben, ist absolut ohne Worte!“

Ein dickes Lob gab es auch vom Staatlichen Schulamt. Schulamtsdirektorin Claudia Keck würdigte „die sehr gute Begleitung während des Übergangs“. Nicht nur in diesem Moment mussten manche Lehrer leicht schlucken. Generell merkte man, wie schwer der Abschied allen fiel. „Zugleich bin ich sehr zufrieden, dass alle einen guten Platz gefunden haben“, sagte Heike Huck. Dann stiegen die Ballons mit Wunschzetteln an den Leinen in die Luft. „Ich wünsche allen Kindern in ihrer neuen Schule gute neue Freunde und Erfolg“, hieß es auf einem der Zettel. Auf einem anderen stand: „ . . ., dass unsere Schüler einen guten Weg finden und es gelingt, eine Schule für alle Schüler zu entwickeln“. Zu lesen war aber auch: „Sonnige Ferien und ein gutes Ankommen in der neuen Schule!“ Zuvor hatte Schülerin Celine ganz passend das Lied „Au revoir“ gesungen. Auch Tempostapeln von Bechern, ein Trommelprojekt, weitere Gesangseinlagen und ein Seiltanz unterhielten die Gäste, die später gemeinsam unter einer Schatten spendenden Pergola aßen und tranken. Derweil übten sich Mutige auf dem Rücken der speziell ausgebildeten Therapiepferde des Pferdehofs Akita.

Von fünf Förderschulen im Kreis bleiben nur noch drei mit Förderschwerpunkt Lernen erhalten: die Helen-Keller-Schule in Dietzenbach, die Don-Bosco-Schule im Seligenstädter Stadtteil Klein-Welzheim und die Sprendlinger Georg-Büchner-Schule. Die Helene-Lange-Schule als kleinste Förderschule hingegen schließt. Das Gebäude ist im Besitz des Kreises Offenbach. Er hat es der Stadt für 20 Jahre zur Nutzung angeboten, zum Beispiel als Kita. Dafür müsste aber investiert werden. Das lohnt sich nur, wenn die Stadt das Gebäude 40 Jahre haben kann.

Am Dienstag beauftragte das Stadtparlament in seiner Sitzung bei Enthaltung der FDP deshalb den Magistrat, mit dem Kreis über einen Ankauf der Liegenschaft oder alternativ die Überlassung für mindestens 40 Jahre zu verhandeln. Die SPD reklamierte, vor einem endgültigen Beschluss über diese Frage, müsse eine Kosten-Nutzen-Rechnung vorliegen. Eine Vereinbarung mit dem Land Hessen über die Ausgestaltung der inklusiven Bildung in der „Modellregion Kreis Offenbach“ legt fest, dass die Schließung von Förderschulen zunächst keine Auswirkungen auf die Zahl der Lehrerstellen hat. Es heißt, die bisherigen Lehrer sollten den inklusiven Unterricht an den Regelschulen unterstützen. Das geschah schon bisher in vielen Fällen. Die 1979 gegründete Helene-Lange-Schule dient nach Schulschluss Rödermärker Vereinen. Sie nutzen insbesondere die Turnhalle. KSV und MTV bieten dort Judo an. Das Netzwerk Integration und die Jugendarbeit fühlen sich zuhause. Auch findet Türkischunterricht statt.

Quelle: op-online.de

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