Herz der Kerb hat einen Namen

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Endlich ist es für jeden lesbar: Bürgermeister Roland Kern und Erster Stadtrat Alexander Sturm enthüllten gemeinsam das neue Straßenschild, das nicht nur den „Dalles“ unverwechselbar macht, sondern auch seine Wurzeln aus dem Jiddischen erläutert.

Urberach - (chz) Nicht erst, seit die Kerb in Urberach vor 28 Jahren wieder in den Ort zurückgekommen ist, sondern wohl schon weit über hundert Jahren zuvor war der Platz vor der katholischen Kirche St. Gallus zentraler Treffpunkt der Bürger und ein guter Ort zum Feiern - nun hat er auch offiziell seinen Namen. +++Fotostrecke+++

Eine nette Überraschung im Verlauf des Kerbsteckens am Samstag war die Enthüllung eines neuen Straßenschildes mitten auf dem „Dalles“, das den Namen als jiddische Bezeichnung für einen Dorfplatz ausweist und zu dem Erster Stadtrat Alexander Sturm eine Laudatio in bestem Orwischer Platt hielt: „Die Midd von dem alles hier, wo mer stehn, is von allen Dallesse der Dalles!“

Der Wettergott hatte ein Einsehen mit den Urberachern und ihren vielen Gästen: Regnete es am Freitagnachmittag noch in Strömen, als die Kerbborschen und -meedschen die Kerbfahne im Töpfermuseum aus den Händen von Rita Dutiné in Empfang nahmen und sich anschließend bei den Kerbeltern mit einer kleinen Birke bedankten, empfahl sich das Wetter am Samstag gestern als kerbwürdig.

Rita Dutiné vom Heimat- und Geschichtsverein überreichte den Kerbburschen und –mädchen sowie den Mitgliedern der Kerbkommission am Freitagnachmittag im Töpfermuseum die Kerbfahne.

Unter den Klängen des Jugendorchesters des Musikvereins 06 Urberach wurde die ausgesprochen hübsche Kerbbobb Benedikt - nicht verwandt und nicht verschwägert mit dem Papst, wie Moderator Werner Popp versicherte - von der Feuerwehr auf ihre Aussichtsposition in luftiger Höhe gebracht, von wo sie milde lächelnd verfolgte, wie Alexander Sturm beim Anstich des Freibier-Fasses gut daran tat, die Lederschürze anzulegen: Wieder einmal erwies sich der Zapfhahn als spröde und sorgte für schäumende Fluten, vor denen sich Dr. Susan Schubert, die Geschäftsführerin der Michelsbräu, gerade noch in Sicherheit bringen konnte.
Gut besucht waren anschließend die Kerbgasse und die Stände mit Zuckerwatte, gebrannten Mandeln oder Tombolalosen ebenso wie Schießstand, Entenbecken oder Kinderkarussell.

Wieder einmal ein stimmungsvoller Höhepunkt des Orwischer Kerbsamtags: das große Feuerwerk schlag 22 Uhr hinter der Kirche St. Gallus, für das Kerbvereinsmitglied Ralph Steiner verantwortlich zeichnete.

Die Vereinszelte und -stände auf der gesperrten Hauptstraße und die angrenzenden Wirtschaften hatten gut zu tun, die durstigen und hungrigen Besucher zu verköstigen, zumal mehrere Vereine den in diesem Jahr ausgefallenen Kerbumzug mit einem verstärkten Programm in den Zelten ersetzten: DJs, Livemusik etwa mit der Urberacher Kultband „Clouds“ beim KSV und wie immer der einschlägige Treffpunkt nicht nur der Jugend vor der Bühne der Offenen Arbeit, auf der am Samstag „Crossroad“ mit neun Musikerinnen und Musikern sehr ansprechend einheizte. Bunt her ging‘s auch auf dem Häfnerplatz, wo es in diesem Jahr tatsächlich drei Tage fröhliche Kinderkerb gibt.

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Der optische Höhepunkt des Kerbsamstags war wieder einmal das Feuerwerk hinter der Gallus-Kirche, das Benedikt und den Kirchturm in den strahlenden Mittelpunkt rückte.

So feierte man in Urberach die Kerb

Das Herz der Kerb hat einen Namen

Das hier ist nur ein kleines Feuerwerk“, beugte Kerbgast Alina Müller bei den ersten explodierenden Raketen bei ihrer japanischen Begleiterin vor, als diese ihr von den riesigen Feuerwerken in ihrer Heimat erzählte. Doch beide staunten nicht schlecht, dass es doch ein großer Funkenreigen wurde, für den Kerbkommissionsmitglied Ralph Steiner verantwortlich zeichnete. Für einen Teil der Besucher war‘s der Startschuss zum Heimgehen, für die anderen ging die lange Kerbnacht damit erst richtig los.

Quelle: op-online.de

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