Interesse am „Zauberland“ ist groß

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Dutzende seiner Bücher „Im Zauberland Almanya“ musste Hidir Karademir signieren. Auf Wunsch seiner Leser schrieb er die Widmung entweder in Türkisch oder Deutsch.

Ober-Roden - Mehr als 300 Neugierige - überwiegend Deutsche und Türken - brachten das Foyer der Kulturhalle am Mittwochabend an seine Kapazitätsgrenze.

Der nun auch unter die Schriftsteller gegangene SPD-Vorsitzende Hidir Karademir stellte sein Buch „Im Zauberland Almanya“ vor. Der 58-Jährige, der in einem ostanatolischen Bergdorf aufwuchs, schildert, wie er sich seit 1969 in Deutschland durchgebissen hat. Mit seiner Co-Autorin Monika Carbe las er auch einige Passagen seiner Autobiographie vor. Landrat Oliver Quilling war von der Lektüre überaus angetan: „Sie schreiben über eine bewegende und beeindruckende Lebensleistung, auf die Sie stolz sein können!“ Das „bemerkenswerte Buch“ verknüpfe ein persönliches Schicksal mit dem breit diskutierten Thema Integration. Im Kreis Offenbach leben 43.500 Ausländer aus rund 160 Nationen.

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Durchgebissen im Zauberland Almanya

Hidir Karademir habe auf seinem Weg vom Bergmannslehrling hin zum studierten Sozialarbeiter und Kommunalpolitiker „deutsche“ Tugenden wie Fleiß Disziplin und Zuverlässigkeit an den Tag gelegt, sagte Quilling. 1995 nahm Karademir die deutsche Staatsbürgerschaft an. Dass ihn viele Deutsche immer noch als Fremden wahrnehmen, macht in traurig. Doch das, so Quilling, beklagt er nicht, sondern stellt es fest und ist trotzdem ein höchst aktives Mitglied in Politik und Vereinsleben seines neuen Heimatlandes. „Du hast dieses Buch für ganz, ganz viele geschrieben“, meinte die SPD-Landtagsabgeordnete Andrea Ypsilanti, die sich in ihre Kindheit und Jugend zurückversetzt fühlte. Damals kamen viele Gastarbeiter in die Opel-Stadt Rüsselsheim, was unter den Einheimischen manche Ängste schürte. Sie konnte seinerzeit gut nachvollziehen, dass Väter ein besonders waches Auge auf ihre Töchter hatten.

Heute ist die deutsche Gesellschaft zum Glück ein ganzes Stück weiter, doch das sei kein Grund zur Selbstzufriedenheit. „Wir müssen leider feststellen, dass wir Kindern mit Migrationshintergrund nicht die Bildung zukommen lassen, die für eine Integration nötig ist“, bedauerte Andrea Ypsilanti. Sie berichtete von einem jungen Marokkaner, der sich mit hervorragenden Realschulnoten um ein Betriebspraktikum beworben hatte. Er bekam"s jedoch erst, weil sie bei einem Unternehmen nachgebohrt hatte: Der Chef hatte auf den Namen geschaut und die Bewerbung ohne einen Blick auf das Zeugnis zur Seite gelegt. Das Glück des zweiten Versuchs hätten nur die Wenigsten.

„Im Zauberland Almanya: Wie Integration gelingen kann“ von Hidir Karademir und Monika Carbe ist im Frankfurter „Größenwahn“-Verlag erschienen. Das Buch hat 141 Seiten und kostet 16,90 Euro.

Gernot Grumbach, Vorsitzender der südhessischen SPD und letzter Laudator im Bunde, fragte, wann ein Migrant denn nun wirklich im „Zauberland Almanya“ angekommen ist. Seiner Ansicht nach hängen viele Deutsche an das Wort Integration automatisch das Wort Problematik an. Die jungen Ausländer, die locker durch die deutsche Bildungslandschaft marschieren, würden hingegen kaum wahrgenommen. Integration bedeutet für Grumbach nicht zwangsläufig, dass man seinen alten Pass abgibt und wie Hidir Karademir Deutscher wird. Er plädierte für die doppelte Staatsbürgerschaft und forderte unter großem Beifall: „Wer in Deutschland Steuern zahlt, soll auch das Wahlrecht haben!“

Quelle: op-online.de

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