High-Tech in der Doppelgarage

Richard Hampel (vorn) und Mustafa Dönmez nahmen nahm die Anlage in Betrieb. Foto: Pelka

Ober-Roden - (bp) In der Dunkelheit einer unscheinbaren Doppelgarage an der Gartenstraße versteckt sich hochmoderne und teure Technik. Das Hessische Umweltministerium hat dort eine Grundwasseraufbereitungsanlage in Betrieb genommen.

Richard Hampel, Fachbereichsleiter der örtlichen Bauverwaltung, und Ministeriums-Referatsleiter Mustafa Dönmez legten zur Eröffnung einen Schalter um - und schon begannen die Aggregate vernehmlich summend zu laufen.

Was sich dabei abspielt, erläuterte den Gästen aus der Nachbarschaft Projektleiter Dieter Riemann von der HIM GmbH. Weil in einer nahe gelegenen ehemaligen Wäscherei von 1975 bis Ende der 80er Jahre der giftige Fleckenreiniger Trichlorethen in Massen in den Boden gelangte, ist das Grundwasser in diesem Quartier auch heute noch „massiv belastet“, sagte Dönmez.

Über Grundwasserströme suchte sich der gefährliche Fleckentferner aus der Altlast an der Ringstraße 51 seinen Weg bis zur Gartenstraße, der S-Bahn und der Rodau. Dieses Gebiet zählt zur Trinkwasserschutzzone 3, Rollwald. Schon 1999 war eine bis zu 15 000-fache Überschreitung der Grenzwerte festgestellt worden. Ein Jahr zuvor hatte die Stadt Rödermark die Bürger im Umkreis der früheren Reinigung davor gewarnt, das Wasser aus ihren Gartenbrunnen zum Gießen zu verwenden.

Im Boden unter der inzwischen abgerissenen Wäscherei liegen noch heute 4,5 Tonnen Schadstoffe, die fortwährend ausschwemmen. Der Verursacher ist wegen Insolvenz finanziell nicht mehr haftbar zu machen für den Schaden, erläuterte Riemann. Folglich muss der Steuerzahler dafür aufkommen. Rechtliche Differenzen mit dem aktuellen Eigentümer, der nicht der Verursacher ist, verhindern bisher den Austausch des verunreinigten Bodens. Deshalb wird nun als erste Maßnahme das Grundwasser an der Gartenstraße gereinigt.

Aus vier extra gebohrten Brunnen auf Höhe der Hausnummern 56 bis 64 saugen Pumpen aus acht Meter Tiefe bis zu 6 000 Liter pro Stunde ab. Kies- und Aktivkohlefilter sowie ein Druckluftbad erledigen den Rest. Das saubere Wasser wird der Rodau zugeführt. Riemann versicherte, das Abpumpen des Grundwassers werde an den Häusern keine Setzrisse verursachen. Es werde nur so viel Grundwasser entnommen, dass die Pegelschwankungen im Rahmen des Üblichen blieben. „Das haben wir getestet.“ Die Anlage läuft mindestens bis 2013. Die Kosten für Bau und Betrieb betragen fast 600 000 Euro.

Es soll der verseuchte Boden an der Ringstraße 51 ausgetauscht werden, sobald eine Einigung mit dem derzeitigen Eigentümer auch über den Abriss der auf dem Gelände noch stehenden Scheune erzielt wurde.

Ein Gast der Feier zur Inbetriebnahme kritisierte, dass Behörden früheren Warnungen der Bürger über unsachgemäßen Umgang mit Trichlorethen in der Wäscherei nicht entschlossen nachgegangen seien. „Jetzt ist niemand mehr haftbar zu machen und der Steuerzahler muss bluten.“

FAKTEN

Trichlorethen (kurz, Tri) ist eine farblose, klare Flüssigkeit. Sie riecht nach Chloroform und wirkt als starkes Lösungsmittel.

Tri war eines der gebräuchlichsten Reinigungs-, Entfettungs- und Extraktionsmittel gewesen.

Es fand Verwendung unter anderem in der Metall- und Glasindustrie, und bei der chemischen Reinigung und in der Textilbearbeitung.

Quelle: op-online.de

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