Hilfe für Apfelkelterer

Nachschub fürs „Gerippte“

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Viel regionaler geht’s nicht mehr: Äpfel von Dudenhöfer Wiesen, 23 Jahre alte „Gerippte“ mit Urberach-Ansicht und ein handgetöpferter Bembel.

Rödermark - Auch nach der Schließung der Traditionskelterei Schwarzkopf fließt Orwischer Apfelwein in die Bembel. Die Stadtverordnetenversammlung hat die Unterstützung heimischer Kelterer und Streuobstwiesenbesitzer beschlossen. Von Michael Löw 

CDU und Andere Liste hatten per Antrag die Förderung der Apfelweinkultur in Rödermark gefordert und ihren Antrag auch auf andere Erzeugnisse aus Äpfeln ausgedehnt. Das Stöffche sei ein wichtiges lokales Wirtschafts- und Kulturgut; wer sein Obst dazu verarbeitet, verdiene städtische Unterstützung. Darunter versteht die schwarz-grüne Koalition unter anderem Hilfe der Wirtschaftsförderung bei der Gründung einer Kelterei, Appelle an Gaststätten und Vereine, Getränke aus dem Ort zu verkaufen, und Pachtverzicht bei städtischen Streuobstwiesen.

Zwei „beherzte Bürger“ wollen die Tradition der Kelterei Schwarzkopf, die im Dezember schließt, fortsetzen. „Das ist eine unternehmerische Initiative mit Wirkung fürs Allgemeinwohl“, schwärmte der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Gensert ungewohnt pathetisch. Die Neu-Küfer André Lang und Tim Lotz hatten am vorigen Samstag in der Wagnerstraße erstmals 2 000 Liter Apfelsaft gepresst. Den wollen sie sowohl ohne als auch mit Alkohol in einer Straußwirtschaft als auch kistenweise verkaufen.

Damit, so Gensert, sichern sie die Zukunft der Streuobstwiesen, tun was fürs Brauchtum und beleben den Ort. Vorbild ihrer Schänke könne der „Dinjerhof“ sein, den Wilhelm Schöneberger zu einer echten Begegnungsstätte ausgebaut habe.

Als Stadt in der Verantwortung

„Wir stehen als Stadt in der Verantwortung, es nicht so zu tun wie bei den Töpfern oder der Lederwarenindustrie“, warnte Gensert vor Untätigkeit. Ein weiteres Traditionshandwerk dürfte nicht einfach verschwinden. AL-Fraktionsvorsitzender Stefan Gerl argumentierte vom vorderen Ende der Kelter-Kette her: Wiesen, auf denen überwiegend alte Apfelbäume mit traditionellen Sorten stehen, seien die typische Landschaftsform. Doch wenn Keltereien - wie in diesem Herbst - nur sechs Euro pro Zentner zahlen, ließen die Leute ihr Obst lieber im Gras vergammeln. Die schwarz-grüne Landesregierung versuche gegenzusteuern, indem sie den Grundstücksbesitzern je Baum und Jahr fünf Euro zahlt. Vorausgesetzt, sie lassen ihn alle fünf Jahre fachgerecht schneiden.

Das Wort Geld fiel am Dienstagabend kein weiteres Mal, was Raum für Spekulationen ließ. Erst gestern stellte Stefan Gerl auf Nachfrage unserer Zeitung klar: Finanzielle Hilfe von der Stadt „gibt es auf gar keinen Fall“. Die Wirtschaftsförderung soll Lang und Lotz nur so unterstützen, wie sie jedes andere Jung-Unternehmen unterstützt: durch Beratung oder die Vermittlung von Geschäftsräumen.

Eine kleine Finanzspritze bekommen Rödermärker Kelterer aber doch. Die Stadt erlässt ihnen die Pacht kommunaler Streuobstwiesen. Bei 0,7 Cent pro Quadratmeter summiert sich der Verzicht nach Gerls Rechnung auf knappe 100 Euro im Jahr.

Der größte Bembel der Welt

Der größte Bembel der Welt

Stefan Junge (SPD) befürwortet die Initiative grundsätzlich, fand aber eine faule Stelle am Apfel: „Die Koalition muss der Wirtschaftsförderung nicht sagen, dass sie ihren Job machen soll. Hätten wir den Antrag gestellt, hätte der Bürgermeister sofort gesagt: Das ist doch alles schon im Fluss.“

Einzig Manfred Rädlein von den Freien Wählern mochte nicht in die allgemeine Apfelweinseligkeit einfallen. „Hier entwickelt sich eine kleine Staatswirtschaft“, kritisierte er. Seine Befürchtung: Die Koalition macht ein Fass auf, aus dem künftig jeder Landwirt, Handwerker oder Gastronom schöpft, wenn sein Betrieb nur den Beinamen „Tradition“ trägt. Am Ende aber enthielt sich Rädlein der Stimme, CDU, AL, SPD und FDP sagten Ja zum Antrag. Sie verhinderten einstimmig ein „Äppelwoi-Vakuum“, das Rödermarks oberster Apfelweingeschworener Roland Kern befürchtet hatte.

Quelle: op-online.de

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