Hilfe ohne Ausgrenzung

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Frikadelle, Kartoffelbrei, Gemüse und Soße - die Kinder in der Lessingstraße ließen sich schmecken, was gestern auf den Tisch kam. 40 Kinder essen dort jeden Tag zu Mittag. Für acht von ihnen übernimmt der Kreis die Kosten von 50 Euro oder einen Teil davon, weil den Eltern das Geld fehlt.

Urberach (lö) - 40 Kinder essen in der Tagesstätte Lessingstraße regelmäßig zu mittag. Jedes Fünfte ist in einer Familie daheim, in der das Geld hinten und vorne nicht reicht.

Ihre Mahlzeiten werden über das so genannte Bildungspaket der Bundesregierung finanziert: Auch bedürftige Kinder sollen nicht länger vom Sportverein, vom Nachhilfeunterricht, von der Musikschule - oder eben vom Mittagessen in der Kita - ausgeschlossen sein.

So hat´s die schwarz-gelbe Bundesregierung im März rückwirkend zum 1. Januar beschlossen. Kreissozialdezernent Carsten Müller (SPD), dessen Behörde „Pro Arbeit“ das Geld aus Berlin verwaltet, informierte sich gestern in Urberach, wie das Bildungspaket umgesetzt wird und welche Probleme auftauchen.

In der Lessingstraße funktioniert"s recht gut, erläuterte Jürgen Menckhoff, der Kassenwart des Fördervereins. Der hat die Mittagsverpflegung in der Kita übernommen und rechnet direkt mit „Pro Arbeit“ ab. Sie erstattet die Essenskosten besagter acht Kinder von 50 Euro im Monat komplett oder zur Hälfte.

Verwaltungsintern ist das Verfahren weit komplizierter. Denn der Kreis muss den Eltern für jede Mahlzeit im Kindergarten einen Euro „häusliche Ersparnis“ quasi in Rechnung stellen - sprich: von anderen Leistungen wie Hartz IV, Wohngeld oder Kindergeld-Zuschlag abziehen. Der ehrenamtliche Vorstand des Fördervereins hat mit dieser aufwändigen Bürokratie nichts zu tun.

Insgesamt kann Müller dem Bildungspaket wenig Positives abgewinnen. Der Ausbau der Ganztagsschule ist seiner Ansicht nach der bessere Weg als die Hilfe im Einzelfall - so willkommen die in den Familien auch sein mag. Bei der Umsetzung habe die Bundesregierung „versagt“. Denn an vielen Schulen zahlen arme Kinder ihr Mittagessen mit Gutscheinen vom Sozialamt. Da ist die Ausgrenzung unvermeidlich. Das Abrechnungsmodell des Urberacher Fördervereins könnte ein probates Mittel gegen diese Diskriminierung sein.

Rund 7 000 Kinder im Kreis leben in Familien, die ohne Sozialleistungen nicht über die Runden kämen. Das entspricht einem Anteil von 15 Prozent. Rödermark gehört mit nur 10,1 Prozent Kindern in bedürftigen Familien zu den wohlhabenden Kommunen (zum Vergleich: Dietzenbach 29,9 Prozent; Egelsbach 5,8 Prozent).

Bislang wurden im Kreis aber erst 2 000 Anträge auf Unterstützung aus dem Bildungspaket gestellt. 600.000 Euro hat „Pro Arbeit“ laut Müller bisher bewilligt.

Quelle: op-online.de

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