Tonnenweise Schadstoffe

Hitzel & Beck-Gelände: Altlast gemeinsam sanieren

Auf den neuen Besitzer von Rödermarks giftigster Industriebrache warten noch jede Menge umweltgefährdender Stoffe, erläuterte Altlastenspezialist Dieter Riemann. Im Boden stecken 840 Kilogramm Nickel und 430 Kilogramm Chrom, das Grundwasser ist mit 4,3 Tonnen Lösungsmitteln belastet.

Ober-Roden - Rödermarks schlimmste Industrie-Altlast kann Geschäften und rund 120 Wohnungen weichen. Das hochgradig belastete Grundwasser und der Boden unter dem 2000 pleite gegangenen Galvanikwerk Hitzel & Beck werden in öffentlich-privater Partnerschaft saniert. Von Michael Löw 

Gestern unterzeichneten der neue Besitzer des 6 800 Quadratmeter großen Grundstücks und Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid den Vertrag, der aus dem Schandfleck ein repräsentatives Stück Ober-Roden machen soll. 3,25 Millionen Euro an Steuergeldern hat das Land seit 2000 ausgegeben, um in der Odenwaldstraße 44-46 giftige Reste aus der Metallveredlung zu beseitigen. 200.000 Euro laufende Kosten entstehen pro Jahr. Deshalb war Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid hochzufrieden, mit der Früchtenicht GmbH einen Investor gefunden zu haben, der auf seine Kosten Werkshallen, Lager und Büros abreißt und das verdreckte Erdreich darunter ausbaggert. Das Land - beziehungsweise der Altlastenspezialist HIM-ASG - saniert das Grundwasser.

Auf beide wartet noch viel Arbeit. Nach Auskunft von Dieter Riemann (HIM-ASG) ist das Erdreich mit 840 Kilo Nickel und 430 Kilo Chrom verschmutzt. Das Grundwasser ist mit 4 300 Kilo Lösungsmitteln (Leichtflüchtige halogenisierte Kohlenwasserstoffe, LHKW) belastet. Die Schadstoffe breiten sich wie eine Fahne 800 Meter nach Osten, also bis fast an den Ortsrand von Ober-Roden, aus.

Zahlen sind keine Überraschung

Diese Zahlen können den neuen Grundstücksbesitzer weder schrecken noch überraschen. Die Früchtenicht GmbH (Babenhausen) wurde als Geologie-Ingenieurbüro gegründet, das sich mit Bodenbelastungen auskennt, erläuterte Geschäftsführer Christian Früchtenicht. 2001 untersuchte sein Unternehmen das Hitzel & Beck-Gelände als Umweltgutachter. Auf seiner Referentliste stehen Sanierung und Bebauung eines Industriegrundstücks in Bensheim oder einer gut 20.000 Quadratmeter großen früheren Ziegelei in Groß-Zimmern. Beide waren, so Christian Früchtenicht, aber nicht annähernd so mit Schadstoffen verschmutzt wie das Galvanikwerk in der Odenwaldstraße. Die Nickel-Belastung des Bodens war laut RP 100 Mal so hoch wie erlaubt, die LHKW-Belastung gar 30.000 Mal so hoch.

Nach der Sanierung will die Früchtenicht GmbH auf insgesamt fast 11.000 Quadratmetern - weitere 4 000 Quadratmeter hat sie von der Stadt gekauft - etwa 120 Wohnungen und einige Geschäfte bauen. Mit dem Abriss des Altbestands will Früchtenicht im Winter beginnen.

Die Stadt kann am 18. November grünes Licht geben, kündigte Bürgermeister Roland Kern an. An diesem Abend soll das Parlament den Bebauungsplan beschließen. Zuvor - wahrscheinlich am 30. Oktober - will der Magistrat die Bevölkerung zu einer Informationsveranstaltung einladen. Viele Nachbarn befürchten ein Verkehrschaos in der Odenwaldstraße, denn die 4 000 bisher städtischen Quadratmeter sind der größte Pendlerparkplatz im Westen von Ober-Roden.

Kern will diese Bedenken mit zwei Argumenten zerstreuen. Mehr durchgehende Züge schon ab Dieburg und günstigere Tarife sollen die Dreieichbahn so attraktiv machen, dass Pendler aus Eppertshausen oder Münster dort in den Zug einstiegen. Anwohnerparkplätze sind nach Ansicht des Bürgermeisters die zweitbeste Lösung.

Quelle: op-online.de

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