CeoTronics schafft Spagat zwischen Infektionsschutz und Produktivität

Rödermark: Homeoffice kein Allheilmittel gegen Corona

Thomas H. Günther Vorstandsvorsitzender CeoTronics AG Rödermark
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Thomas H. Günther, Vorstandsvorsitzender CeoTronics AG Rödermark

Virologen würden die Wirtschaft am liebsten in den Komplett-Lockdown schicken. Politiker und Wissenschaftler fordern eine Pflicht zum Homeoffice, mindestens aber mehr mobiles Arbeiten daheim. Nur drastische Maßnahmen könnten das Corona-Virus stoppen, argumentieren sie – sicher nicht völlig aus der Luft gegriffen.

Rödermark - Wirtschaftsverbände wehren sich ebenfalls mit guten Argumenten gegen massenhafte Werksschließungen wie im Frühjahr. Und: Viele Arbeiten, nicht nur in der Produktion, lassen sich nicht daheim erledigen. Ein Urberacher Unternehmen zeigt seit nunmehr elf Monaten, wie effektives Arbeiten und Infektionsschutz in Einklang gebracht werden können.

Der Grund ist ganz einfach. „Unsere Auftragsbücher sind voll. Der Ausfall einer Abteilung geht gleich in die Millionen“, sagt Thomas H. Günther, der Vorstandsvorsitzende der CeoTronics AG. Die entwickelt und produziert hochempfindliche Kommunikationssysteme für die Verständigung unter schwierigsten Bedingungen.

CeoTronics hat in der Pandemie etliche Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Doch alles, was mit Technik zu tun hat, lässt sich nicht in Heimarbeit erledigen, schränkt der Chef ein und nennt Beispiele: Labor, Produktion, Qualitätssicherung. Und die dazugehörigen Verwaltungsarbeiten.

Eine ganz sensible Sache sind die Aufträge, die geheim bleiben müssen. Denn CeoTronics rüstet auch Spezialeinheiten der Polizei oder des Militärs mit Hör- und Sprech-Systemen aus. Da dürfen Familienmitglieder nicht mal eben bei der Heimarbeit zufällig auf den Bildschirm gucken.

CeoTronics setzt Sicherheit im Betrieb also ganz hoch an und hat Luftreiniger für alle Räume gekauft, in denen mehr als zwei Leute arbeiten. Sogar in einigen Ein-Personen-Büros steht ein solches knapp 500 Euro teures Gerät, das auch das Kreiskrankenhaus in Groß-Umstadt benutzt. Dazu kommen die üblichen Maßnahmen wie Plexiglasscheiben zwischen Arbeitsplätzen, ständiges Lüften und die regelmäßige Desinfektion von Handys, Computertastaturen, Lichtschaltern und Treppengeländern. Thomas H. Günter: „Reinigungskräfte und die Kollegen aus der Arbeitssicherheit sorgen dafür, dass kein Schlendrian einreißt.“ Zudem sei das Unternehmen in der glücklichen Lage, den Mindestabstand von eineinhalb Meter praktisch überall durchsetzen zu können.

Wo das nicht möglich ist, kommen kostenlose FFP2-Masken und Geschichtsschilder zum Einsatz. Dann können Fachkräfte den Azubis auch an den oft winzigen Produkten erklären, was Sache ist, oder am PC Arbeitsschritte begleiten.

„Wir sind der sicherste Arbeitsplatz in Rödermark“, sagt Günther selbstbewusst. Die Zahlen bestätigen das: Seit März haben sich im CeoTronics-Konzern mit weltweit 140 Beschäftigten ganze fünf Menschen Covid 19 gehabt. Und obwohl das Unternehmen Niederlassungen in frühen Hochrisikoländern wie Spanien, Frankreich oder den USA hat, hat sich niemand bei der Arbeit angesteckt. Vor allen, und das ist Thomas H. Günther wichtig, trug keiner Langzeitschäden davon.

Zwei Dinge hat CeoTronics auf Null herunter gefahren. Bislang war es üblich, dass ein ganzer Bus voller Bus voller Produktanwender nach Urberach kam, um den Gehörschutz der Kommunikationsprodukte überprüfen zu lassen. Oder CeoTronics-Mitarbeiter fuhren zu den Kundenstandorten – auch um individuelle Ohrabdrucke zu nehmen. Diese körpernahen Dienstleistungen werden jetzt ebenso verschoben wie Dienstreisen. „Die Notwendigkeit dafür muss mir jeder Bereichsleiter im Detail darlegen“, zieht Günther klare Kante. Er selbst war im Oktober 2019 letztmals für sein Unternehmen außerhalb von Deutschland unterwegs.

Nächste Woche hat er einen Kundentermin in Bremen. Die knapp 500 Kilometer fährt er an einem Tag gleich zwei Mal mit dem Auto. Aber das Infektionsrisiko einer Bahnreise ist ihm zu groß. Und Deutschlands Flugline Nummer eins brächte ihn zwar pünktlich und schnell hin, aber erst zwei Tage später zurück.

Die Reaktionen auf so viel Sicherheitsbewusstsein sind durchweg positiv: „Nicht ein einziger unvernünftiger Kunde, nicht ein einziger unvernünftiger Lieferant. Alle sagen lassen Sie uns telefonieren, weil ein Treffen nicht möglich ist“, hat Thomas H. Günther festgestellt.

Corona ist aber noch in ganz anderer Hinsicht eine Herausforderung für das Unternehmen. Bestimmte Elektronik-Komponenten waren schon vor der Pandemie knapp und wurden während der ersten Welle noch knapper. CeoTronics musste viel Geld in die Hand nehmen, um alle wichtigen Bauteile vorrätig zu haben.

Da hat sich, so der Vorstandsvorsitzende, bezahlt macht, was alle Unternehmen aus der Bankenkrise 2008/2009 hätten lernen sollen: „Wir haben nicht jeden Euro aus dem Betrieb herausgezogen. Denn man braucht eine Kriegskasse, um so eine Pandemie zu überstehen!“ (Michael Löw)

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