Honigsammlerinnen zum Ausleihen

Urberach - Die Zahl der Honigbienen geht seit vielen Jahren zurück, die Imker machen sich Sorgen und verstärken die Nachwuchsarbeit über die eigenen Reihen hinaus. Mehr Imker ist gleich mehr Bienen, lautet die Rechnung. Und sie geht offenbar auf. Von Christine Ziesecke

Gemeinsam veranstalten der Imkerverein Maingau und der Naturschutzbund (NABU) Rödermark regelmäßig Anfängerkurse. Erhard Henz leitet die neuen Bienen- und Honigfreunde an und freut sich: „So haben wir in diesem Jahr zehn Neu-Imker gewonnen, darunter sieben Frauen!“ Den „Neuen“ leiht der Verein einen Stock samt Ausrüstung und ein Volk mit rund 40.000 Bienen. Dann können sie erst einmal üben, ob die Imkerei ihnen Spaß macht, ehe sie den Stock kaufen. Testgelände ist die Streuobstwiese des NABU am Bergweg in Urberach.

„Ich habe es in der Zeitung gelesen und wollte einfach mal schauen, was da so passiert. Und jetzt bin ich ganz begeistert!“ Katja Keim aus Eppertshausen hat ein neues Hobby gefunden, ähnlich zufrieden sind Heike Reineke aus Rödermark, Peter Fenchel aus Dietzenbach und Jörg Lenz aus Eppertshausen.

Bienenjahr ist normalerweise am 15. Juli vorbei

Besonders geeignet für Anfänger ist die „Carnica“, eine durchaus friedfertige Bienensorte. Im ersten Jahr konzentriert sich das Volk auf die Honigproduktion, im zweiten Jahr kann ein neues Volk gezogen werden. 2012 war lange ein sehr schlechtes Honigjahr, doch in der vergangenen Woche gab’s in wenigen Tagen dann aber bis zu 25 Kilogramm Ertrag.

Das Bienenjahr ist normalerweise am 15. Juli vorbei. Aufgrund der Witterung wird in diesem Jahr jedoch später „abgeschleudert“; dazu fahren die Jung-Imker zu einem Züchter, der dem Verein eine Schleuder zur Verfügung stellt.

Danach werden die Bienen – die ja nun praktisch im Leeren sitzen – mit Zuckerwasser für den Winter aufgefüttert und gegen die eineinhalb Millimeter kleine Varroa-Milbe geimpft. Das böse Tierchen ist durch die Globalisierung aus Asien eingewandert und beißt sich an der Honigbiene fest. Mit Ameisensäure, die für Wirtstiere unschädlich ist, machen Imker der Milbe biologisch den Garaus. Die unterste Schublade im Stock lässt die Qualität des Befalls erkennen: „Stark ist er nicht bei uns, aber behandeln müssen wir trotzdem.“

Bienen-Liebe wuchs rasch

Über den Winter, wenn die Königin die Legetätigkeit von bis zu 2000 Eiern pro Tag einstellt, reduziert sich der Bestand auf etwa 10.000 bis 15.000 Bienen – dann haben auch die Imker ihre Ruhe. Noch aber sind der weiße Schleierhut sowie der Smoker, die mobile Räucherkammer, immer als Schutz dabei. Morsches Laubholz wird darin entzündet, der Rauch beruhigt die Bienen.

Der Hut mit dem Schleier und die kleine Räucherkammer sind immer dabei, wenn Katja Keim gemeinsam mit Erhard Henz vom Imkerverein Maingau ihr Bienenvolk untersucht.

Erhard Henz ist erst mit 42 Jahren, als er krank wurde, zur Imkerei gekommen. Da dachte er darüber nach, dass es doch noch etwas Neues für ihn geben müsse. Seine Bienen-Liebe wuchs rasch – heute stehen seine mehr als 25 Stöcke quer durch den Kreis verteilt. „Es hat mich gepackt, der Imker vereinigt schließlich 16 Berufe in sich – vom Schreiner für die Kästen bis zum Biochemiker am Mikroskop. Meine Frau sagt, ich komm nur noch zum Essen und zum Schlafen nach Hause!“ So ganz unrecht hat sie wohl nicht, denn als er den Neu-Imkern beim NABU eine kleine Lektion erteilte, feierte er seinen 68. Geburtstag – wenn das kein ehrenamtlicher Einsatz ist. Und seine Schüler waren begeistert: „Wir als Neulinge kommen in den Genuss von unendlich viel Fachwissen und praktischem Können!“

Schnell gelernt haben alle, was zu tun ist, wenn tatsächlich einmal eine Biene sticht: „Am besten nur den Stachel rausziehen und sonst gar nichts“, empfiehlt Jörg Lenz, zieht sich einen Stachel aus seiner Nasenspitze und lacht: „Ich hab meine Nase eindeutig zu weit reingesteckt!“

Quelle: op-online.de

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