Ein hübsch anzuschauender Widerling

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Noch muss NABU-Vorsitzender Dr. Joachim Wink genau hinschauen, um die Sprösslinge des Indischen Springkrauts entlang der Rodau zu entdecken.

Rödermark - (lö) Die Pflanze, die Dr. Joachim Wink am liebsten mit Stumpf und Stiel ausrotten möchte, ist derzeit noch ein zartes Pflänzlein und streckt seine ersten Blätter aus dem Boden. Später blüht sie hübsch und liefert Bienen reichlich Nektar - alles andere als ein Ekel-Gewächs also.

Doch innerhalb weniger Wochen schießt das Indische Springkraut zwei Meter in die Höhe, nimmt langsamer wachsenden Pflanzen das Licht und ist für Bienen und Hummeln so attraktiv, dass sie andere Blüten links liegen lassen. Daher bekämpft es der Naturschutzbund (NABU), dessen Vorsitzender in Rödermark Wink ist, mit allen - ökologisch vertretbaren - Mitteln.

Bis spätestens Juni ist das Indische Springkraut bis zu zwei Meter hoch und lockt Insekten zuhauf auf ihre Blüte. Einheimische Pflanzen gehen beim Bestäuben dann leer aus.

Das Indische Springkraut kam ebenso wie der Riesen-Bärenklau im 19. Jahrhundert als Zierpflanze aus fernen Ländern in unsere Breiten. Gärtner und Imker haben sie lange Zeit regelrecht angesiedelt. Doch heute ist man klüger: Die Fremdlinge verdrängen einheimische Pflanzen. Der Riesen-Bärenklau ist sogar eine echte Giftpflanze: Wer sie bei Sonnenlicht berührt, muss mit allergischen Reaktionen wie Hautreizungen oder Verbrennungen rechnen.

Ein Fremdling aus Nordamerika ist das Beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia artemissifolia). 1860 wurde es erstmal in Hamburg entdeckt, von dort breitete es sich nach Südwesten aus. Es ist ein einjähriges Unkraut, das zwischen 20 Zentimeter und 1,5 Meter hoch wird. Seine Blüten sind bis zu 20 Zentimeter lange gelbe Trauben. Die Pollen können beim Menschen starke Allergien auslösen.

Doch Winks Bio-Feind Nummer eins ist das in der Rödermärker Gemarkung weit stärker verbreitete Indische Springkraut. Es wächst überall da, wo „es nasse Füße hat“ - also vorzugsweise entlang der Rodau und in den Wiesen südlich des Breidert. Selbst den Brennnesseln nimmt es den Lebensraum. Was für Menschen erst einmal ganz nett erscheint, bedroht das ohnehin seltene Tagpfauenauge in seiner Existenz. Denn dieser Schmetterling legt seine Eier fast ausschließlich auf Brennnessel.

Was der Mensch gezielt ausgesetzt hat, muss er auch gezielt bekämpfen. „Beim Springkraut hilft nur ausreißen“, erläutert Wink. Der NABU sucht jedes Jahr Freiwillige zum großen Unkrautjäten. Gartenbesitzern in der Nähe der Rodau rät er ebenfalls zu radikalen Methoden. Noch sind die Springkraut-Sprösslinge winzig und kaum von anderen Pflanzen zu unterscheiden. Der Laie kann sie an ihrem violett gefärbten Stängel identifizieren, sobald sie 10 bis 15 Zentimeter hoch sind. Lila, weiß und rosa sind auch die Blüten des Indischen Springkrauts.

So sieht der Mensch den Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) ab Sommer: meist von unten. Denn die Staude kann bis zu dreieinhalb Meter hoch werden und bildet dekorative Blüten aus. Sie ist ursprünglich im Kaukasus daheim. Giftig ist der Riesen-Bärenklau, weil er so genannte Furanocumarine bildet. Fachleute raten deshalb, bei seiner Bekämpfung Schutzkleidung zu tragen.

Weit weniger Sorgen bereiten dem NABU-Vorsitzenden tierische Einwanderer. An erster Stelle nennt er die Mittelmeer-Nacktschnecke, deren Gefräßigkeit Gärtner zur Weißglut treibt. Die eher milden Winter der vergangenen Jahren sind schuld daran, dass sie sich zügig und keinesfalls im Schneckentempo nördlich der Alpen ausbreitet. Aber auch hier begünstigt der Mensch den Fremdling, weil er den Fressfeinden der Nacktschnecke - Igel und Gefleckte Tigerschnecke - das Leben schwer macht.

Größeren Kalibers sind die Fremdlinge, die Kurt Schäfer, der Leiter des Forstamts Langen, gar nicht gerne sieht: Bisamratten wühlen sich längst auch durch die Ufer der Rodau.

Quelle: op-online.de

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