Hetzvorwürfe, Polemik und Argumente prallen aufeinander

Hund hetzte Wildsau auf Kinder: Reaktionen im Netz

Ober-Roden - Kurz vor Weihnachten hatte ein freilaufender Hund ein Reh und eine Wildsau aufgescheucht. Das Wild rannte auf eine Kindergartengruppe zu und jagte den „Waldkobolden“ einen bösen Schrecken ein. Der Zwischenfall im Breidert wird auf op-online.de seit Wochen diskutiert. Von Michael Löw

Und wie beim Thema Hund nicht anders zu erwarten, prallen Meinung, Polemik, Hetzvorwürfe, Schutzbehauptungen und Argumente heftigst aufeinander. Hier eine Auswahl:

„Eher konvertiert Erdogan zur katholischen Kirche, als dass ein Hundehalter Verständnis gegenüber einer Anleinpflicht zeigt“, hält User Jimmy „diskutieren für absolut zwecklos“. Die Zauberhexe sieht’s ähnlich: „Seit meine Mutter schon zweimal von freilaufenden Hunden, deren Besitzer sie nicht im Griff hatten, vom Fahrrad „geholt“ wurde, bin ich für eine prinzipielle Leinenpflicht. Menschenschutz geht vor. Das Schlimme ist weiterhin, dass diese Hundehalter nie belangt werden konnten, weil sie natürlich ohne ihren Namen zu nennen, einfach das Weite suchten.“

Der Bericht unserer Zeitung stellt „Jägern einen Freibrief für ihre Abschussphantasien aus“, ätzt All you need is Love und ist sicher: „Es sind weniger als zwei Prozent der Hundehalter, die sich nicht an die Regeln halten.“ Er sei beim Joggen und Gassigehen schon oft ganzen Rotten von Wildschweinen begegnet, und nie war’s ein Problem. Die Tiere hätten an Menschen kein Interesse - außer sie seien von einem Auto angefahren oder von einem Jäger angeschossen worden: „Das hat dann wieder der Mensch initiiert.“

„Der Hund hat die Tiere nicht auf die Kinder gehetzt, sondern das Trio hat 30 Meter vor den Kindern abgedreht“, nutzt Murmel den glimpflichen Ausgang des Zwischenfalls zur Verteidigung von Hunden, stellt aber klar: „Natürlich haben die Kinder das trotzdem als Bedrohung empfunden und selbstverständlich ist es nicht in Ordnung, wenn Hundehalter ihre Vierbeiner mit Jagdtrieb im Wald von der Leine lassen.“

Für User haben Rehe nur einen Zweck: Futterspende für Fressfeinde zu sein. Das sei auch der Grund, weshalb es in Deutschland Jäger gebe, die diese Rolle aus Ermangelung anderer Feinde ausüben. Ein Hund sollte das aber niemals tun.

Schneeschieber hat seine ganz eigene Sicht der Dinge: „Wenn ich das als Kind erlebt hätte, hätte ich lange von dem Abenteuer erzählt. Aber nicht ängstlich, sondern als Sensation empfunden.“ Ob alle Drei- bis Sechsjährigen so hart gesotten sind, wenn Wildsau und Hund in ihre Richtung stürmen, sei einmal dahingestellt.

„Warum gibt es keinen Hundeführerschein?“, fordert Wummsi vom Gesetzgeber. Nötig seien auch schärfere Kontrollen, ob Hunde überhaupt angemeldet seien: „Es nützt doch nix, nur Steuern von den Ehrlichen zu nehmen, wenn die „Gauner“ ungestraft ihren Kampfhund unerkannt und kostenlos durch die Öffentlichkeit führen können. Führerschein und mehr (oder überhaupt) Kontrollen würden einiges ausschließen. Absolute Sicherheit würde es aber weder damit noch mit der Leinenpflicht geben.“

Diese Wildtiere stören in Hessens Städten: Bilder

Von Rasern im Straßenverkehr geht eine noch größere Gefahr als von freilaufenden Hunden aus, findet Manfred Andrate. Und All you need is Love hat noch weitere Bedrohungen für Wildtiere ausgemacht: Landwirte mit ihren Treckern und Katzen, deren Besitzer im Gegensatz zu Hundehaltern keine Steuern zahlen. Dieses Geld würde Rödermark wie viele andere Städte auch kassieren, ohne die Lage für Hundehalter zu verbessern und „etwas Ordnung in die Verhältnisse zu bringen“. Ein Feldschütz ist in seinen Augen eine gute Lösung.

„Leider zeigt auch dieser Fall nur, dass viele Mitmenschen unter uns einfach Kontrolle brauchen, da sie ihre Freiheiten nicht zu nutzen wissen, sondern sie auf Kosten anderer missbrauchen“, bedauert Franzi Alter. Statt Anstand und Vernunft nutzen ihrer Ansicht nach viele ihre Freiräume und fehlende Kontrollen, um einfach das zu machen, was einem gefällt, auch wenn es auf Kosten Anderer geht: „Es ist leider so, der Mensch braucht Kontrolle. Einige machen immer alles kaputt - auch für die, die sich mit Anstand und Rücksicht durch den Alltag bewegen und ihre Freiheiten zu schätzen wissen.“

Hundehalter Thomas Tusta appelliert an die Vernunft: „Wenn einfach jeder ein bisschen auf sein Tier achtet und es in der freien Natur an der Leine lässt, sind die meisten Probleme gelöst. Ich lasse unsere Labradordame niemals, weder im Ort noch im Feld, von der Leine.“

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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