Gassi gehen an der kurzen Leine

Rödermark (lö) - Der Naturschutzbund (Nabu) will Hunde fast vier Monate lang an die kurze Leine nehmen - und zwar überall in Feld und Wald.

Grund: Frei laufende Hunde in „zunehmender Zahl“ würden Bodenbrüter wie Kiebitz, Feldlerche oder Rebhuhn von ihrem Gelege aufscheuchen und seien Schuld, dass diese Vögel aus Rödermark verschwänden. Hundebesitzer weisen diesen Pauschalvorwurf zurück.

„Besonders gefährdet sind die Vögel zwischen dem Breidert, Kläranlage und Aussiedlerhof“, klagen die Nabu-Vorstände Dr. Joachim Wink und Dr. Rüdiger Werner. Vor zehn Jahren lebten hier noch Bekassine, Rebhuhn, Feldschwirl und bis zu acht Kiebitzpaare antreffen, mittlerweile seien sie alle weg. Der Kiebitz hat laut Nabu 2012 hier zum ersten Mal nicht mehr brüten können, weil er nachweislich von Hunden gestört wurde. Das sei der Auslöser der Initiative, die auf Kontrolle und Aufklärung setze.

Rückgang des Feldhasen

Auch den Rückgang des Feldhasen, zum Beispiel zwischen Albert-Einstein-Straße und Dreieichbahn, führt der Nabu auf ständige Störungen durch streunende Hunde und querfeldein laufende Hundebesitzer zurück. Werner: „Wir müssen einfach einmal Alarm schlagen!“ Gespräche mit Hundebesitzern bringen nach Ansicht des Nabu-Vorsitzenden Wink nichts: „Wir stoßen vermehrt auf Aggression, wenn wir Hundehalter in der Feldflur auf ihr problematisches Verhalten aufmerksam machen.“

Von der Stadt fordert der Nabu:

- Ausweitung des Leinenzwangs in der Brut- und Setzzeit (1. März bis 15. Juni) auf alle Gebiete außerhalb der Bebauung. Bisher gilt bei vielen ortsnahen Feldern kein Leinenzwang.

- Hundewiesen entlang der Hauptspazierwege, wo Hunde ganzjährig ohne Leine toben dürfen. Das soll in enger Absprache mit den Landwirten geschehen.

- Stärkere Kontrolle des Leinenzwangs in der Brut- und Setzzeit durch das Ordnungsamt.

Hundebesitzer können nach Ansicht des Nabu mit einfachen Maßnahmen viel zum Vogelschutz beitragen:

- Sie sollen mit ihren Hunden das ganze Jahr auf den Wegen bleiben. Beim Querfeldeinlaufen stören sie nicht nur die Tiere, sondern verletzen streng genommen auch die Eigentumsrechte der Wiesenbesitzer.

- Hunde gehören zumindest in der Brut- und Setzzeit, am besten aber ganzjährig an die Leine. Ausnahmen will der Nabu nur bei Hundewiesen zulassen.

- Flexible Leinen oder Schleppleinen über fünf Meter Länge sowie Auslauf über freie Wiesen und Äcker sollten tabu sein.

- Und schließlich appelliert der Nabu: „ Achten Sie darauf, dass Ihre Hunde Ihr Geschäft nur entlang der Wegränder verrichten. Auf Wiesen und Äckern werden Tierfutter oder Lebensmittel angebaut.“

„Ich bin durch und durch ein Hundemann!“

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Beliebtes Feindbild

„Wir ärgern uns auch, wenn Hunde auf die Straße kacken oder während der Brut- und Setzzeit durch die Felder rennen“, legt sich Manfred Rädlein für die „vernünftigen Hundebesitzer ins Zeug, deren Anteil er auf 90 bis 95 Prozent schätzt. Der Vorsitzende des Gewerbevereins Rödermark - „Ich bin durch und durch ein Hundemann!“ - hält die Vorwürfe der Naturschützer für maßlos übertrieben. Sie seien eine einseitige Schulzuweisung, der er widerspricht: Wer zwischen 1. März und 15. Juni mit offenen Augen spazieren geht, sehe wie Traktoren Felder und Wiesen beackern. Das ist für Rädlein auch eine ganz logische Sache, denn kein Bauer könne dreieinhalb Monate die Arbeit liegen lassen. Potenzielle Störenfriede für brütende Vögel seien auch Sportler, Radfahrer oder Spaziergänger ohne tierische Begleitung.

Nach Auskunft des Ordnungsamtes sind in Rödermark derzeit 1 382 Hunde gemeldet. Seit 2001 wurden 192 Halter wegen Verstößen gegen die Leinenverordnung angezeigt.

Quelle: op-online.de

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