Frust und Wut über Steuererhöhung

Hundebesitzer proben den Aufstand

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Rödermark ist wenigstens bei der Hundesteuer ganz vorn. Akribisch hatten Sabine Schmitt und Denise Gubitz die von jeder Gemeinde selbst erlassenen Hundesteuer für die umliegenden Orte recherchiert.

Urberach - Die Stadt hat die Hundesteuer als eine Möglichkeit entdeckt, die Kasse aufzubessern. Die Herrchen der 1 400 Rödermärker Vierbeiner müssen fürs erste Tier 100 Prozent mehr und für weitere ebenfalls ordentlich draufzahlen.

Das hat die Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Dagegen regt sich Protest. Die Ober-Röderin Sabine Schmitt hat ihren Mischlingshund „Dino“ vor eineinhalb Jahren aus dem Tierheim geholt; früher hatte sie 12 Jahre lang einen Rottweiler gehabt. Als sie jetzt die neue Rechnung für die Hundesteuer im Briefkasten fand, war’s aus mit ihrer Geduld. Um 100 Prozent von 60 Euro auf 120 Euro hat die Stadt Rödermark die Gebühren für den ersten Hund erhöht; von 90 auf 150 Euro für jeden zweiten und von 120 auf 180 Euro für jeden dritten Hund. Zudem wurde die Steuer für sogenannte gefährliche Hunde von 600 auf 900 Euro erhöht – und zwar ohne die Möglichkeit, durch einen bestandenen Wesenstest des Hundes diese Gebühr zu senken.

Gemeinsam mit ihrer Freundin Denise Gubitz, die ihren Mastino-Napoletano „Luna“ im Oktober 2011 aus einem Tierheim geholt hatte, beschloss sie aktiven Widerspruch und brachte Unterschriftenlisten gegen diese Erhöhung in Umlauf.

Aktion im „Fressnapf“

Nachdem sie binnen kürzester Zeit 20 Unterschriften darauf vorfanden, erweiterten die Frauen die Aktion und standen am Samstag im „Fressnapf“ am Märktezentrum mit ihrem Infostand, an dem sie auch akribisch die Steuerbeträge der umliegenden Gemeinde zusammengetragen hatten – woraus erkennbar wird, dass Rödermark neben Frankfurt absolut am obersten Limit liegt.

„Wir werden die Listen auch einscannen und an die online-Petitionsstelle gegen die Hundesteuer senden. Und vielleicht können wir doch etwas damit erreichen, gerade für die alten Leute mit kleiner Rente, die ja auch noch die Arzt- und Futterkosten für ihre Tiere haben“, begründeten die beiden Organisatorinnen ihr Bestreben. Vor allem aber werden sie binnen der nächsten Woche einen Gesprächstermin beim Bürgermeister erbitten und bei ihm vorstellig werden, denn am „Fressnapf“ spätestens bewies sich, dass sie nicht allein da stehen mit ihren Sorgen.

Gegenleistung für die Hunde

„Ab zum Fressnapf und unterschreiben, weil hier endlich mal jemand etwas tut“ – so war die allgemeine Erleichterung vieler Hundehalter, die zum Unterschreiben vorbei kamen, „zumal ja nichts als Gegenleistung für die Hunde gemacht wird.“ Überlegungen wie „für neu erworbene Kampfhunde kann die Steuer ruhig hoch sein – für die älteren nicht, weil die sonst abgeschoben werden“ oder „eigentlich sollte die Hundesteuer für die Versorgung der Hunde im Tierheim genutzt werden“ wurden am Stand heftig diskutiert.

Manche Standbesucher wollten auch einfach Leute treffen, die aktiv werden. „Die Hundesteuer in Rodgau hat sich zwar auch verdoppelt, aber das ist nur Geld. Aber dass ich verpflichtet werde, vier Monate lang mit meinem Hund nur angeleint zu laufen, das halte ich für Quälerei; der verblödet ja an der Leine“, erzürnt sich Sylvia Lugge aus Rodgau, seit 30 Jahren Hundebesitzerin. Sie moniert auch, dass der freigegebene Hundeplatz in Rodgau „nicht größer als mein Garten“ ist.

„Eine 100-prozentige Erhöhung ist eine Schweinerei“

Auch Gerhard Schuldes, Vorsitzender der Hundefreunde Urberach, der bis vor kurzem überwiegend Schutzhundesport betrieben hat und sich erst jetzt allen Rassen geöffnet hat, ist empört: „Ich habe seit 1958 Schäferhunde, aber eine 100-prozentige Erhöhung ist eine Schweinerei. Ich möchte mal erleben, was die Leute sagen würden, wenn andere Produkte wie etwa ihr Wein von heute auf morgen um 100 Prozent erhöht würden!“

Besonders wütend ist Marco Roldan (33), während er die Liste unterschreibt: „Seit ich 19 Jahre bin, seit 1998, halte ich einen sogenannten Kampfhund, der inzwischen schon so alt ist, dass er sogar vom Wesenstest befreit wurde, weil er bei den Prüfungen Schmerzen hätte. Damals habe ich 60 Deutsche Mark Steuern bezahlt; nach den Vorfällen in Hamburg wurden es schon 600 Euro. Jetzt sind es 900 Euro, die ich für ihn zahlen soll. Seit 15 Jahren beweise ich auch mit meiner beruflichen Entwicklung, dass ich ein normaler Mensch bin.“ Das Ordnungsamt aber grenze ihn systematisch aus der Gesellschaft aus. Folge der hohen Kosten: Der dringend fällige Zahnarztbesuch mit seinem Hund muss noch einige Monate warten, weil er erst einmal die hohen Steuern aufbringen muss.

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„Es wird so weit führen, dass man sich Freunde etwa in Neu-Isenburg sucht, die den Hund dort günstiger anmelden.“ Die Hundehalter reden sich ihren Frust von der Seele. „Oder dass niemand sich mehr ein Tier zulegt, weil man es sich nicht mehr leisten kann.“

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„Die Hunde landen doch wieder im Tierheim oder auf der Straße – das ist schon sehr traurig, was sich für die Tiere abspielt“ Mehrere Unterzeichner nahmen noch Listen für ihren Bekanntenkreis oder für Arztpraxen etwa mit. Weitere Listen liegen während noch bis Freitag einschließlich in der Tierbedarfshandlung „Fressnapf“ zum Unterschreiben bereit, ebenso im Hundeladen Natis Happy Dogz, im Sonnenstrudio Nr. 1 sowie in Sabrinas Nagelstudio und in Angelas Nagelstudio in Ober-Roden. Dann müssen sie allerdings eingesammelt und abgegeben werden, um die vorgegebenen Einspruchsfristen vier Wochen nach Erhalt des Steuerbescheids zu wahren. Kontakt: schmitt.sabine72@googlemail.com.

Quelle: op-online.de

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