Held im Unfallchaos: Eigene Familie vor Augen gehabt

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Alessandro Piroddi rettete nach dem schweren Unfall drei Kinder und eine Frau aus einem Fiat. Im Büro von Klaus-Peter Daube, dem Chef der Polizeistation Dietzenbach, ging er nochmals seine Zeugenaussage durch.

Ober-Roden/Dietzenbach - Zwei, drei Minuten, die ihm wie eine Ewigkeit vorkamen, hat Alessandro Piroddi hinter sich. Der 38-Jährige rettete nach dem schweren Unfall am Montagmittag drei schwerverletzte Kinder und eine Frau aus den Trümmern ihres Autos. Von Michael Löw

Er war der erste Autofahrer gewesen, der nach dem Frontalzusammenstoß eines Fiat Doplo und eines Hyundai auf der L 3097 angehalten hatte.

„Das kann nur ein paar Sekunden vorher gewesen sein. Ich habe gesehen, wie der Fahrer des Hyundai aufs Feld lief und dort umfiel wie ein Sack. Dem wollte ich zuerst helfen“, schildert Alessandro Piroddi den Beginn der dramatischsten Minuten seines Lebens.

Bilder vom Unfallort

Acht Verletzte bei schwerem Unfall

Dass ein paar Meter weiter der Fiat im Acker liegt, hat er noch gar nicht bemerkt. Plötzlich hört er die Schreie einer verzweifelten Frau: „Meine Kinder, meine Kinder!“ und sieht den Fiat, den der Unfall auf die Beifahrerseite geworfen hat. Alessandro Piroddi zögert keine Sekunde, springt aufs Auto, reißt und zerrt an der Schiebetür. Was er drinnen sieht, beschreibt er als Horrorbild: blutende Kinder, die um 90 Grad gedreht in ihren Sitzen und Gurten hängen.

Obwohl"s im Auto qualmt und verbrannt stinkt (wegen der Airbags), springt Piroddi ins Chaos und hievt das erste Kind (5) aus dem Auto. Eine junge Malerin bringt es in Sicherheit. Auch das zweite Kind kann Piroddi schnell an die Frau weitergeben.

„Was wäre, wenn...“

Der Schuh des Neunjährigen auf dem Beifahrersitz ist zwischen Sitzschale und Handschuhfach eingeklemmt, aber schließlich kann Piroddi auch diesen Jungen befreien. Mit anderen Helfern holt er zu guter Letzt noch die 44-jährige Fahrerin aus dem Fiat: „Dann bin ich erst mal auf dem Auto sitzen geblieben und konnte mich nicht rühren!“

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Acht Verletzte bei Frontalcrash

Als der Adrenalin-Stoß abebbt, bricht Alessandro Piroddi in Tränen aus. Er hat selbst drei Kinder, seine Frau fährt ein ähnliches Auto wie den verunglückten Fiat. Der Gedanke „Was wäre, wenn...“ macht aus dem mutigen Retter einen hemmungslos weinenden Mann. Schulterklopfen und Lob der Feuerwehrleute, Polizisten und Sanitäter, die sich mittlerweile um die acht Schwerverletzten kümmern, bauen ihn wieder auf. „Das ist eine ganz normale Reaktion“, versichert Klaus-Peter Daube, Leiter der Polizeistation Dietzenbach, dass Piroddi sich seiner Tränen nicht schämen muss.

Keines der Kinder schwebt in Lebensgefahr

Daube, der den Polizeieinsatz auf der Straße zwischen Ober-Roden und Rollwald koordinierte, fuhr Piroddi nach Hause, und bot ein Gespräch an, um die Geschehnisse aufzuarbeiten. „Ich habe erst gedacht, ich bin stark und brauche das nicht“, erzählte Alessandro Piroddi im Gespräch mit unserer Zeitung.

Doch nach einer halben Stunde stand er wieder vor Daubes Büro. Fast zwei Stunden haben sie miteinander geredet, der Polizist holte das Kriseninterventionsteam der Malteser dazu.

Offensichtlich hat"s geholfen. Alessandro Piroddi hat in der Nacht zum Dienstag sehr gut geschlafen. Die Bilder geisterten erst morgens wieder durch seinen Kopf.

Aber da rief der Vater der geretteten Kinder bei ihm an. Wichtiger als der Dank war Alessandro Piroddi die Nachricht, dass alle drei Kinder aus dem Unglücks-Fiat über den Berg sind.

Quelle: op-online.de

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