Danuta Buchmann ist Wohngruppenleiterin im Haus Morija

Immer ein Lächeln für die Senioren

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Die lückenlose Dokumentation jedes einzelnen Bewohners nimmt gut ein Drittel der Dienstzeit von Danuta Buchmann ein.

Ober-Roden - 39 alte und überwiegend pflegebedürftige Menschen leben in der Wohngruppe „Enzian“ des Hauses Morija. Ich begleitete Pflegefachkraft Danuta Buchmann während ihrer Vormittagsschicht im zweiten Stock des Altenheims im Breidert. Von Christine Ziesecke 

Danuta Buchmann wurde in Polen geboren, ist eigentlich Erzieherin und kam 1989 nach Hamburg. Nach einem Schnupperkurs des Arbeitsamts absolvierte sie die Ausbildung zur Altenpflegerin (heute „Pflegefachkraft“). Seit 2001 ist sie im Haus Morija beschäftigt, inzwischen als „1. Wohnbereichsleiterin“ für die Gruppe „Enzian“. Schwester Danuta arbeitet wie alle 13 Voll- und Teilzeitkräfte in der Gruppe „Enzian“ des Hauses Morija im wöchentlichen Schichtwechsel: morgens von 6 Uhr bis 15 Uhr oder von 13 Uhr bis 20.30 Uhr. Zu den Pflegefachkräften kommen Pflegedienstschüler und ein Mitarbeiter im freiwilligen sozialen Jahr; die Nachtdienste sind extra besetzt.

Als wir uns nach dem Frühstück der Bewohner treffen, hat 59-jährige Wohngruppenleiterin schon drei Stunden Dienst hinter sich. Etliche werden noch folgen, denn zumindest in den Frühschichten arbeitet sie meist länger als die vorgesehenen sieben Stunden.

Vor dem Wecken hat sie schon die Medikamente der Senioren zusammengestellt und Spritzen vorbereitet. Denn dann muss es schnell gehen: drei, vier Frühaufsteher sind schon um halb sieben unterwegs, und alle wollen gleichzeitig drankommen. „Wir arbeiten hier soweit wie möglich mit festen Bezugspersonen.“ Heute hat Schwester Danuta sieben Bewohner persönlich zu betreuen, einen mehr als sonst. Toilette, Waschen, die vom Spätdienst herausgelegte Kleidung anziehen, kämmen, manche der Frauen etwas schminken - 20 Minuten sind für jeden vorgesehen, für manche braucht sie länger. „Ich versuche dann schon mal mit den Anderen zu verhandeln oder sie etwas zu verschieben“, schildert Danuta Buchmann ihr Zeitspiel.

Der FSJler kümmert sich inzwischen mit der „Stationsfrau“ in der Küche ums ganz individuell zusammengestellte Frühstück. Eine Liste macht klar, wer gerne helle Brötchen, wer Vollkornbrot oder wer Roggenbrötchen möchte, für wen es – immer in Abstimmung mit dem persönlichen Speiseplan – Kaffee, Tee, mit oder ohne Zucker und so weiter. gibt. „Wir versuchen, das auch möglichst dekorativ zu servieren und so lange wie möglich auch die Schnabeltasse zu umgehen.“

Die meisten frühstücken im Speisesaal, auf dem „Dorfplatz“ mitten in der Station, nur einige wenige im Zimmer. Als ich komme, werden die Bewohner in ihre Zimmer gebracht zum Toilettengang und zum Frischmachen und anschließend zu Beschäftigungen, zu denen sie sich gemeldet haben. „Angebote gibt’s vom Werken über Bewegungsrunden, Rummykub-Spielen, „Beintraining und Zuwendung“ oder „Handwärmebad und Gespräch“.

Für diese Aufgaben hat das Haus Beschäftigungstherapeuten, aber auch ehrenamtliche Helfer wie an diesem Morgen Moni Beers, die dienstags zur Bingo-Stunde mit ganz großem Andrang einlädt. Dann kommen mehr Rollstühle zum „Dorfplatz“ als eigentlich rund um den Tisch Platz haben. Langeweile hat niemand. „Bei uns sind alle Angebote so schön, dass wir die Bewohner nicht überreden müssen; sie wecken von selber etwa den Spaß an der Bewegung“, sagt Moni Beers. Danuta Buchmann und die anderen Pflegekräfte kümmern sich derweil um Handtücher, Wäsche und Statistik führen oder machen nach Absprache untereinander auch ihre Pflichtpausen: eine halbe Stunde spätestens nach vier Stunden.

Pflegekurse erleichtern die Versorgung der Lieben

Doch das Wichtige ist alle zwei Stunden der Toilettengang mit den Heimbewohnern. „Wenn wir richtig arbeiten, erspart das viel schmutzige Wäsche“, erklärt Schwester Danuta, und ergänzt: „Uns sind Wohlgefühl und Ästhetik für unsere Bewohner ganz wichtig.“ Zwischendurch bringt sie eine „ihrer“ Frauen zur Massage, unterhält sich mit einer anderen im „Wintergarten“, nimmt auf dem Rückweg eine Bewohnerin, die am Fenster sitzt, gleich mit zum Speisesaal: In 20 Minuten wird hier das Mittagessen verteilt, wieder mit ganz persönlichen Änderungen.

Am Tisch sitzen schon körperlich weitgehend fit und perfekt gekleidet zwei der ältesten Morija-Bewohnerinnen: Irmgard Neumair, 93 Jahre alt und voll Vorfreude aufs Mittagessen, und die ebenso alte Christa Kirschniok, der Schwester Danuta noch schnell die Handarbeitstasche mit ihrem Häkelzeug holt. „Ich stricke auch noch, aber am liebsten würde ich Ihnen mein Seidenmalerei-Bild zeigen“, erzählt die alte Dame stolz, und beide Frauen sind sich einig: „Hier ist es schön, dank Danuta und dem ganzen Team!“

Wahrend die Bewohner essen und anschließend zum Mittagsschlaf gebracht werden, kümmert sich Schwester Danuta im Büro um die zeitaufwendigste Aufgabe, die den größten Teil ihrer Arbeitszeit in Anspruch nimmt: Wochenpläne für die Mitarbeiter, Tagespläne für die Bewohner inklusive Arztterminen vereinbaren oder Medikamenteneinnahmen. Dazu kommt –„und das ist mehr als ein Drittel meiner Arbeitszeit“ – die gesetzlich vorgeschriebene Dokumentation fast jedes Schrittes der Bewohner: vom Stuhlgang bis zum Blutdruckmessen, die gesamte Tagesstruktur und natürlich alle Veränderungen des körperlichen und geistigen Befindens. Zuvor aber gibt Danuta Buchmann ihrer Stellvertreterin, die die zweite Schicht übernimmt, die wichtigsten Informationen des Vormittags weiter, ehe sie sich wieder zur Dokumentation zurückzieht.

Ein Fenster zur Welt für Senioren

Quelle: op-online.de

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