Immer weniger Tagesmütter

Rödermark - (af) „Im Moment haben wir 15 Tagesmütter, aber es waren mal 50“, diese bittere Bilanz zieht Gisela John, Mitarbeiterin beim Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) Rödermark. Hohe Anforderungen bei relativ geringer Bezahlung führen dazu, dass die Bereitsschaft ein Kind zu betreuen immer weiter zurück geht.

Das taten 2005 noch 35 Frauen, bis 2008 schrumpfte ihre Zahl um mehr als die Hälfte - Tendenz weiter fallend.

Der Kinderschutzbund sucht daher dringend neue Tagesmütter und -väter in der näheren Umgebung. Er benötigt einen zuverlässigen Stamm Männer und Frauen, um alle Tageszeiten und Werktage einschließlich des Samstags abdecken zu können. Nur so lassen sich Umfang und Dauer der Tagespflege den individuellen Erfordernissen und Wünschen der Eltern anpassen.

Zu allererst wollen die Mitarbeiterinnen dem wachsenden Bedarf an Betreuungsmöglichkeiten für Kinder unter drei Jahren gerecht werden. Gerade für diese Altersgruppe ist es schwierig, Betreuungsplätze in Mini-Kindergärten zu finden, obwohl die Stadt ihr Angebot zusammen mit den Johannitern ständig erweitert. „Die Kinderbetreuung durch qualifizierte Tageseltern bietet eine Ergänzung oder Alternative auf individueller und familiärer Basis“, sagt Gisela John. Sie ermöglicht flexible Betreuungszeiten, kleine Gruppen und eine vertraute Umgebung für das Kind.

Das Angebot gilt nicht nur für die Kleinsten

Das Angebot gilt aber auch für ältere Kinder, bei denen die Betreuungsmöglichkeiten von Kindergarten und Schule nicht ausreichen. Hier geht es beispielsweise um das Abholen vom Kindergarten oder von der Schule mit anschließender Betreuung und Hausaufgabenhilfe.

Eltern bietet der DKSB fachliche Beratung, außerdem übernimmt er die Zuteilung von geeigneten Tageseltern. Gisela John und Mareike D‘Alessandro wissen Rat bei allen Fragen und Problemen, die im Laufe einer Betreuung auftreten können.

Um Tagesmutter oder -vater zu werden, gilt es einige Voraussetzungen zu erfüllen. Spaß und Erfahrung im Umgang mit Kindern sowie Räumlichkeiten, die Platz zum Spielen und Rückzugsecken bieten, müssen in jedem Fall gegeben sein. Die Eltern auf Zeit sollten für einen geregelten Tagesablauf sorgen und auf entwicklungsbedingte Bedürfnisse eingehen können. Um das Umfeld genau einzuschätzen, macht der Kinderschutzbund auch Hausbesuche, bevor er ein Kind vermittelt.

Die Bereitschaft sich weiterzubilden, ist ein weiterer entscheidender Faktor. Der erste Schritt besteht aus dem Erwerb einer Pflegeerlaubnis beim Jugendamt. Voraussetzung dafür ist eine Grundqualifizierung, die aus 45 Unterrichtseinheiten besteht. Zur weiteren Qualifikation gehört ein Erste-Hilfe-Kurs am Kind, der alle zwei Jahre aufgefrischt werden muss. Auch später ist eine ständige Fortbildung grundlegend, daher verpflichten sich Tageseltern zu 20 Fortbildungsstunden pro Jahr.

DATEN & FAKTEN

- Im vorigen Jahr kümmerten sich 15 Tagesmütter um 58 Kinder.

- Der Betreuungsschwerpunkt lag bei den unter Dreijährigen. In dieser Altersgruppe wurden 32 Kinder vermittelt. Außerdem gingen 16 Kindergartenkinder und 10 Schulkinder zu einer Tagesmutter.

- Nähere Informationen über die Tätigkeit als Tagesmutter beziehungsweise -vater oder über Betreuungsmöglichkeiten bei einer Tagesmutter sind bei der Vermittlungsstelle des Kinderschutzbundes in der Halle Urberach erhältlich. Sie ist montags und mittwochs von 9.30 Uhr bis 11.30 Uhr geöffnet, Tel: 06074 68966. Ansprechpartnerinnen sind Mareike D`Alessandro und Gisela John.

Quelle: op-online.de

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