Sprache in die Familien tragen

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Judith Lingk (links) nimmt beim Lernhilfeprojekt des Netzwerks für Integration immer wieder auch Eltern mit ins Boot. Der Stiftung „Miteinander leben“ ist diese Art von Integrationsarbeit eine Zuwendung von 5000 Euro wert.

Rödermark (lö) - „Deutsch macht mir am meisten Spaß!“, sagt Aida und lässt so manchen ihrer Zuhörer staunen. Die kleine Perserin - darauf legt sie großen Wert - flüchtete erst vor acht Monaten mit ihren Eltern nach Deutschland und kommt trotzdem in der Schule bestens mit.

Möglich gemacht hat das ein Lernhilfeprojekt des Netzwerks für Integration in Rödermark (NIR, früher Flüchtlingshilfe). Der Verein fördert die schulische und damit die soziale Integration von Flüchtlingskindern. Elf werden derzeit an der Trinkbornschule und im Urberacher „City-Hotel“ betreut. Die Kreis-Stiftung „Miteinander leben“ spendete 5 000 Euro. „Kinder tragen die Sprache nach Hause in ihre Familie“, unterstrich die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger die Bedeutung über den Unterricht hinaus. Daher liege die Spende auch deutlich über den sonstigen Beträgen.

NIR versteht die Lernhilfe als Ergänzung der bestehenden Hausaufgabenhilfe an allen Rödermärker Schulen. Ziel ist es, dass Kinder mit mangelhaften Deutschkenntnissen einen qualifizierten Abschluss erreichen können. Im neuen Urberacher Stadtteilzentrum „SchillerHaus“ stehen Räume zur Verfügung. Der Unterricht in einer Kleingruppe findet regelmäßig statt und wird von einer Fachkraft auf 400 Euro-Basis betreut.

NIR sucht außerdem noch eine Betreuungskraft, die selbst Migrationshintergrund hat. Das, so die Hoffnung von Vorstandsmitglied Pfarrer Frithjof Decker, erleichtere den Zugang zu den Familien. Das Projekt ist erst einmal auf drei Jahre angelegt. Die nötigen 8000 Euro sollen teils durch Elternbeiträge, teils durch Vereinsmittel und durch den Zuschuss aufgebracht werden. „Wir sind überzeugt“, so Claudia Jäger, „dass die 5000 Euro an dieser Stelle richtig angelegt sind. Denn gut qualifizierte junge Leute sind nach wie vor ein wichtiges Potenzial für die Zukunft.“

NIR betreut derzeit rund 80 Menschen aus dem Iran, Pakistan, Afghanistan, Kasachstan, Rumänien und Polen. Die eine Hälfte lebt im „City-Hotel“, die andere übers ganze Stadtgebiet verteilt. Die meisten kehrten ihrer Heimat aus politischen Gründen den Rücken. Im Iran, wo Aida aufwuchs, zum Beispiel reicht der Besuch beim Freitagsgebet eines „falschen“ Ayatollahs, um oppositioneller Umtriebe verdächtigt zu werden. Dann drohen Haft, Folter und Todesstrafe.

Quelle: op-online.de

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