Vollgas statt Schneckentempo

Rödermark (lö) - Die Stadt will noch dieses Jahr mit dem Aufbau eines eigenen Hochgeschwindigkeits-Datennetzes beginnen. Dann könnten die meisten Rödermärker mit 50 MBit pro Sekunde durchs Internet surfen.

Eine geradezu paradiesische Vorstellung für jene Computernutzer, die sich derzeit mit Übertragungsraten zwischen 1,5 und 6 MBit/Sekunde begnügen müssen.

Heute noch Schneckentempo, morgen schon Vollgas - wie kommt‘s? Die Großen der Telekommunikationsbranche haben unmissverständlich erklärt, dass sie in Rödermark keinen Cent zusätzlich in den Ausbau ihrer Netze investieren wollen. Der Magistrat suchte nach neuen Partnern und verhandelt seit Sommer mit dem Odenwald-Kreis beziehungsweise seiner Tochtergesellschaft Brenergo. Die hat 20 Millionen Euro investiert und dort ein Glasfasernetz verlegt, das auch in ländlicher Umgebung riesige Datenmengen schnell transportiert. „Die Gespräche sind auf einem guten Weg. Wir wollen auch in Rödermark 2012 loslegen“, sagte Bürgermeister Roland Kern gegenüber unserer Zeitung.

Zwei Geschäftsmodelle

Derzeit diskutieren Magistrat und Brenergo über zwei Geschäftsmodelle: Rödermark gründet eine Art Stadtwerke, die das Glasfasernetz betreiben und den Bürgern die Anschlüsse verkaufen. Alternativ könnten sich mehrere Kommunen für diese Aufgabe zusammentun. 25.000 Euro sollen laut Kern für diese Formalien im Haushalt 2012 bewilligt werden.

Das Hessische Wirtschaftsministerium fördert den Ausbau kommunaler Datennetze mit einem 200 Millionen Euro schweren Darlehensprogram. „Eine flächendeckende Versorgung ist Voraussetzung für die nachhaltige Entwicklung des Wirtschaftsstandortes“, erklärte Staatssekretär Steffen Saebisch.

„Wir bauen kein Netz für heute“

„Wir bauen kein Netz für heute, sondern für morgen und übermorgen“, beschreibt Ralph Steiner, Chef der städtischen Informationsverarbeitung, das ehrgeizige Ziel. 50 MBit je Sekunde erlauben zum Beispiel 3D-Fernsehen am heimischen Computer oder aufwändige Therapien per Telemedizin. Außerdem unterstützt eine hohe Übertragungsrate so genannte intelligente Haushaltsgeräte. Die Waschmaschine der Zukunft, so Ralph Steiner, prüft selbständig, wann der Strom am günstigsten ist und schaltet sich dann ein.

Ein leistungsfähiges Glasfasernetz kann nach Ansicht Steiners auch leer stehende Industriegebäude füllen. Viele Firmen betreiben ihre Rechenzentren nur deshalb im teuren Frankfurt, weil ihnen dort schnelle Leitungen zur Verfügung stehen. Rödermark könnte nächstes Jahr mit schnellen Leitungen und günstigen Mieten punkten.

Die Stadt hatte Ende 2011 mit Fragebögen den Bedarf nach einem leistungsfähigen Netz erkundet. 550 Bürger beteiligten sich, knapp 80 Prozent würden ihren Versorger wechseln, wenn der neue 50 MBit/Sekunde anbietet.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Pixelio.de/Peter Kirchhoff

Kommentare