Ironie gegen Parksünder

+
Wer nicht parken kann, muss lesen. Edmund Böffinger klemmt Autos, die seine Einfahrt blockieren, einen höchst ironischen „Strafzettel“ unter den Scheibenwischer. Noch nimmt der 87-Jährige solche Behinderungen mit Humor. Und hofft auf die Einsicht der Parksünder. Doch damit ist‘s nicht weit: Neulich behauptete eine Frau doch allen Ernstes, sie habe kein Schild „Einfahrt freihalten“ gesehen.

Urberach - Mindestens einmal am Tag ärgert sich Edmund Böffinger über rücksichts- und gedankenlose Autofahrer, die seine Einfahrt zuparken. „Ich war doch eben nur schnell ein paar Minuten weg!“, bekommt der 87-Jährige gebetsmühlenartig zu hören, wenn er die Leute anspricht. Von Michael Löw

 Döner-Imbiss, Blumenladen, Eiscafé, Pfarrhaus, Kirchen-Schaukasten, Musikschule, - in diesem Teil der Traminer Straße gibt‘s jede Menge Gründe für einen kurzen Stopp.

Fakten:

Die Rechtslage ist klar, Rödermarks Ordnungsamtsleiter Manfred Pauschert verweist auf den Paragraphen 1 der Straßenverkehrsordnung. Dort heißt es unmissverständlich: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr als den Umständen nach vermeidbar, behindert oder belästigt wird.“

Grundsätzlich dürfen Hausbesitzer, deren Einfahrten zugeparkt sind, bei Ordnungsamt oder Polizei Anzeige erstatten. Dann wird ein Verwarnungsgeld von 15 Euro fällig. Blockiert das Auto einen Rettungsweg oder eine Feuerwehrzufahrt, kostet das Knöllchen 30 Euro, außerdem droht der Abschlepphaken.

Aber bitte nicht vor meinem Hoftor, denkt sich Böffinger immer wieder. Schließlich haben auch alte Menschen nicht ewig Zeit, wenn sie mit dem Auto weg wollen. Ganz zu schweigen, von den Nerven, die das Warten kostet. Seit ein paar Tagen klemmt Edmund Böffinger den Parksündern ein ironisches Knöllchen untern Scheibenwischer: „Sie haben ein schönes Auto, wahrscheinlich auch einen Führerschein und können vielleicht auch ganz gut fahren - aber parken können Sie nicht!
Er wolle mit niemandem Krach anfangen, begründet er seinen Langmut gegenüber den Falschparkern und setzt auf Verkehrserziehung mit Humor. Bevor Böffinger zum Zettel greift, klappert er sogar die Geschäfte in seiner Nachbarschaft ab. Aber von deren Kunden will‘s seltsamerweise keiner gewesen sein.
Früher hat er solchen Autofahrern ein maschinengeschriebenes Zettelchen mit dem Hinweis auf Paragraph 1 der Straßenverkehrsordnung an die Windschutzscheibe gehängt. Ein einziges Mal hatte ein Mann ein schlechtes Gewissen und lud Edmund Böffinger zum Cappuccino ins „Venezia“ ein. Die meisten aber haben den Satz „Entschuldigen Sie bitte!“ aus ihrem Sprachschatz gestrichen.
Zu manchen Parksündern ist Edmund Böffinger sehr nachsichtig. Aber das sind alte Urberacher wie Karl Sturm oder Inge Faust , die klingeln und fragen, ob sie ihr Auto ein paar Minuten vor seinem Tor parken dürfen. Und auch den Fahrern der holländischen Lastwagen, die seinen Nachbarn mit Blumen beliefern, ist er selten böse. Die hätten auf der viel befahrenen Traminer Straße sonst ja keine Chance.

 

Quelle: op-online.de

Kommentare