Israel verwirrt junge Rödermärker

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Partnerschaft von NBS und Schule in Kiryat Ono bahnt sich an - Begegnung lässt Fragen offen.

Ober-Roden (lö) - Die Nell-Breuning-Schule strebt die Partnerschaft mit einer Schule in Israel an. Nach einem Jahr intensiver Vorbereitung besuchten 14 Jugendliche mit den Lehrern Angelika Kluge und Kai Petersen die 30.000-Einwohner-Stadt Kiryat Ono.

Sie lernten Israel als ein Land mit politisch-religiös gespaltener Gegenwart kennen. Die achttägige Reise beleuchtete Landeskunde, Holocaust, Religionen und den Nahostkonflikt.

Zur Auseinandersetzung mit der deutsch-jüdischen Vergangenheit gehörten die Gespräche in zwei Altersheimen mit Juden, die in den 30er Jahren Deutschland noch rechtzeitig verlassen konnten, und natürlich der Besuch der Gedenkstätte Yad Vashem bei Jerusalem.

Obwohl alle Zehnt- bis Dreizehntklässler sich im Unterricht mit dem Massenmord an den deutschen und europäischen Juden beschäftigt hatten, war ihre Betroffenheit groß. „Yad Vashem ist eindrucksvoll, erschütternd. Man sollte es verpflichtend machen, dies hier zu sehen“, urteilte eine Abiturientin und ein Mitschüler räumte ein, dass er sich vorher sicher gewesen sei, dass seine Generation „die Schuldfrage nicht mehr betreffen würde.“ Im Nachhinein müsse er feststellen, dass er sich darin getäuscht habe. Besonders ergriffen verließ die Rödermärker Gruppe die „Kindergedenkstätte“, einen dunklen Raum, an dessen Wänden zahllose Lichtreflexe die 1,5 Millionen ermordeter Kinder symbolisieren.

Begegnungen mit israelischen Jugendlichen

Sehr bereichernd, um Israels Gegenwart besser verstehen zu können, empfanden die jungen Deutschen die Begegnungen mit israelischen Jugendlichen. So gab es Gespräche in einer jüdischen Reformgemeinde in Haifa, mit Schülern des arabischen Dorfes Arabe, mit christlichen Palästinensern in der Jerusalemer Erlöserkirche und nicht zuletzt mit den Jugendlichen der High School in Kiryat Ono.

Am Ende mussten die Schülerinnen und Schüler feststellen, dass die Reise ihnen keinesfalls zu einer eindeutigen Einschätzung des Nahostkonflikts verholfen hat. Ganz im Gegenteil, die tägliche Begegnung mit den unterschiedlichsten Meinungen hatte zunehmend für Irritationen gesorgt. Bereits am ersten Abend hatte Miki Drill, Mitarbeiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Tel Aviv, darauf hingewiesen, dass „Verwirrung“ vielleicht das Beste sei, was man aus Israel mit nach Hause nehmen könne. „Wer sich mit Israel ernsthaft auseinandersetzen will, muss sich einseitige Positionen anhören, muss lernen, das Nebeneinander verschiedener Meinungen auszuhalten“, sagte Angelika Kluge nach der Rückkehr.

Herzlicher Empfang

Herzlich wurde die Delegation aus Rödermark von der Schulleitung, dem stellvertretenden Bürgermeister, dem Bürgerschaftsabgeordneten und ehemaligen Bürgermeister in Kiryat Ono empfangen. Das Gespräch mit der israelischen Schulleiterin Zipi Rosenboim, an dem weitere Kolleginnen aus Rödermark und Kiryat Ono teilnahmen, verlief sehr positiv. Im Herbst 2012 schon könnte eine Gruppe von Schülern aus Israel in Rödermark eintreffen. „Wenn das klappt, haben wir unser Ziel erreicht“, darin waren sich die Lehrer einig.

Mit Kiryat Ono, einen Steinwurf entfernt von Tel Aviv, pflegt der Kreis Offenbach bereits seit Anfang der 1990er Jahre einen regen Austausch. Am 31. Oktober 1996 wurde die formelle Partnerschaftsurkunde unterzeichnet, so steht im 2011 das 15-jährige Jubiläum der Partnerschaft ins Haus.

Mit der ersten Begegnung der Schüler aus Rödermark und Kiryat Ono soll nun ein regelmäßiger Schüleraustausch diese Partnerschaft ergänzen.

Quelle: op-online.de

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