Rödermark: Vögeln auf der Spur

Ja wo fliegen sie denn?

Wo könnten die Vogelfreunde Sven Burger (links), Diedrich Meyn (verdeckt) und Dr. Rüdiger Werner vom Nabu wohl besser Vögel beobachten und zählen, als an der eigens dafür erbauten Werner-Weber-Beobachtungshütte am Berngrundsee?  
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Wo könnten die Vogelfreunde Sven Burger (links), Diedrich Meyn (verdeckt) und Dr. Rüdiger Werner vom Nabu wohl besser Vögel beobachten und zählen, als an der eigens dafür erbauten Werner-Weber-Beobachtungshütte am Berngrundsee?  

So viele Vogelarten wie bei der jüngsten Artenbestimmung haben Nabu-Mitglieder noch nie binnen nur eines Tages nachgewiesen: 85. Das „Birdrace“ der Naturschützer war demnach ein voller Erfolg.

Rödermark – „Birdrace“: Ein Tag für Vögel, 24 Stunden ihnen auf der Spur am „Tag der Vogelvielfalt“, zu dem der Naturschutzbund alljährlich einlädt, und das Ganze als sportlicher Wettbewerb. Was ungewöhnlich klingt, ist letztlich nicht nur punktgenaue Information über die örtliche Vogelwelt, sondern auch die Chance, Themen des Natur- und Vogelschutzes in den Fokus zu rücken.

Früher war es Werner Weber, der sich voll und ganz der Vogelbeobachtung verschrieben hatte und dafür auch zu frühmorgendlichen Vogelstimmenspaziergängen und mehr einlud. Inzwischen haben mehrere Mitglieder des Rödermärker Nabu diese Leidenschaft übernommen und widmen sich beim „Birdrace“ voller Energie und mit dem nötigen Fachwissen der Beobachtung und Auflistung des örtlichen Bestandes.

Von halb sieben Uhr morgens bis 21 Uhr abends waren dafür die drei Rödermärker Vogelfreunde Sven Burger, Dietrich Meyn und Dr. Rüdiger Werner vom Nabu Rödermark den heimischen Vögeln auf der Spur. Umweltbewusst und möglichst leise waren sie rund 80 Kilometer mit dem Rad unterwegs, um möglichst viele unterschiedliche Vogelarten zu finden.

Ihr Ziel, den bisherigen persönlichen Rekord von 72 Arten zu verbessern, haben die Drei bei strahlendem Wetter deutlich übertroffen. Am Ende des Tages waren es 85 unterschiedliche Arten, die eindeutig bestimmt werden konnten. 68 Arten davon konnten in oder im Umkreis von einem Kilometer um Rödermark gefunden werden. Die restlichen Arten wurden in den Naturschutzgebieten „Hergershäuser Wiesen“ und „Reinheimer Teich“ nachgewiesen.

„Die meisten Arten sind hier heimisch, aber es waren auch ein paar seltene Durchzügler dabei wie Steinschmätzer, Braunkehlchen, Thunberg-Schafstelze und Bruchwasserläufer“, freute sich Vorsitzender Dr. Rüdiger Werner.

Erstaunlicherweise waren die meisten Stellen, an denen durch die regelmäßigen Kontrollrunden der drei Vogelfreunde Vorkommen bereits im Vorfeld nachgewiesen wurden, an diesem Tag verwaist. Dafür konnten diese Arten dann an ganz anderen Stellen nachgewiesen werden, wo dies vorher nicht bekannt war.

Am Berngrundsee etwa war noch vor kurzem eine Graugans mit fünf Jungen gesichtet worden – derzeit sind es augenscheinlich nur noch zwei, wie die Vogelfreunde vom Werner-Weber-Haus beobachten konnten. „Vielleicht ist hier doch ein Fuchs unterwegs“, fürchten sie. Über das Fernglas mit seiner starken Vergrößerung beobachteten sie auch das Blesshuhn, das gerade mit seinen drei Jungen einen Ausflug über den See machte. Mit einer aufs Fernglas aufgesetzten Kamera lassen sich die Bilder auch für die Nachwelt festhalten.

„Es gab jetzt nicht das ganz große Highlight“, fasst Rüdiger Werner den Tag zusammen, „aber jede Menge kleine, schöne Momente, die den Tag zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben. Was zur Vollkommenheit gefehlt hat, war ein offener Biergarten.“

Schon jetzt ist ausgemacht, dass die Naturschützer auch 2022 beim nächsten „Birdrace“ mitmachen. „Irgendwann wollen wir die 100 Arten hier im Umkreis von 20 Kilometer um Rödermark vollmachen“, setzt Vogelexperte Sven Burger die Latte ein ganzes Stück höher. „Es gibt noch über 30 Arten, von denen wir wissen, dass sie hier vorkommen, die wir aber am Tag des „Birdraces“ nicht gefunden haben. Darunter sind alle Eulen, aber auch versteckt lebende Allerweltsarten wie die Heckenbraunelle, der Gartenbaumläufer oder die Haubenmeise. Auch einige Zugvögel wie der Neuntöter scheinen in diesem Jahr später als sonst zurückgekehrt sein und konnten nicht gefunden werden. Daher sind wir für 2022 guter Hoffnung, unser Ergebnis erneut steigern zu können.“ Dann hoffentlich auch wieder mit einem für die Hobby-Ornithologen geöffneten Biergarten irgendwo auf der Strecke.

Zahlen und lokale Ergebnisse unter

Infos im Internet

ornitho.de  (chz)

Mit einem Profi-Fernrohr sucht Diedrich Meyn den Berngrundsee nach Wasservögeln ab.

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