150 Jahre Freude am Chorgesang

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Sie wühlten sich durch Berge historischer Unterlagen und viele Hunderte von Fotos, bis das Festbuch zum 150. Geburtstag der Sängerlust Edelweiss druckfrisch vor ihnen lag: (von rechts) Marina Diehl (2.Vorsitzende), Herbert Sulzmann und Egon Bick (Vorsitzender).

Urberach - (chz) Der älteste Rödermärker Verein feiert 2009 Jubiläum: die Sängervereinigung „Sängerlust Edelweiß“ wird 150 Jahre alt und eröffnet dieses Fest heute mit einer akademischen Feier und Ehrungen in der Halle Urberach. Bis Herbst folgen das große Fest, ein klassisches Matineekonzert und brandneue Projektarbeit.

Und genau diese Mischung ist typisch für die „Sängerlust“: Wäre der Verein nicht zeit seines Bestehens bereit gewesen zu neuen Wegen, hätte er wohl nicht eineinhalb Jahrhunderte überlebt.

Die Historie des langen Vereinslebens, das Kriege, Notzeiten und Diktaturen überdauert und trotz sinkender Mitgliederzahlen bei Gesangsvereinen derzeit 61 Sängerinnen und Sänger und dazu 110 fördernde Mitglieder hat, ist in der Halle Urberach zu bestaunen: In einer Vitrine hat der Heimat- und Geschichtsverein, allen voran Edelweiß-Mitglied Herbert Sulzmann I., die lebendige Gemeinschaft in Fotos, Urkunden und Auszeichnungen dokumentiert.

Die Anfänge musikalischen Gemeinschaftslebens liegen in Urberach etwa 175 Jahre zurück. Aber erst 1859 gründeten 33 sangesfreudige Männer, allen voran der Töpfer Adam Gensert, in der Gastwirtschaft „Nuß“ unter der Leitung von Lehrer Nuß den Gesangsverein „Sängerlust“. 1899 wurde unter der Leitung von Dirigent Dölcher das so genannte Doppelquartett „Edelweiß“ ins Leben gerufen. Ende 1919, nach schweren Verlusten im Weltkrieg, schlossen sich „Sängerlust“ und „Edelweiß“ zusammen. „Man einigt sich, monatlich abwechselnd in den Gesangslokalen „Otto Mickler“ am Dalles und „Gasthaus zum Schwanen, Boeffinger Wwe.“ in der Darmstädter Straße zu singen. Michael Sahm, durch Abstimmung gewählt, fungiert als Dirigent“, schreibt die ausführliche und reich bebilderte Chronik, die als Festbuch zum Jubiläum 2009 gestaltet wurde.

Mit damals über 100 Sängern probierte der Verein schon mal in den 30er Jahren einen „Jungmädel-Chor“ aus. Doch zur eigentlichen Öffnung, die dem Verein langfristig gut getan hat, kam es erst 2002, als auf Initiative von Hugo Graf und Siegfried Nickmann ein gemischter Chor gegründet wurde, der auch Sängerinnen und Sänger des gerade aufgelösten evangelischen Kirchenchores auffing und von Dieter Kerz geleitet wird. Am 26. Oktober 2002 gab es das erste große Konzert aller „Edelweiß“-Chöre: Großer Männerchor, Kleiner Männerchor, Gemischter Chor und damals auch noch Jugendchor mit heimischen Solisten.

Die Tradition der Beteiligung an Benefizkonzerten begann, und unter der Leitung der Vorsitzenden Egon Bick und Marina Diehl öffnete sich der Verein auch für Veranstaltungen wie Country- oder Schlagerabende. Egon Bick, der über Kleingärtnerverein und über Fastnacht zum „Edelweiß“ kam, ist auch einer der aktiven Unterstützer der zweiten Vereinsschiene, der Fastnacht. Ab 1974 richteten die Sänger 30 Jahre lang den traditionellen Ball „Timbuktu“ aus - heutzutage eine Legende in Urberach.

Marina Diehl, die schon als Kind von ihrem Vater Herbert Sulzmann I. voll ins Vereinsleben einbezogen worden war und als Festdame 1969 ihren ersten großen Auftritt hatte, erinnert sich auch an die Absicht des „Edelweiß“ in den 70er Jahren, ein eigenes Heim zu bauen, nachdem bis dahin „Gasthaus zur Krone“ und Feuerwache als Herberge gedient hatten. Heute ist der Verein froh, diese Kosten zu sparen.

Und für das Jubiläumsfest im August hofft der Vorstand auf Beistand von oben: „Wir liefern uns dem Wetter aus und werden mit Fackeln und viel Programm für Kinder und für Erwachsene ein großes Fest rund um die Bühne vor der Kelterscheune feiern“, freut sich Egon Bick heute schon. Vielleicht wird das Jubiläum auch das drückendste Problem so vieler Gesangvereine, den fehlenden Nachwuchs, lindern helfen. Das Experiment des Projektchores 2020, in dem Schüler und Lehrer der Nell-Breuning-Schule und gestandene Chormitglieder gemeinsam mit der A Capella-Gruppe „LaLeLu“ singen und musizieren, ist ein erster guter Schritt dazu.

Quelle: op-online.de

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