Mit 77 Jahren ist lang noch nicht Schluss

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Lucia Schmitt ist eine der drei Betreuerinnen, die sich in der Kita St. Gallus während des gemeinsamen Mittagsmahls um die Kinder kümmert und ihnen anschließend noch etwas vorliest. Dafür hat die 77-Jährige ihren Ruhestand wieder aufgegeben.

Urberach (chz) ‐ Wer sagt denn, dass mit dem Eintritt ins Rentenalter das Arbeitsleben vorbei sein muss? Bestes Gegenbeispiel ist die 77-jährige Lucia Schmitt im Kindergarten St. Gallus.

Achteinhalb Stunden pro Woche, im Schnitt täglich von 12 bis 13.30 Uhr, kümmert sie sich um die Kinder, die ihr Essen in der Kita einnehmen.

Lucia Schmitt hat einen so genannten Minijob, bei dem sie das vom Integrationsbetrieb „ESSwerk“ in Offenbach gelieferte Mittagsmahl verteilt, mit den Kindern isst, sie dabei betreut und zu guter Letzt ihnen noch etwas vorliest.

Aufs Lesen ist sie eigentlich spezialisiert, und so kennt sie jedermann, dessen Kinder in den letzten 40 Jahren die Kita St. Gallus durchlaufen haben. Von 1967 bis zur Rente 1993 hat die drahtige kleine Frau mit den warmherzigen Augen und dem strahlenden Lächeln als Kindergärtnerin in der Schömbsstraße gearbeitet. Danach behielt sie den Kontakt bei, indem sie als ehrenamtliche Lese-Oma zweimal wöchentlich vorbeikam und Kinder um sich scharte.

Als nun im März ein Engpass in der täglichen Mittagsbetreuung eintrat und Leiterin Petra Müller-Wittmann sie fragte, ob sie sich vorstellen könnte, hier ganz offiziell als Aushilfe zu arbeiten, hatte sie keinen Moment gezögert: „Ich kannte ja das ganze Team – sonst hätte ich es mir vielleicht anders überlegt.“ Der Job ist zunächst befristet – im Juli wird sie ihre zeitweilige Berufstätigkeit wieder an den Nagel hängen und dann wieder ehrenamtlich vorlesen – das musste in der Zwischenzeit ruhen.

„So, jetzt bist du wieder in deinem Element. Ich wusste ja, dass du nicht ‚nein’ sagen kannst“, hatte Ehemann Martin, mit dem Lucia Schmitt seit über 50 Jahren verheiratet ist, ihren Ausreißer aus dem Ruhestand wohlwollend kommentiert. „Er muss sich jetzt halt mittags etwas warm machen oder kocht sich auch mal was selber“, macht sich die Berufs-Wiedereinsteigerin keine Sorgen. Sie selbst läuft bei Wind und Wetter täglich von der Liebigstraße bis zu ihrer Arbeitsstelle – „weil es mir dort einfach Spaß macht!“

Die im Schnitt etwa 16 Kinder ihrer Gruppe jedenfalls genießen ihre Anwesenheit sehr, und wer behauptet schon, das man mit 77 zum alten Eisen gehört?

Quelle: op-online.de

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