Jahresrückblick

Mutige und schräge Vögel

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Papagei „Bibo“ vertrieb einen Trickdieb in Rödermark.

Rödermark - Aus menschlicher Sicht plätscherte das Jahr 2013 eher gemächlich vor sich und lieferte kaum Schlagzeilen. Mehr zu berichten gab’s über die tierischen Rödermärker:

Helden und Fernsehstars, böse Buben und unschuldige Opfer, Umweltsünder wider Willen und sogar zwei besonders schräge Vögel. Wobei es nicht nur bei den Letzten auch immer wieder menschelt. Den Titel „Vogel des Jahres“ gewinnt in Rödermark keineswegs die vom Naturschutzbund favorisierte Bekassine, sondern Graupapagei „Bibo“ aus Urberach. Der nimmt sich die Gänse des römischen Kapitols zum Vorbild und vertreibt Eindringlinge. Ganze zwei Worte - ein tiefes „Hallo! Hallo!“ - reichen. Doch der Reihe nach: Mit der fadenscheinigen Ausrede, Lampen zählen zu müssen, hat sich ein Ganove das Vertrauen von Inge Krappitz erschlichen und durchstöbert die Wohnung im Glauben allein mit der alten Dame zu sein. „Bibo“ krächzt aus dem Nebenzimmer laut „Hallo! Hallo!“ und klingt dabei so nach Hausherr, dass der falsche Lampenzähler Fersengeld gibt. Geklaut hat er dank des gefiederten Wächters nichts, und „Bibos“ Frauchen verspricht der Polizei, Fremden gegenüber künftig misstrauischer zu sein. Die richtigen und noch dazu wenigen Worte zur richtigen Zeit - der Papagei wäre ein gutes Vorbild für manchen Vielplauderer.

„Bibo“ schafft es „nur“ ins Radio, die Ziegen der Familie Frank aus Ober-Roden bekommen hingegen Besuch vom Hessen-Fernsehen. Lisa (11) und Tim (8) Frank päppeln zwei Bergziegenbabys mit der Flasche auf, weil Mama Geiß ihnen die Milch verweigert: Die Jungtiere waren bei der Geburt so schwach, dass sie ohne menschliche Hilfe gestorben wären. Doch nach einer Woche Intensivpflege bei Tierarzt Dr. Reinhard Jost in Waldacker will die Mutter fast nichts mehr von ihnen wissen. Die Kinder melken sie und verfüttern die Milch flaschenweise an den Nachwuchs.

Tierquäler und giftiger Skorpion

Ein Hundehasser treibt Mitte März sein Unwesen. Zwischen der Bulau und den Tennisplätzen in Messenhausen legt er mit Rattengift präparierte Köder aus. Aber nicht nur Rödermärker Hunde sind in Gefahr, auch in Rodgau, Dietzenbach und Dreieich liegt Gift an Wegrändern. Drei Tiere verenden qualvoll. Katze „Cookie“ überlebt zwei Monate später den Angriff eines Tierfeindes. Als sie eines Abends vom Spaziergang zurückkehrt, ist ihr linkes Auge nur noch Matsch. In der Tierklinik wird schnell klar, dass „Cookie“ weder einen Autounfall noch Zoff mit Artgenossen hatte. Die Ärzte operieren eine Luftgewehrkugel heraus, können das Auge aber nicht retten. Der Schütze wird zunächst nicht gefunden, doch kurz vor Weihnachten teilt die Polizei „Cookies“ Familie mit, dass ein Anonymus Hinweise auf den Tierquäler gibt. Die zweite gute Nachricht: Die Katze hat sich mit ihrem Dasein als Einäugige arrangiert.

Einem giftigen Skorpion sehen sich Anfang August Alexander Haas und sein Hund gegenüber. Der schnuppert zwischen den Glascontainern in der Kinzigstraße herum und schlägt Alarm. In einem Terrarium sitzt ein Andructonus Australis, und nur eine kinderleicht zu öffnende Schiebetür hält das Spinnentier, das so giftig wie eine Schwarze Mamba ist, in seinem Gefängnis. Die Ordnungspolizisten Klaus-Dieter Preuß und Günther Braun verhindern mit dickem Klebeband einen Ausbruchsversuch und bringen den Skorpion ins Vivarium nach Darmstadt. Nicht nur sie fragen sich, was passiert wäre, wenn neugierige Kinder das Terrarium gefunden hätten...

Orwischer Kerb in Bildern

Orwischer Kerb

Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom: Dass die alte Sponti-Weisheit stimmt, merkt Stefan Ziegler beim Spaziergang entlang der Rodau. Kurz vor der Kläranlage dümpeln jede Menge toter Heringe am Ufer. Gottlob ist hier kein Tierquäler am Werk gewesen, sondern ein Konservenhersteller. Bei den toten Fischen handelt es sich nämlich um Heringsfilets, die mit Gurken und Zwiebeln aufs Brötchen gehören. Aber da wohl jemand seinen Appetit oder den seiner Gäste gewaltig überschätzt.

Schwere Beute machen diebische Elstern Anfang September in Urberach. Die schrägen Vögel stehlen das Ortseingangschild vor der Taubhaus-Kreuzung und machen die Konrad-Adenauer-Straße zur rechtsfreien Zone. Kein Schild, kein Tempolimit heißt die Losung für Autofahrer, die den vielen Pferden unter der Motorhaube gerne freien Lauf lassen. Sie könnten mit 80 oder 100 Sachen durch Urberach brettern, ohne den Radarblitz fürchten zu müssen. Der für die öffentliche Ordnung verantwortliche Erste Stadtrat Jörg Rotter kann die diebischen Elstern zwar nicht fangen, aber nach drei Tagen ein neues Schild beschaffen.

Riesig ist der Vogel, der am Abend des 2. Juni in einem Getreidefeld von Werner Gaubatz nieder geht. Das Flugzeug vom Typ „Jodel DR 1050“ hat auf dem Weg von Kiel nach Egelsbach Motorprobleme und zwingt den Piloten Christian Weidner zur Notlandung. Mensch und Maschine kommen ohne große Schäden davon. Die Kaninchen im Acker werden bei soviel Lärm jedoch zu Angsthasen.

„Midde noi“ in Ober-Roden

„Midde noi“ in Ober-Roden

Quelle: op-online.de

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