Jazzkeller ist große Nummer

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Gar nicht steif, sondern ausgesprochen fröhlich ging es bei der „musikademischen Feier“.

Ober-Roden (chz) ‐ So klein der Jazzkeller unterhalb der Vereinshalle der TS Ober-Roden auch ist: es ist nachweislich der Raum mit den internationalsten Gästen in ganz Rödermark.

Anlässlich des 30. Geburtstags des Jazzclubs Rödermark Rodgau e.V. blickte Vereinsvorsitzender Albert Böttner an der kleinen akademische Feier nicht sorgenfrei, aber mit hoffnungsvollem Schmunzeln um die Lippen erst zurück und später nach vorne und freute sich mit seinen geladenen Gästen: „Wir sind stolz darauf, dass wir Ihnen in all den Jahren nationale und internationale Jazzmusiker präsentieren konnten und dies auch weiter tun werden.“

Mit diesem Satz präsentiert sich auch die neue Homepage des Vereins; und in diesem Satz steckt viel Optimismus, der die Macher des Vereins seit 30 Jahren vorantreibt. Höhen und Tiefen gab es nicht erst in den letzten Jahren, etwa mit der erstmaligen Absage des Jazzevents auf der Bulau oder mit chronisch leeren Kassen, sondern bereiteten den Machern schon früh große Sorgen.

Der Jazzclub, der Ende 1979 von einigen begeisterten Jazzmusikern der VHS Dietzenbach gegründet wurde, fand seine Bleibe rasch bei der TS und legte unter der Leitung seines damaligen Vorsitzenden Dicki Huhmann zügig mit Hand an.

Schon 1981 gab‘s 27 Veranstaltungen im Keller, die sich bereits damals mit Gästen von Albert Mangelsdorff bis zur Barrelhouse Jazzband oder Olivier Franc rühmen konnten. Die gute Atmosphäre hatte sich rasch herumgesprochen und die Events waren großartig, so etwa auch „Jazz on Ice“ in der damaligen Eissporthalle oder das erste Waldfest auf der Bulau 1982.

40 000 D-Mark Schulden in den Achtzigern

Doch die hohen Gagen der weltweit anreisenden Stars waren bald nicht mehr zu bewältigen, 40 000 D-Mark Schulden führten zu Neuorganisationen unter Horst Matto. Schon 1989, als der Verein den Kulturpreis des Kreises Offenbach bekam, waren die Schulden fast abgebaut und die Mitgliederzahl auf 500 gewachsen.

Ein Bild von Lou Heinrich wurde amerikanisch versteigert und brachte dem Club 500 Euro in die Kasse.

Mit Clemens Dettmar, Raimund Schultz und Albert Böttner ging es weiter ins neue Jahrtausend. Highlights gab‘s vor allem jeweils an Himmelfahrt auf der Bulau, bei den Riverboat-Shuffles auf dem Main oder der Jahreshauptversammlung der Deutschen Jazz-Föderation im Keller mit einer Lesung von Fritz Rau. Die musikalischen Gäste kamen weiterhin von weit her.
Albert Böttner, der seit 1997 Vorsitzender des Vereins ist, verschleierte in seiner humorvollen Ansprache die Höhen und Tiefen des Vereins nicht, endete aber mit einem positiven Ausblick: „Wir werden neue Ideen verfolgen und hierzulande noch unbekanntere Musiker ebenso nach Rödermark holen wie Bands und Musiker mit großem Namen.“ Mut macht ein bevorstehender Gesprächstermin mit dem örtlichen Lions Club, mit dem gemeinsam der Verein vielleicht 2010 wieder ein Open Air-Konzert auf der Bulau ausrichten kann.

Dankbarer Beifall der geladenen Gäste und die Jazzklänge des Mitglieds und Musikers der ersten Stunde des Jazzclubs Rödermark, Torsten Plagenz und seiner Freunde, brachten den Keller rasch in den üblichen Schwung.

Bild blieb trotz Versteigerung weiter im Haus

Und wer bis dahin keinen Spaß hatte, bekam ihn spätestens bei der amerikanischen Versteigerung eines Bildes von Lou Heinrich. Das große Aquarell mit dem Motiv der Musiker auf der Bühne, das Lou Heinrich bei einem Abend von Jam Session-Musikern und Kir-Künstlern hingebungsvoll gestaltet und zur Verfügung gestellt hatte, wurde von Clubmitglied Manfred Rädlein gekonnt feilgeboten und landete nach vielen Fünf-Euro-Schritten schließlich bei sagenhaften 500 Euro und blieb doch im Haus: Jazzclub-Vorsitzender Albert Böttner als letzter Bieter wird es nun immer abwechselnd im Rathaus und im Jazzkeller der Öffentlichkeit zugänglich machen. Nächster Höhepunkt: 21. November, gratuliert Deutschlands populärste Band des traditionellen Jazz, die Barrelhouse Jazzband, dem Jazzclub im Keller.

Quelle: op-online.de

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