Jeder Liter hilft Michelle

+
Daniel Gaubatz, Landwirtschaftsgehilfe auf dem Weg zum -Techniker, muss zweimal pro Tag melken: rund 31 Liter gibt jede der derzeit 35 Milchkühe. Geld ist mit dem Verkauf nicht mehr zu verdienen.

Ober-Roden - (chz) „EU Milchstreik - wir machen mit“ steht in großen Lettern auf einem Transparent vor der Hof von Werner Gaubatz an der Nieder-Röder Straße. Am Dienstag kam es im Rahmen der bundesweiten Streikwelle zur ersten großen Demonstration gegen die niedrigen Milchpreise.

30 Traktoren mit Güllefässern voll Wasser und Milch aus ganz Südhessen zogen vor einen Aldi-Markt in Reinheim, wo die Landwirte einen Strohballen entzündeten und ihn mit Milch löschten.

Dann rollte die Karawane unter wohlwollender Begleitung durch die Polizei auf den Darmstädter Marktplatz, wo SPD-Vorsitzender Franz Müntefering einen Wahlkampfauftritt hatte: Erst eine Ladung Wasser zur leichteren Reinigung, dann die demonstrative Ladung Milch. Schließlich übergab ein Landwirt des Bundes deutscher Milcherzeuger (BDM) eine Resolution - ohne größere Reaktion bei der Kundgebung, wie Gaubatz bedauerte.

Der Ober-Röder Milchbauer und seine Frau Silvia waren mit zwei Traktoren die einzigen Protestteilnehmer aus dem Kreis Offenbach gewesen: „Ich weiß nicht, warum sonst keiner mitgemacht hat - vielleicht ist bei den anderen noch das Sparbuch dick genug.“

Mit dem Rad sind (von links) Ingelore Semmler, ihre Schwiegertochter Yvonne Müller und Enkel Colin aus Rollwald auf den Hof gekommen, um gegen eine Spende bei Silvia Gaubatz frische Milch zu holen.

Vielen Milchbauern steht jedoch das Wasser bis zum Hals; sie wissen nicht mehr, wie sie ihre monatlichen Belastungen bezahlen sollen. Ein großes Fragezeichen bedeutet das vor allem auch für Gaubatz‘ Sohn Daniel, der gerade seine Ausbildung zum Landwirtschaftsgehilfen abgeschlossen hat und nun weitere zwei Jahre täglich nach Griesheim fährt, um seinen Abschluss als Landwirtschaftstechniker zu machen und der mit Leib und Seele im elterlichen Betrieb mitarbeitet. Er blickt momentan eher ratlos in die Zukunft - über seiner Zukunft steht im Moment vor allem Ratlosigkeit.

21 Cent bekommen statt notwendigen 33 Cent

Wir streiken jetzt, bis wir kaputt gehen oder bis die Politik ein Einsehen hat. Die EU will die Milchquote erst noch einmal erhöhen, wir aber wollen die Quote kürzen - lieber weniger Milch, aber gut bezahlt“, gibt sich Werner Gaubatz kämpferisch. Ganze 21 Cent pro Liter bekommt er von der Molkerei, 33 bis 35 Cent braucht er aber, um seine Kosten wieder reinzukriegen.

Statt die Milch während des Streiks auf die Felder zu versprühen, schlugen Silvia und Daniel Gaubatz vor, sie gegen eine Spende zugunsten der leukämiekranken Michelle Schneider abzugeben. Von 8 bis 9.30 Uhr und von 17.30 bis 19 Uhr steht die Tür zum Tankraum offen. Allerdings kamen nur gut zehn Abholer morgens und abends zum Gaubatz-Hof.

Eine von ihnen war Ingelore Semmler, die mit ihrer Schwiegertochter Yvonne Müller und dem knapp zweijährigen Colin kam: „Wir haben von meinem Sohn von der Spendenaktion gehört - und da dachte ich mir: Ehe ich die Milch im Supermarkt kaufe, können wir sie auch hier holen! Und hier hat Colin auch noch seinen Spaß mit den Kühen!“

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare