Jesus - ein Baulöwe und Revoluzzer?

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Thorsten Hühne hat seinen fünften Roman geschrieben. „Jeshua“ schildert Jesus Christus als Rebellen und Getriebenen seiner Zeit. Sohn Deniz legt eine ganz andere Kreativität an den Tag: Innerhalb von Minuten hat er das Titelbild des Buches detailgetreu nachgemalt.

Urberach - Es ist schon provokant, was der Urberacher Schriftsteller Thorsten Hühne in seinem neuen Roman, der kurz vor Weihnachten erschienen ist, zu Papier gebracht hat. Von Michael Löw

Die Gottesmutter Maria hatte Verwandte in höchsten Adelskreisen, und der Heilige Josef war keineswegs ein einfacher Zimmermann, sondern ein „Tekton“ - ein Baumeister, der das Achtfache eines Arbeiters verdiente - und seinem Sohn ein gut gehendes Unternehmen vererbte. Und eben dieser Jesus ist glücklich verheiratet und trinkt auch mal einen über den Durst, wenn die Geschäfte schlecht laufen.

„Jeshua“ heißt Hühnes fünftes Buch. Jeshua ben Josef ist der aramäische Originalname Jesu. Mit den Recherchen hat Hühne angefangen, als er noch sein viertes Buch, „Der Tschernobyl-Virus“, schrieb. Der 41-jährige Buchhalter einer Fonds-Gesellschaft will den Menschen Jesu mit seinen Stärken und Schwächen zeigen. „Dieses Buch gibt ein ganz neues Bild auf diesen Mann“, sagt er denn auch ohne falsche Bescheidenheit und verspricht „überraschende Seiten und politische Konstellationen, die man so noch nicht im Visier hatte“.

Begegnung mit Johannes dem Täufer ist Schlüsselszene

Schon Jesu Geburt im Stall von Bethlehem sei allein der Machtpolitik gestundet. Hühne ist sicher, dass er nicht in der Weihnachtsnacht nackt und bloß in einer Krippe zur Welt kam, sondern schon Mitte September in gutbürgerlichen Verhältnissen. Erst 50 bis 60 Jahre nach seinem Tod hätten die Evangelisten die Menschwerdung Gottes nach Bethlehem, der Stadt des Königs David, verlegt, um Jesu Ansprüche auf dessen Thron zu legitimieren.

Eine Gruppe kritischer Juden hat ein Gegenwicht zur korrupten Priesterelite gesucht und in dem sozial eingestellten Bauunternehmer Jesus eine Führungsfigur, den ersehnten Messias, gefunden. Eine Schlüsselszene ist seine Begegnung mit Johannes dem Täufer, seinem Cousin. Kurz nachdem der ihn in den Jordan getaucht hat, vernachlässigt er sein Geschäft und fängt selbst mit dem Predigen an.

Bald ist Jesu jedoch der Messias, den die Propheten des Alten Testaments angekündigt haben.

Simon Petrus und einige andere Jünger sind Zeloten, also Aufrührer, die ihn nach und nach mit in die Rebellenecke ziehen. Thorsten Hühne: „Jesus war ein Getriebener! Er wollte die Gesellschaft modernisieren und wurde Opfer eben jener Gesellschaft.“ Sein Tod am Kreuz ist die logische Konsequenz.

„Zuviel Respekt vor allen Religionen“

Wobei Hühne sich bei dieser Schlüsselstelle unserer Religion vor Schuldzuweisungen hütet. Weder der jüdische Hohepriester Kajaphas, der den Prozess forderte, noch der römische Statthalter Pontius Pilatus, der Jesus zum Tode verurteilte, seien kaltblütige Henker gewesen. Auch sie, so Hühnes Interpretation der Passionsgeschichte, waren Getriebene der Verhältnisse.

Thorsten Hühne schreibt kurz und prägnant, lässt die handelnden Personen gelegentlich im Stil unserer Tage reden, reduziert theologische Diskussionen auf vermeintliche Kernaussagen, mischt Fiktion und Fakten. Er betont, dass er weder ein Religions- noch ein Geschichtsbuch geschrieben hat, sondern einen Roman, der auf tatsächlichen Begebenheiten basiert. Das Drumherum hätte so passiert sein können - oder auch nicht.

Thorsten Hühne sagt von sich, er sei „ein eher ungläubiger Mensch“. Zugleich habe er aber „zuviel Respekt vor allen Religionen“, als dass er aufgrund seiner Recherchen Weihnachten im Besonderen und das Christentum als Ganzes anzweifeln würde. In seiner Familie zeigten Christen, Juden und Moslems, dass unterschiedliche Religionen miteinander leben können.

Und die provokantesten Stellen habe er ohnehin der Bibel entnommen, sagt er und verweist auf das Lukas-Evangelium: „... wer aber nichts hat, verkaufe sein Kleid und kaufe ein Schwert“, steht in Kapitel 22, Vers 36. Das Zitat aus dem letzten Abendmahl passt für Thorsten Hühne nicht zur Friedfertigkeit des Christentums.

Quelle: op-online.de

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