Zu viel Polizei vor Schule?

Jugendliche fragen Kandidaten nach Kontrollen und Abifeier

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Rund 120 Oberstufenschüler diskutierten mit Roland Kern und Carsten Helfmann im „Roten Oswald“ über die Bürgermeisterwahl. Rektorin Christine Döbert warb dabei eindringlich fürs Wählengehen.

Ober-Roden - Rund 120 Jung- und Erstwähler diskutierten vor der Bürgermeisterstichwahl mit Roland Kern und Carsten Helfmann über Themen, die sie unmittelbar betreffen, und Kommunalpolitik allgemein. Von Michael Löw 

Die Nell-Breuning-Schule (NBS) hatte ihre künftigen Abiturienten zu einer Fragerunde im „Roten Oswald“ aufgefordert. Kontrollen vor der Nell-Breuning-Schule (NBS), Staus an der Bahnschranke, Abiball und Breitband: Wenige Tage vor der Stichwahl löcherten mehr als 120 Oberstufenschüler den amtierenden Bürgermeister Roland Kern (AL/Grüne) und den CDU-Kandidaten Carsten Helfmann mit ihren Fragen. Bevor jedoch die beiden Bewerber mit ihrem Kurzporträt und die Zwölft- und Dreizehntklässler mit der Diskussion begannen, warb Rektorin Christine Döbert eindringlich fürs Wählengehen: „So nahe wie bei einer Bürgermeisterwahl kommt Politik selten an das persönliche Leben heran. Und denkt bitte daran: In manchen Ländern riskieren Menschen für das Wahlrecht ihr Leben!“

Die Fragen reichten von der Finanzierung der Abifeier über schnelles Internet bis zu den Ober-Röder Schranken.

Das persönliche Leben betraf auch die erste Frage, die eher eine Klage war. „Warum laufen um unsere Schule so viele Ordnungspolizisten rum?“, wollte ein junger Mann wissen. Sie würden jeden aufschreiben, der auch nur 20 Zentimeter im Halteverbot stehe. Hoffnung auf Besserung konnte ihm keiner der beiden Kandidaten machen, Kontrollen zur Verkehrssicherheit seien immer nötig. „Ich werde euch nicht versprechen: Wenn ich Bürgermeister bin, gibt es rund um die Nellie keine Strafzettel mehr“, bremste Helfmann die Erwartungen. Und Kern empfahl schmunzelnd, „Knöllchen“ gegen nicht geahndete Verkehrssünden aufzurechnen.

Ein zweiter autofahrender Schüler griff die CDU-Initiative zur Verkürzung der Schrankenschließzeiten in der Dieburger Straße auf: „Für die dreieinhalb Kilometer vom Breidert brauche ich morgens immer 20 Minuten!“ Da beharkten sich Kern und Helfmann kurz mit ihren bekannten Standpunkten - was die künftigen Abiturienten mit großem Interesse verfolgten, wie Lehrer Hans Heckroth anmerkte. Ansonsten spielten sich sich die Bürgermeister von Rödermark und Eppertshausen die Bälle meist kollegial zu. Bei Themen wie Sicherheit, Bürgerfrühwarnsystem oder schnelles Internet sprachen eher Verwaltungschefs als Wahlkämpfer zu den Schülern.

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Denen liegt die Finanzierung ihrer Abschlussfeier am Herzen. „Warum unterstützt uns die Stadt nicht besser? Wir stemmen einen Abiball „im dreistelligen Bereich, also mit 15.000 oder 20.000 Euro Kosten“, bat ein wahrer Rechenkünstler unter großem Gelächter. Carsten Helfmann hatte nach einer Facebook-Anfrage von Hannah Schallmayer schon gespendet und versprach, sich nach einem Wahlsieg um Sponsoren zu kümmern. „Aber nicht fürs bloße Feiern, sondern für pädagogisch Sinnvolles“, bezog er klar Position.

Auch Roland Kern machte den Abiturienten ein Angebot: Finanzverwaltung oder Kulturhallenleitung würden ihren Finanzierungsplan überprüfen und könnten helfen, die Kosten zu senken. Die Stadt überlasse der NBS die Kulturhalle bei Veranstaltungen wie dem Hochschultag kostenlos. Bei Abifeiern können sie das nicht. Denn pro Jahr feiern drei bis fünf Schulen in Ober-Roden ihre Zeugnisse: „Da müssen wir alle gleich behandeln.“ Kern warf aber die Frage auf, ob Abibälle von Jahr zu Jahr aufwändiger sein müssen.

Quelle: op-online.de

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