Ungewöhnliches Seewald-Porträt zeigt einen durchaus liebens- und lebenswerten Stadtteil

Jungfilmer rappen durch Urberach

Entspannte Freude nach dem großen Applaus der Premierenzuschauer bei denjenigen Jungfilmern und ihren Teamern, die im „SchillerHaus“ anwesend waren – einige fehlten leider. Foto: Ziesecke

Urberach (chz) - „Es ist so ein toller Film geworden, ich bin so stolz auf die Jugendlichen!“ Das dicke Lob von Sozialpädagogin Stephie Grabs vor der Erstaufführung machte alle Premierengäste neugierig, doch der Beifall nach dem Abspann bestätigte die euphorische Aussage: Aus einer Idee war ein gut 16-minütiger, sehr anschaulicher Kurzfilm über das Seewald-gebiet geworden.

Er entstand fast ausschließlich in eigener Arbeit von rund zehn jungen Menschen; begleitet wurde er zwar von Medienfachmann Ralph Mann vom Offenen Kanal Offenbach. Doch Kameraführung und Schnitt etwa lagen nach einer kurzen Unterweisung fast ausschließlich bei Sven Hohmann und Schwester Sarah, dem einzigen Mädchen im Team. .

Am Anfang stand die Überlegung: Was wollt ihr von Rödermark, speziell vom Seewaldgebiet, zeigen? Was ist euch wichtig? Szenen spielen auf dem neuen Bolzplatz, hinterm Badehaus, an der Rodau, auf der Kinder- und Jugendfarm, schließlich mussten zwei bis drei Stunden Filmmaterial gesichtet und geschnitten werden.

Zehn Jugendliche bildeten den Kern der Gruppe, zwischen 11 und 14 Jahren, im Seewaldgebiet und in Waldacker zu Hause, viele mit türkischem Elternhaus, dazu ein türkischer Junge, der hier seine Ferien verbringt. Mit dabei waren neben Stephie Grabs auch die Sozialarbeiter Abdurrahim Demir und Jutta Winheim.

Mit der Kamera war die Jugendlichen ausgezogen und hatte Menschen im Seewaldgebiet interviewt. Fragen, wie es ihnen in Urberach gefällt und ob sie gerne hier leben, wurde von unterschiedlichen Altersstufen durchgehend bejaht. Auf die Frage „Was fehlt Ihnen hier?“, wusste kaum jemand eine Antwort: „Eigentlich nicht viel, bisher immer nur ein Bolzplatz, aber den gibt es jetzt ja auch!“

Damit bestätigte die kleine Umfrage im Seewald-Gebiet, was vor einigen Jahren schon die Evangelische Fachhochschule Darmstadt herausfand: Der Seewald wird nur von außen immer bedauert.

Peppiger Faden durch den 16-Minuten-Streifen ist der Rödermark-Rap von „Orwisch Finest“, der mit neuen Strophen durch die Szenen führt. Christian Groh hatte mit drei der Jugendlichen einen „Schillerhaus-Remix“ erarbeitet, mit Strophen wie „Wir essen Eis, denn es ist heiß. Wir essen Döner, drum sind wir schöner. Im Entenweiher gibt’s keinen Reiher. Doch aus dem Rathaus winkt der Bürgermeister mit dem Arm raus...“

Hochzufrieden war denn auch eben dieser Bürgermeister mit dem Projekt, welches ein kleines Stück Spiegel des Lebensgefühls in dieser Stadt ist: „Ich spüre schon, dass dies ein historisches Dokument für das Schillerhaus und seine Umgebung ist“, schmunzelte Roland Kern, „die Stadt wird solche Aktionen weiterhin unterstützen.“

Abgerundet war die einwöchige Arbeit mit einem Besuch beim Offenen Kanal, wo die jungen Filmer tatsächlich hinter die Kulissen schauen konnten und auch selbst interviewt wurden. Gefragt, was er am schönsten fand, antwortete Alper (11): „das Rappen, weil es so schwer war“ – doch Alper war glücklich, es geschafft und sich bewiesen zu haben.

„Wir haben beschlossen, dass es nicht unser letztes Filmprojekt gewesen sein soll“, freut sich Stephie Grabs. Wer jetzt Lust auf „Ein Film für Rödermark Nr.1“ bekommen hat: Er wird in Kürze in den Stadtbüchereien in Ober-Roden und Urberach auszuleihen sein.

Quelle: op-online.de

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