Geschichtsverein sucht Bilder

Kaiserzeit bringt Fortschritt

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1896 ging die Rodgau-Bahn in Ober-Roden in Betrieb. Der Bahnhof, der schon kurz danach erweitert wurde, lag noch weit entfernt vom Ort. Links auf dem Bild wird der erste Lokschuppen gebaut. Bis in die 1980er Jahre standen zehn davon auf dem Gelände.

Rödermark - Die Jahre zwischen 1890 und 1918 haben viele Namen: „Wilhelminische Zeit“, „Kaiserzeit“ oder „Gründerzeit“. Sie brachten auch kleinen Dörfern viel technischen Fortschritt, endeten aber tragisch im Ersten Weltkrieg.

Der Heimat- und Geschichtsverein nimmt sich dieser Epoche in seinem historischen Kalender, der ab September verkauft wird. „Sellemols vor 100 Joahr“ lautet das Motto sowohl des Kalenders 2018 als auch der Kerbausstellung des Heimat- und Geschichtsvereins (HGV). Beleuchtet wird die Zeit von etwa 1890 bis 1918. Sie endete mit dem Ersten Weltkrieg in der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Gleichzeitig revolutionierten technische Entwicklungen und ein neues gesellschaftliches Selbstbewusstsein das Leben.

Auch in den Handwerker- und Bauerndörfern Ober-Roden und Urberach kam innerhalb weniger Jahre vieles in Bewegung. Parallel mit der steigenden Bevölkerung entwickelte sich das Bildungswesen rasant, was sich in neuen, repräsentativen Schulbauten widerspiegelt. Auch der „Kindergarten“ entstand während dieser Zeit in unseren Dörfern. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz über die Rodgau- und kurz darauf über die Dreieichbahn eröffnete neue Arbeitsmöglichkeiten in den Städten und förderte den wirtschaftlichen Aufstieg. Ein Gaswerk in Ober-Roden sorgte nicht nur auf den Straßen für Licht. Überall gründeten sich die ersten Freiwilligen Feuerwehren.

Einzelne Vereine wie die Sängerlust Edelweiß Urberach (1859) gab es bereits Jahrzehnte früher. Aber ab 1880 explodierte die Zahl der Gründungen landauf, landab. Manche gaben sich große Namen wie Germania (Die Deutsche), Viktoria (Der Sieg) oder Concordia (Die Eintracht).

Legt man zugrunde, dass Ober-Roden und Urberach zu jener Zeit jeweils 2000 bis 2 200 Einwohner hatten, ist die Zahl der Vereine bis 1914 beträchtlich. Kurz zuvor hatten sich zudem die ersten Parteien gegründet. Und oft ließ sich das Vereinswesen nicht von politischen Bewegungen trennen.

Hinzu kommen beeindruckende Familienporträts aus der Kaiserzeit: Die technische Entwicklung der Fotografie machte diese auch für die einfachen Leute erschwinglich.

Viele dieser Momente hat der HGV in Fotos und Dokumentationen zusammengetragen. Dem Motto entsprechend sind es auch die ältesten Fotos überhaupt im Bestand des Vereins. Der historische Kalender erscheint wie immer in einer Auflage von 200 Stück. Er ist zum Preis von fünf Euro pro Stück erstmals beim Kerbauftakt in Urberach erhältlich: am Freitag, 1. September, im Knapp’schen Hof („Herschwert“), danach im Töpfermuseum sowie am „Tag des Offenen Denkmals“ und zur Kerb in Ober-Roden jeweils im „Dinjerhof“.

Die Ausstellung kann am Urberacher Kerbwochenende samstags und sonntags ab von 15 bis 18 Uhr im Töpfermuseum besucht werden. Am Sonntag, 10. September, ist die Ausstellung im „Dinjerhof“ in Ober-Roden zu sehen, ebenso zur Kerb am 23./24. September.

Der Geschichtsverein sucht Bilder

Der Heimat- und Geschichtsverein verfügt zwischenzeitlich über einen umfangreichen Fundus an historischen Fotografien. Jedes Jahr kommen je nach Motto des Kalenders oder der Kerbausstellung immer wieder neue Aufnahmen hinzu. Die fliegen dem HGV aber nicht von selbst zu: Wer solche Fotodokumente besitzt, wird gebeten, sie dem Verein zu leihen. Alle Bilder werden umgehend eingescannt und schnellstmöglich wieder im Original zurückgegeben. (lö)

Quelle: op-online.de

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