Vom Kampf gegen Bürokratie zermürbt

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Edmund Böffinger hat den Kampf gegen das Versorgungsamt in Frankfurt aufgegeben.

Urberach - (lö) Edmund Böffinger kann selbst mit Stock nur noch ein paar Meter gehen, hat vier Bypass-Operationen hinter sich, trägt einen Herzschrittmacher und ist zu 100 Prozent schwerbehindert. Trotzdem verweigert das Versorgungsamt dem 86-Jährigen den Zusatz „aG“ im Behindertenausweis. Das Kürzel steht für „außergewöhnlich gehbehindert“ und erlaubt die Benutzung von Behinderten-Parkplätzen.

Gut zwei Jahre ist‘s her, dass Edmund Böffinger zu einer Untersuchung ins Darmstädter Alice-Hospital musste. Er parkte sein Auto in einiger Entfernung, weil er die mit dem Rollstuhl gekennzeichneten Parkplätze am Eingang, denen überlassen wollte, die sie brauchen. Auf dem Weg zur Klinik verließen ihn dann die Kräfte. Böffinger: „Ein Straßenarbeiter musste mich unterhaken, sonst hätte ich es nicht geschafft.“ Seither kämpft er um das „aG“ in seinem Behindertenausweis.

Seine Leiden führt Böffinger auf eine schwere Verwundung, die er während des Zweiten Weltkriegs in Russland erlitt, die Grausamkeiten der Schlachten und die jahrelange Gefangenschaft zurück. Das Alter habe diese Bürden dramatisch verschlimmert.

Hausarzt, Internist und Orthopäde untermauerten Böffingers Antrag mit Attesten. Allein seine Herzerkrankungen rechtfertigen einen Schwerbehinderungsgrad von 80 Prozent, erklärte der Internist gegenüber dem Versorgungsamt. Schon damit sei eine Voraussetzung für den Zusatz „aG“ erfüllt. Der Orthopäde führt Funktionsstörungen in Knien und Schultern sowie eine um ein Drittel eingeschränkte Drehfähigkeit der Wirbelsäule als weitere Argumente ins Feld. Im Klartext: Auf einem normal schmalen Parkplatz kommt Edmund Böffinger nicht mehr aus seinem Auto heraus.

„Die Voraussetzungen zur Feststellung des Merkzeichens „aG“ liegen nicht vor“, stellte das Versorgungsamt lapidar fest. Außergewöhnlich gehbehindert seien Querschnittsgelähmte, Beinamputierte und Personen, die sich aufgrund ihrer Leiden nur mit fremder Hilfe oder unter großer Anstrengung bewegen könnten. Ihnen gleichgestellt seien Menschen, deren Herzerkrankungen mindestens 80 Prozent ihrer Behinderung ausmachen.

Nichts anderes schreiben die Ärzte aus Rödermark und Darmstadt in ihren Attesten...

In ihm habe sich eine Riesenwut angestaut, sagte Böffinger, der am 31. März 87 wird: „Wie können Bürokraten nur so stur gegenüber einem Kriegsgeschädigten sein?“ Russische Granaten und Gefangenenlager haben Edmund Böffinger nicht zermürbt, der Kampf gegen das Amt jedoch schon. Er habe jetzt keine Nerven mehr, weiter um die Anerkennung als Gehbehinderter zu streiten.

Quelle: op-online.de

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