Auswahlverfahren für weiterführende Schulen

Kampf dem Gymnasial-Vakuum

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Vorm Kreishaus demonstrierten Rödermärker Eltern und Kinder gegen das „Gymnasial-Vakuum“. Ihrer Ansicht nach bedeutet freie Schulwahl das Recht auf ein „echtes“ Gymnasium. Das Staatliche Schulamt gesteht ihnen aber nur den „gymnasialen Bildungsgang“ zu, der auch an einer Gesamtschule möglich ist.

Rödermark - Die 24 Eltern, deren Kinder keinen Platz an ihrem Wunschgymnasium gefunden haben, wollen weiter für die freie Schulwahl kämpfen.

Ein Gespräch mit Landrat Oliver Quilling verlief ihrer Ansicht nach enttäuschend, jetzt setzen sie auf Juristen und die Rödermärker Kommunalpolitik. „Wir hatten auf ein Angebot des Landrats gehofft. Aber eigentlich kam nichts dabei rum“, fasste Friedrich von Langen den Termin im Kreishaus aus Elternsicht zusammen. Landrat Oliver Quilling hatte erklärt, dass Angebot und Nachfrage im gymnasialen Bildungsbereich ausgewogen seien. Im Kreis gebe es genug Plätze in reinen Gymnasien, kooperativen und integrierten Gesamtschulen. Von den ursprünglich 24 abgelehnten Viertklässlern seien daher nur noch 14 übrig.

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Der Landrat sieht das Gespräch positiver als die Eltern. Er wolle beim Staatlichen Schulamt in Offenbach nachfragen, ob es für diese 14 Kinder eine Ausnahme machen könne und die fünften Klassen an der Ricarda-Huch-Schule (Sprendlingen) und am Adolf-Reichwein-Gymnasium (Heusenstamm) aufstockt. Quillings Rechnung: An beiden Schulen gibt es jeweils sechs fünfte Klassen. Nimmt jede auch nur ein Kind mehr auf, wäre das Problem für den Landrat so gut wie gelöst.

Goethe-Gymnasium in Neu-Isenburg als Alternative

Im Gespräch mit unserer Zeitung schlug Quilling gestern erneut das Goethe-Gymnasium in Neu-Isenburg als Alternative vor. Dort gebe es im neuen Schuljahr zwölf freie Plätze, und Rektor Ralph Hartung, ein Urberacher, würde die Rödermärker Kinder nehmen. Den Eltern ist der Weg nach Neu-Isenburg (50 Minuten Fahrzeit) zu weit. 14 haben beim Schulamt Widerspruch gegen die Ablehnung an den Wunschgymnasien eingelegt. Friedrich von Langen hat sogar eine Wiesbadener Fachanwältin eingeschaltet, um ein transparentes und gerechtes Auswahlverfahren vor Gericht durchzusetzen.

Die Rödermärker Kinder dürfen nicht an die Ricarda-Huch-Schule - um die geht es primär -, weil die zunächst die Bewerber aus Dreieich nehmen muss (Wohnort-Prinzip). Der Paragraf 70 des Hessischen Schulgesetzes, so von Langens Argumentation, regelt die Vergabe und sei „genau das Gegenteil des Ortsbonus“. Die Stadt Darmstadt setze dies auch entsprechend um: Sie schreibe in einem Merkblatt, dass Kinder aus Messel wegen des langen Schulwegs bei der Schulwahl bevorzugt werden. „Wir wollen jetzt mit aller Kraft die Politik in Rödermark mobilisieren“, kündigen die enttäuschten Eltern einen hartnäckigen Kampf um die freie Schulwahl an: „Schon für die Kinder, die nach unseren kommen!“

Quelle: op-online.de

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