Ober-Roden

Wie aus Kaninchenfell schicke Hüte wurden

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Ganz weit zurück in der Geschichte des T&N-Geländes wanderte Historiker Norbert Cobabus.

Urberach - (chz) Ganz weit zurück in der Geschichte des T&N-Geländes wanderte Historiker Norbert Cobabus bei der 9. Geschichtswerkstatt in den Räumen des T&N Dokuzentrums.

Begleitet von Hase Bertie (frei nach Robert Bloch) und einem edlen braunen Filzhut, referierte Cobabus höchst anschaulich und abwechslungsreich die Geschichte der im Urberacher und Ober-Röder Raum angesiedelten Hutstoffwerke und im speziellen den Weg des Hasenhaares vom Kaninchen bis zum edlen Hut. Anlass war die derzeit genau hundertjährige Historie der Hasenhaarschneiderei Bloch & Hirsch, den Vorgängern auf dem späteren Werksgelände der T&N, der über Jahrzehnte in der Blütezeit guter Filzhüte zu den größten Herstellern zählte. Noch heute sind von den Werken Bloch & Hirsch, C.F. Donner, Böffinger & Eichler und Jäger & Neidhart anhand von Bauwerksresten in Urberach und in Ober-Roden deren Lage und Ausmaße zu ermessen, etwa in der Frankfurter Straße 58 - 60, im alten Messeler Weg und vor allem zwischen Kreuzgasse und Darmstädter Straße.

Damit erklären sich aber auch gerade auf dem Gelände der T&N die hohen Bodenbelastungswerte. Sowohl beim Reinigen der Hasenhaare vor dem Verarbeiten wie auch beim späteren Färben der gefilzten Stoffe wurde hochgradig toxisch gearbeitet. Quecksilber und Arsenik waren dabei ebenso verbreitet wie Salpetersäure.

Die große Menge Hasenhaar zur Filzherstellung lieferten im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert hauptsächlich Kaninchen aus Zucht oder Freiland - die Hasenhaarschneidereien hatten eigene Jäger angestellt, denn 1,8 Millionen Hasen- und 2,4 Millionen Kaninchenfelle etwa im Jahr 1865 im Frankfurter Raum wollten erlegt sein.

In ihrem umsatzstärksten Jahr bekamen Neidhart & Jäger etwa 780 Tonnen Felle angeliefert. In den Fabriken wurden die Tiere dann „entfleischt“, die Felle getrocknet und die Läufe in Heimarbeit vergeben, alles andere mit jeweils zeitgemäßen Schneideverfahren vor Ort verarbeitet - erst mit dem Rupfmesser, dann zwischen Trommeln mit und ohne Kurbel, schließlich mit „Lokomobilen“, ersten Dampfmaschinen. Auf diesem Stand fing die Hutstoff-Fabrik Bloch & Hirsch, die sich 1925 mit C.F. Donner zusammenschloss, im Jahre 1909 ihren modernen Betrieb an. Am 19. Dezember 1930 erst wurde das letzte Werk geschlossen - nach der Wirtschaftskrise waren teure Hüte nicht mehr gefragt.

Quelle: op-online.de

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